Musik

Berliner Hip-Hop-Geschichte in Bildern: „Mein Zuhause, mein Block“

Die Berliner Hip-Hop-Geschichte ist lang und es ist garantiert noch kein Ende in Sicht. Diese Liste führt euch anhand von Bildern durch fast 40 Jahre Hip-Hop in der Hauptstadt. Natürlich kann hierbei nicht die ganze Komplexität der Subkultur und dazugehörigen Musikform dargestellt werden, jedoch werden euch einige bekannte Gesichter und Orte über den Weg laufen. Was ist also passiert seit 1984, als die ersten Berliner Breakdancer am Breitscheidplatz die Menge faszinierten? Seht es selbst in einer kleinen Bilder-Reise zu Graffiti, deutsch-türkischen Rap-Formationen, Westberlin Maskulin, Aggro Berlin, Zeckenrap, Cloud-Rap und Trap.

Berliner Hip-Hop-Geschichte: Breakdancer am Breitscheidplatz (1984)

Heutzutage dominiert Hip-Hop in allen Möglichen Variationen die internationalen Charts. Das war nicht immer so: Hip-Hop entstand in den siebziger Jahren als Identifikationsmittel und Sprachrohr der vernachlässigten Minderheiten im New Yorker Stadtteil Bronx. Die Gesellschaft war von extremer Ungerechtigkeit geprägt. Während sich andere Stadtteile zur Heimat der Superreichen entwickelten, waren die Lebensbedingungen in den Bronx von Armut, Kriminalität, Perspektiv- und Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und gravierender sozialer Ausgrenzung bestimmt. Hip-Hop brachte Hoffnung, führte Menschen auf Partys und Konzerten zusammen und gab denen eine Stimme, die viel zu lange nicht gehört wurden.

Was geht hier ab? Die Leute auf dem Breitscheidplatz bewundern einen Breakdancer. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Breakdance gehört neben DJing, MCing und Graffiti zu den vier elementaren Säulen der Hip-Hop-Bewegung und war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Subkultur. Ihren Weg nach Berlin fand die athletische Tanzform allerdings erst einige Jahre später. Zu Beginn der achtziger Jahre überrollten Szene-Filme wie Style Wars“ (1983), Wild Style“ (1983) und Beat Street“ (1984) die BRD. Besonders in Westberlin und Süddeutschland wurde die Hip-Hop-Kultur durch die hier stationierten US-amerikanischen Soldaten verbreitet, die Hip-Hop im Radio hörten oder auf Partys dazu tanzten. Wenig später fanden in Westberliner Jugendclubs wie dem Kinder- und Jugendhaus Lichtenrade oder der Naunynritze in Kreuzberg erste Hip-Hop-Events statt.

Graffiti an der Hauswand: Die Naunynritze in Kreuzberg gehört zu den Geburtsorten des Berliner Hip-Hops. Foto: Imago/Uwe Steinert

Auch in der DDR entwickelte sich Hip-Hop zu einer wichtigen Jugendkultur. So organisierte die FDJ in Ostberlin offizielle Breakdance-Kurse und Wettbewerbe, die im Haus der jungen Talente veranstaltet wurden. Der Chemnitzer Rapper Trettmann brachte 2017 die Hoffnung und Faszination, die der Hip-Hop in der DDR auslöste, in seinem Song Grauer Beton“ auf den Punkt: Kids aus Übersee waren unsere Ikonen/Und weiße Sneaker mehr wert als Millionen.“

Die Graffiti Gang verewigt sich auf der Berliner Mauer (1987)

Graffiti ist ein wichtiger Teil der Hip-Hop-Kultur und prägt auch das Berliner Stadtbild. Foto: Imago/Gerhard Leber

Auch Graffiti ist stark mit der Hip-Hop-Kultur verwurzelt. Graffiti-Crews wie das Kollektiv 1UP, einzigartige Orte wie die East Side Gallery oder die Vielzahl an Street Art in Berlin machen die Hauptstadt zu einem Zentrum der Kunstform. Die Berliner Mauer wurde immer wieder zur Leinwand für politische Aussagen, Verewigungen oder Graffiti-Tags. Die Grundidee des Graffitis war eine Verschönerung der grauen und verfallenen Häuser in der Bronx. Berlin hat auch heute noch genug triste Flächen zu bieten, die einen kleinen Anstrich vertragen könnten.

