Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Tony Christie Glamouröses Nordlicht
Dass ein Endsechziger cool, elegant, dynamisch, musikverliebt und nicht eine Sekunde peinlich das Haus rocken kann – glückliches England. In Topform präsentiert der Altmeister Northern Soul in Reinkultur. Fette Saxofone und Arrangements in Ballroom-Größe, das bekannte „Get Carter“-Thema von Jarvis Cocker in „Get Christie“ umgewandelt und Roisin Murphy bei „7 Hills“ als Duett-Partnerin zeigen erneut seine Verbundenheit mit der Jetzt-Generation, denn ansonsten lebt hier ein Sixties-James-Bond-Cinemascope-Sound auf, der von Spielfreude lebt. Witzige Zitate aus Discozeiten („Mamy Blue“, „Dschingis Khan“…) und einen munteren Blues zeigen die Songschreiber Michael Ward und Richard Barratt als Over-the-Top Experten, Balladen bleiben die Ausnahme, eine Platte, um in den Frühling zu stürmen.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Tony Christie, Now’s The Time (Acid Jazz)

 

Britney SpearsGroßangriff auf die Clubs
Achtung, Verwechslungsgefahr! Europäisch eingefärbter Trance-Trash-Tinnef drängelt sich hier oft so penetrant in den Vordergrund, dass man sich am Ende nicht mehr sicher ist, ob man es wirklich mit Britney oder mit dem Machwerk einer x-beliebigen Sirene zu tun hat. Gewehrfeuer-Beats bollern, breit gezogene Synthesizer-Flächen schwirren hindurch, und die Stimme der Sängerin, eigentlich Star der Show, ist mit Auto-Tune-Effekten belegt. „Beautiful“ könnte von den Scissor Sisters sein, der unerträgliche will.i.am lässt Britney die hirnverbrannte Zeile „I can be your trouble, baby, you can be my bass“ aufsagen, und für „Trouble For Me“ hat man bei Peaches geklaut. Rettung bringen immerhin „How I Roll“ oder „Criminal“, wo Pop-Qualitäten zu erkennen sind.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

Britney Spears, Femme Fatale (Jive/Sony Music)

 

Cage The Elephant Neue Indie-Rock-Helden
In den USA ist das in London lebende Quintett aus Bowling Green/Kentucky spätestens seit diesem Album eine große Nummer. Die Single „Shake Me Down“ toppte die Billboard Alternative Charts, und gute zwei Monate nach dem US-Release ist der dritte Longplayer der Indie-Rocker nun auch bei uns erhältlich. Die Band um die Brüder Matt und Brad Shultz kommt mal direkt und geradeaus mit Gebrüll, dann wieder verletzlich und kleinlaut, aber immer verbunden mit guten, eingängigen Melodien. So drängt sich der Vergleich mit den Kings Of Leon nicht nur dadurch auf, dass auch hier Brüder aus der amerikanischen Provinz zusammen Musik machen. Allein: Im Gegensatz zu den über die Jahre verweichlichten Followills scheuen Cage The Elephant die Härte nicht.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Hörenswert

Cage The Elephant, Thank You Happy Birthday (Relentless/EMI)

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