Smudo und Thomas D posieren in Berlin (1992)

In den achtziger Jahren rappten deutsche Hip-Hop-Gruppen fast ausschließlich auf Englisch. Erst in den frühen Neunzigern machten sich Rap-Crews wie Islamic Force, die aus dem Umfeld der Naunynritze entstanden und sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch rappten, einen Namen. Insgesamt schaffte es der oftmals sehr harte Berliner Straßenrap jedoch vorerst nicht aus dem Untergrund heraus.

Zwei Mitglieder der Fantastischen Vier posieren in Berlin. Die Stuttgarter Gruppe gehört zu den ersten kommerziellen, deutschsprachigen Hip-Hop-Acts. Foto: Imago/Brigani-Art

Anders sah es in Süddeutschland aus: Die Stuttgarter Hip-Hop-Formation Die Fantastischen Vier machten Rapmusik mit humorvollen und teilweise niveauvollen Texten plötzlich massentauglich und führten die Subkultur in den Mainstream. So wurde ihr Song Die da!?!“ 1992 zum Riesenhit und erreichte den zweiten Platz der Charts. Auch in Berlin war die Gruppe insgesamt sehr beliebt, die Hip-Hop-Community kritisierte die Stuttgarter Gruppe auf Grund ihrer Kommerzialisierung jedoch aufs Schärfste.

Das deutsch-türkische Hip-Hop-Projekt Cartel erreicht Platin-Status (1998)

Cartel gilt als erste überregional populäre Rap-Formation. Besonders in der Türkei, Deutschland und Österreich feiert die auf verschiedenen Sprachen rappende Gruppe riesige Erfolge. Foto: Imago/Brigani-Art

Erst Mitte der 90er Jahre wurden relevante Berliner Hip-Hop-Platten in deutscher Sprache veröffentlicht. Die wichtigsten Gruppen stammten weiterhin aus der deutsch-türkischen Szene. Deren erfolgreichste Formation hieß Cartel. Als erstes überregional populäres Rap-Projekt, das türkischstämmige Hip-Hop-Acts aus verschiedenen Ländern, Städten und Crews verband und mehrsprachige Tracks veröffentlichte, feierte Cartel internationale Erfolge. Besonders in der Türkei, Deutschland und Österreich brach die Rap-Formation sämtliche Rekorde. Nicht nur deutsche und türkische TV-Kanäle sendeten Beiträge über Cartel, sondern sogar BBC-London setzte sich mit diesem subkulturellen Phänomen auseinander.

Laut der Islamwissenschaftlerin Maria Wurm resultierte die enorme Popularität der Formation aus der Identifikationsposition, die Cartel durch ihre Texte besonders für migrantische Jugendliche in Deutschland einnahm. In der Türkei hingegen wurden die Rapper als selbstbewusste und erfolgreiche Repräsentanten der türkischen Kultur in einem anderen Land gefeiert. Diese Identifikation und Repräsentation sowie die Auseinandersetzung mit sozialen Missständen und Integration prägen viele Teile des Hip-Hops bis heute. Wie in der Bronx der 70er dient Hip-Hop oftmals weiterhin als elementares Sprachrohr der Benachteiligten.

Große Egos, harte Texte: Kool Savas dominiert den Battlerap (2003)

Anfang der 90er reiste der aufstrebende Rapper Kool Savas in die USA und lernte dort lokale Hip-Hop-Größen und Battlerap kennen. Inspiriert von der Aggressivität, Schlagfertigkeit und Sprachgewandtheit der Musikform begann er nach seiner Rückkehr, in seiner deutschen Muttersprache zu rappen. Hierbei orientierte er sich an US-amerikanischen Vorbildern und brachte mit seinen provokativen Texten und angsteinflößenden Flows eine neue Härte in den deutschen Hip-Hop. 1996 gründete er die Gruppierung Masters of Rap, die verschiedene Battlerapper vereinte, und aus der ein Jahr später auch das Rap-Duo Westberlin Maskulin hervorging. Gemeinsam mit Taktloss polarisierte Kool Savas mit brutalen Disstracks, anstößigen Vergleichen und politisch unkorrekten Texten.

Während besonders Jugendliche die Ehrlichkeit und Härte des Duos feierten, wurden die Texte gleichzeitig als jugendgefährdend eingestuft und teilweise zensiert. Dieser Interessenkonflikt hat sich nie vollständig aus dem Hip-Hop verabschiedet. Auch heutzutage wird bestimmten Strömungen des Hip-Hops Sexismus, Homophobie, Gewalt- und Drogenverherrlichung vorgeworfen, dem gegenüber stehen Kunstfreiheit, Humor, Satire und Ironie. Es ist ein langwieriger und komplizierter Konflikt. Sicherlich ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit expliziten Zeilen und bestimmten Hip-Hop-Acts notwendig. Viele Rapper:innen haben sich in den letzten Jahren auch von ihren eigenen Texten distanziert.

Kool Savas bringt eine neue Aggressivität in den Rap und ist ein gefürchteter Battlerapper. Foto: Imago/Götz Schleser

Trotzdem ist der riesige Einfluss von Westberlin Maskulin auf den Berliner Hip-Hop nicht zu vernachlässigen. 1997 gründete Marcus Staiger den Royal Bunker. Es handelte sich hierbei um eine Kellerkneipe in der Mittenwalder Straße in Kreuzberg, in der nach amerikanischem Vorbild Open-Mic-Sessions stattfanden, bei denen aufstrebende Rapper ihr Talent beweisen oder sich in Rapbattles gegen andere Rapper durchsetzen konnten.

Die Kneipe selbst musste zwar schon nach einem Jahr wegen Mietschulden schließen, der Royal Bunker war jedoch längst zu einem Label geworden, das sich zum Zentrum des Berliner Hip-Hops entwickeln sollte. Die Masters of Rap blieben vorerst die wichtigsten Repräsentanten, in den kommenden Jahren gesellten sich viele zukünftige Rapstars wie Sido, B-Tight, Eko Fresh, Prinz Pi und K.I.Z. zu Royal Bunker und veröffentlichten hier bahnbrechende Tracks.

Goldjunge“: Sido führt den Ghetto-Rap in den Mainstream und schreibt Berliner Hip-Hop-Geschichte (2004)

Sido im Märkischen Viertel: Der Rapper etabliert den Ghetto-Rap mit humorvoll-provokativen Texten im Mainstream. Foto: Imago/Michael Hughes

2001 wurde das Independent-Label Aggro Berlin gegründet. Die ersten dort vertretenen Rapper waren Sido und B-Tight, die sich auch schon im Royal Bunker einen Namen gemacht hatten, sowie der deutsch-tunesische Rapper Bushido. Stilistisch und textlich führte Aggro Berlin den harten Gangsta-Rap fort, der von Westberlin Maskulin etabliert wurde. Es folgten mehrere kleine Auftritte auf dem für Hip-Hop-Acts äußerst wichtigen Splash-Festival und erste Sampler-Veröffentlichungen. Der Durchbruch gelang dem Label im Jahr 2003 mit Bushidos Debütalbum Vom Bordstein bis zur Skyline“. Der Gangsta-Rapper polarisierte mit seinen aggressiven Texten, harten Flows und dramatischen Beats. Die Musik-Presse reagierte damals größtenteils positiv auf das Album und feierte es für seine Ehrlichkeit, Kompromisslosigkeit und Authentizität. Außerdem wurden mit diesem Tonträger erstmals die Charts erreicht. Wie bei Royal Bunker entfachten Bushidos Texte jedoch wenig später heftige Kontroversen. So darf Vom Bordstein bis zur Skyline“ seit 2005 aufgrund diskriminierender und frauenfeindlicher Texte nur noch eingeschränkt erworben werden.

Bushido verschaffte dem Label Aggro Berlin den Durchbruch. Hier bei einem Konzert in der Berliner Columbiahalle 2004. Foto: Imago/Pop-Eye

Nichtsdestotrotz schuf Bushidos Erfolg eine Plattform für die anderen aufstrebenden Rapper und rückte Aggro Berlin ins Rampenlicht. So traten die Rapper plötzlich auf der Splash-Hauptbühne vor 20.000 Fans auf. Durch weitere sehr erfolgreiche Label-Sampler und vor allem das Musikfernsehen verbreitete sich der Gangsta-Rap wie ein Lauffeuer.

Hip Hop pur: B-Tight und Viruz bei einem Konzert im Berliner Columbia Club. Foto: Imago/Pop-Eye

2004 erschien Sidos langerwartetes Solo-Debütalbum Maske“ und stieg direkt auf Platz 3 der Album-Charts. Dies war der bis dahin größte Erfolg des Labels. Die Texte des Berliner Rappers, der als Markenzeichen eine goldene Totenkopfmaske trug, enthielten auch damals schon einen gewaltigen Wortwitz, Ironie und humoristische Vergleiche, was ihn von anderen Label-Kollegen abhob und auch im Mainstream beliebt machte. Die Single Mein Block“ ist eine zeitlose Hymne ans Märkische Viertel, in dem Sido aufgewachsen ist, und zelebriert das Leben im Hochhaus auf lockere Art und verströmt trotz der textlichen Verspieltheit die beliebte Härte des Labels. Sido wurde zum Musik-Phänomen.

So feierte Sido riesige Erfolge, erhielt wichtige Preise, trat in populären TV-Shows auf, spielte große Konzerte und gewann nach und nach Fans aus allen Schichten und Altersklassen. Aggro Berlin dominierte viele Jahre das deutsche Hip-Hop-Geschäft und die Berliner Rap-Szene. 2009 löste sich das Label auf, nachdem viele Rapper eigene Wege eingeschlagen hatten. Als Firma und Videoplattform ist Aggro Berlin jedoch weiterhin erfolgreich. Sido hat in seiner langen Karriere viele Wandel durchlebt, ist aber bis heute enorm populär und vor allem meistens wirklich gut.

Auch wenn Sidos Bart langsam grau wird, ist seine Musik immer noch topaktuell. Hier bei einem Konzert in der Waldbühne 2020. Foto: Imago/Carsten Thesing

Hip-Hop kann auch anders: Feministischer Zeckenrap kämpft gegen Diskriminierung und das Patriarchat (2008)

W B* Girlz“ fand 2008 als erstes Hip-Hop-Festival für Frauen in Berlin statt und legte den Grundstein für eine feministische Hip-Hop-Bewegung im Deutsch-Rap. Foto: Imago/Brigani-Art

Dass in dieser Liste bis jetzt nicht gegendert wurde, ist keine Schusseligkeit, sondern repräsentiert die bittere Realität, dass der Berliner Hip-Hop bis auf wenige Ausnahmen lange von Männern dominiert wurde. Frauen traten meist nur als Sexobjekt in den oftmals extrem diskriminierenden Texten oder als knappbegleitete Tänzerinnen in den Musikvideos auf. Aus diesen unerfreulichen Gründen veranstalteten die Berliner Hip-Hop-Autorin Nika Kramer und die New Yorker Hip-Hop-Fotografin Martha Cooper im Sommer 2008 mit W B* Girlz“ das erste Hip-Hop-Festival für Frauen in Berlin.

In ganz Europa hatte es bis dahin noch nie ein feministisches Hip-Hop-Festival in dieser Größenordnung gegeben. Den ganzen August fand W B* Girlz“ in verschiedenen Berliner Bezirken statt. Neben Konzerten, Battles, Ausstellungen, Breakdance-Performances, Filmaufführungen und Workshops wurden Diskussionen ausgetragen, die sich mit Sexismus, Diskriminierung, toxischer Männlichkeit, Homophobie und Rassismus im Hip-Hop auseinandersetzten.

Auch die Berliner Rapperinnen Sookee war auf dem Festival vertreten. Sookee engagiert sich in der Queer-Szene und kämpft mit ihrer Musik gegen Homophobie, Sexismus, Gewalt- und Kapitalismusidealisierung im deutschen Hip-Hop und Rassismus, Antisemitismus und patriarchische Strukturen in Deutschland. Aufgrund ihrer klaren linken, feministischen und queeren Haltung repräsentiert Sookee den sogenannten Zeckenrap. Der Begriff Zecke“ wird vor allem im rechtsextremen Umfeld verwendet, um Andersdenkende zu beleidigen. Die Wahl des Namens ist also eine herrlicher Konter: Wir sind Zecken und das ist auch gut so!“

Die Berliner Rapperin und Aktivistin Sookee beim CSD am Brandenburger Tor 2020. Foto: Imago/Photopress Müller

Leider konnte der Hip-Hop viele streitbare Aspekte bis heute nicht ablegen. Nicht wenige Texte, Videos und Auftritte sind immer noch mit der gleichen Kritik zu konfrontieren. Gerade deswegen ist es unglaublich wichtig, dass Künstler:innen wie Sookee sich für essenzielle Werte einsetzen und eine gute Alternative zu toxischen Männlichkeiten, Macho-Kultur, Diskriminierung, Rassismus und Homophobie bieten.

Yung Hurn, LGoony, Ufo361: Cloud-Rap und Trap erobern Berlin (2016)

Eine neue Hip-Hop-Generation: Cloud-Rap-Star Yung Hurn 2016 bei einem Konzert im Kesselhaus Berlin. Foto: Imago/Votos-Roland Owsnitzki

Mit Cloud-Rap und Trap fanden erneut US-amerikanische Hip-Hop-Strömungen ihren Weg nach Berlin. So experimentierte der Kreuzberger Rapper Ufo361 bereits auf Ich bin ein Berliner“ aus dem Jahr 2016 mit Einflüssen aus Trap und Cloud-Rap. Hierbei sind besonders Parallelen zu Futures Südstaaten-Rap aufzuweisen. So wird Ufos Musik immer mehr von harten 808-Beats, repetitiven Texten, genuschelten und schleppenden Rap-Flows und Auto-Tune geprägt. Auch thematisch orientiert sich der Berliner Rapper an seinen US-amerikanischen Vorbildern. So geht es zunehmend um Szenedrogen wie Lean und Xanax, Markenkleidung, Geld und Sex. Zeilen wie „Dritte Roli, noch ’ne Patek/ Misch’ das Lean mit Xanax/ Zähl’ die Hunderter / Meine Chains circa 100K“ werden auf Festivals und Konzerten von tausenden Fans mitgesungen und dominieren die Charts. Während sich Rapper Anfang der 2000er noch Sorgen um Indizierung machen mussten, schaffen es heutzutage deutlich härtere Songs in die Mainstream-Charts. Man sehe sich nur mal die 187 Strassenbande an…

Eine neue Hip-Hop Generation experimentiert mit der Kreuzung verschiedener Musikgenres: Eine von ihnen ist die Rapperin Haiyti, hier auf dem Berliner Wittenbergplatz. Foto: Imago/tagesspiegel

Eine deutlich verspieltere und humoristische Art bieten hingegen Cloud-Rap-Aufsteiger wie LGoony und Yung Hurn. Diese kommen zwar nicht aus Berlin, feiern jedoch große Erfolge in der Berliner Hip-Hop-Szene. Angelehnt an den US-amerikanischen Cloud-Rap wird ihre Musik oft von Synthesizern und atmosphärischen Klangflächen untermalt, die Beats sind häufig langsamer und weniger brachial als im Trap. Der Auto-Tune ist häufig noch extremer, gerne wird auch gesungen, geflüstert oder kaum gesprochen. Die Texte können abstrakt und emotional sein oder vollkommen absurd und unverständlich. Häufig werden auch Themen aus dem Gangsta-Rap und Trap maßlos und ironisch überspitzt, wodurch teilweise ein humoristischer Parodie-Charakter entsteht. Insgesamt ermöglicht der Cloud-Rap einen deutlich freieren Umgang mit dem Hip-Hop, wodurch bestimmte Songs soundtechnisch fast nichts mehr mit dem Genre zu tun haben, sondern eher nach 80s Balladen oder Elektro-Tracks klingen.

So vermischt die Hamburger Rapperin Haiyti auf ihrem Album „Montenegro Zero“ von 2018 Elemente aus Trap, Cloud-Rap, Gangsta-Rap, Emo und Neuer Deutscher Welle. Joey Bargeld wechselt auf seinem 2019 erschienen Album „Punk is Dead“ zwischen Disco, New Wave, Punk und verschiedensten Hip-Hop-Formen hin und her. Juju und Tarek K.I.Z., die beide aus Berlin kommen, haben in den letzten beiden Jahren emotionale Debüt-Alben aufgenommen, die von einem atmosphärischen und teilweise sehr düsterem Sound geprägt sind.

Die Berliner Hip-Hop-Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt

Der Einfluss von Trap und Cloud-Rap hat eine Vielzahl äußerst individueller Rapper:innen hervorgebracht oder bereits etablierte Künstler:innen inspiriert und ist aus dem Hip-Hop nicht mehr wegzudenken. Immer wieder entstehen neue Formen und Stile, während auch etablierte Rap-Arten weiterhin bestehen bleiben oder Revivals erleben. Die Berliner Hip-Hop-Geschichte ist noch längst nicht zu Ende erzählt. Hoffentlich werden eines Tages alle negativen Aspekte abgeworfen sein, sodass der Hip-Hop endlich bedingungslos als das gefeiert werden kann, was er ist: Ein wunderbares, vielseitiges und gesellschaftlich relevantes Sprachrohr, Pop-Phänomen und Lebensgefühl.

Anfang August wird im The Lighthouse of Digital Art“ auf dem RAW-Gelände eine umfangreiche Hip-Hop-Dokumentation präsentiert, in der 28 Hip-Hop-Artists aus verschiedenen Teilen der Welt vorgestellt werden. Hierbei wird immer wieder deutlich, was für eine politische, gesellschaftliche und universelle Relevanz Hip-Hop haben kann. Auf der wunderbaren Website wird das genaue Datum zu sehen sein, außerdem navigiert ein digitaler Turntable durch die vielfältigen Text- und Videobeiträge.


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Wer neue Musik entdecken möchte, findet in unserem Musik-Blog: Die besten Klänge Berlins und Wunderbares aus der Welt. Für Leute, die ihre eigene Musik machen wollen, gibt es diese wunderbaren Geschäfte für Musikinstrumente: Von Gitarrenladen bis Geigenwerkstatt. Außerdem gibt es endlich wieder Open-Air-Konzerte in Berlin: Wo ihr im Sommer hinhören solltet. Wir informieren euch auch in unserem tipBerlin-Newsletter: Die besten Neuigkeiten aus der Stadt.

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