Legenden

Pilgerstätten für Musikfans in Berlin: Hier lassen sich Legenden huldigen

Pilgerstätten für Musikfans gibt es in Berlin reichlich. Die Geschichte der Stadt ist nicht nur durch die unterschiedlichen Auffassungen von künstlerischer Freiheit in Ost und West geprägt, sondern auch durch musikalische Verewigungen in den Werken wahrer Legenden wie David Bowie und Rio Reiser. Die Spuren unsterblicher Songs und Kreativer lassen sich weiterhin in den Straßen Berlins erkunden. Von ehemaligen Wohnungen und revolutionären Studios bis zu besetzten Häusern und berüchtigten Clubs: An diesen Orten lassen sich Legenden huldigen.


Pilgerstätten für Musikfans: Auf Bowies Spuren in den Hansa Studios

Pilgerstätten für Musikfans in Berlin gibt es viele, die Hansa Studios gehören zu den bekanntesten, auch wegen David Bowie. Das Gebäude befindet sich an der Köthener Straße. Foto: Imago/Klaus Martin Höfer

Die Hansa Studios gehören zu den berühmtesten Aufnahmeorten der Musikgeschichte und prägten den Mythos der Mauerstadt Berlin maßgeblich mit. 1976 erstanden die Meisel Musikverlage den ehemaligen Kammermusiksaal in der Nähe des Potsdamer Platzes. Eindringlich verkörperte das teils vom Krieg zerstörte, neoklassizistische Gebäude in Mauernähe die Schrecken der Berliner Geschichte. Die eigenwillige Aura des beeindruckenden Bauwerks, das zur Zeit des Nationalsozialismus von der Reichsmusikkammer genutzt wurde, und der geteilten, brachflächigen Stadt ist auf den Werken zu spüren, die hier entstanden sind.

Gedenktafel an einem Wohnhaus in der Hauptstraße 155 in Schöneberg: Hier wohnte Bowie während seines Berlinaufenthalts. Foto: Imago/Joko

So entstanden David Bowies Meisterwerke „Low“ und „Heroes“ 1977 in der „Big Hall by the Wall“, wie der legendäre Musiker das Studio 2 der Hansa Studios im Meistersaal nannte. Sein Song „Heroes“ bleibt eine der wichtigsten Berlin-Hymnen, was nicht zuletzt am Super-Fan Christiane F. liegt. „Standing, by the wall, and the guns, shot above our heads, and we kissed, as though nothing could fall“ ist wohl eine der eindrücklichsten Beschreibungen der prägenden Eindrücke der Berliner Mauer. Auch Iggy Pop, der gemeinsam mit Bowie in der Hauptstraße 155 in Schöneberg wohnte, produzierte hier die großartigen Alben „The Idiot“ und „Lust for Life“. Weitere Superstars die in den Hansa Studios arbeiteten sind unter anderem Depeche Mode und U2. Heutzutage dient der Meistersaal wieder als Eventlocation und dank der Emil Berlin Studios weiterhin als Aufnahmeort. Besonders für Bowie-Fans bleibt das Studio weiterhin eine wichtige Pilgerstätte.

  • Meistersaal Köthener Straße 38, Kreuzberg, meistersaal-berlin.de
  • Gedenktafel für David Bowie Hauptstraße 155, Schöneberg

Nicos Grab auf dem „Selbstmörderfriedhof“ im Grunewald

Pilgerstätten für Musikfans: Auf Nicos Grab liegen Zigaretten, Orangen, Schokolade und sogar ein Tütchen Gras. Sie hätte sich bestimmt gefreut. Foto: Lennart Koch

Christa Päffgen, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Nico, wuchs in Schöneberg auf und wurde als Sängerin bei The Velvet Underground, Schauspielerin, Supermodel, Muse und Skandal-Star zur internationalen Pop-Ikone. Die Kunst- und Kulturfigur lebte von ihrer düsteren Aura und dem Mysterium, das sie um sich herum schuf. Mit tiefer Stimme, hartem deutschen Akzent, sagenumwobener Schönheit und finsterem Auftreten zeichnete sie das Bild einer Mondgöttin. Ungreifbar, surreal, anziehend und gleichzeitig beängstigend. Mit Warhols Supergroup revolutionierte sie 1967 die Musikwelt, als sie in Grabesstimme „All Tomorrow’s Parties“ beschwor. Als Supermodel eroberte sie die Laufstege der Welt und als Muse von unter anderem Dylan, Cohen und Morrison wurde sie zur berüchtigten „Femme Fatale“ – wie im gleichnamigen Velvet-Underground-Song.

Der Selbstmörderfriedhof ist ein düsterer Ort im Grunewald und dank Nicos Grab eine Pilgerstätte für Berliner Musikfans in Berlin. Foto: Imago/Rolf Kremming

Doch leider war Christa Päffgens Leben geprägt von Drogen. Vor allem das Heroin begleitete sie über Jahrzehnte. Erst in den letzten drei Jahre ihres Lebens blieb Nico clean. 1988 starb sie auf Ibiza nach einem Fahrradunfall an einer Gehirnblutung. Ihre letzte Ruhe fand die Mondgöttin im Grab ihrer Mutter auf dem Friedhof Grunewald-Forst, der aufgrund seiner düsteren Vergangenheit – hier wurden im 19. Jahrhundert angespülte Leichen aus der Havel, meist Suizidanten, beerdigt – auch Selbstmörderfriedhof genannt wird. Der kleine, verwunschene Waldfriedhof, der zu den gruseligen Orten Berlins gehört, versprüht eine unheimliche Atmosphäre. Auf Christa Päffgens Grab, das von ihrem letzten Lebensgefährten Lüül gepflegt wird, liegen Zigaretten, Schokolade und ein Tütchen Gras: Sie hätte sich bestimmt gefreut.

  • Friedhof Grunewald-Forst Havelchaussee 92b, im Grunewald, Wilmersdorf

Pilgerstätten für Musikfans: Träumen von den Neunzigern im Bunker

In den 1990er-Jahren war hier einer der wichtigsten Clubs in Berlin, heute befindet sich im Bunker die Boros-Kunstsammlung. Foto: Imago/Travel-Stock-Image
In den 1990er-Jahren war hier einer der wichtigsten Clubs in Berlin, heute befindet sich im Bunker die Boros-Kunstsammlung. Foto: Imago/Travel-Stock-Image

In den sagenumwobenen 1990er-Jahren gehörte der Bunker ohne Frage zu den wichtigsten Clubs in Berlin. Kurz nachdem der Bunker 1996 geschlossen hatte, zog die Fuckparade unter anderem an der Albrechtstraße/Ecke Reinhardstraße vorbei, um gegen die Schließung des bekanntesten Hardcore-Clubs Berlins zu protestieren. Wenn der Tresor hart war, dann war der Bunker eine Granitfaust. Es war dunkel, feucht und neblig, noch mehr als im Tresor. Und verrucht außerdem: Der Bunker war Basis des Kreuzclub, dem Vorläufer des KitKat. Heute befindet sich im Bunker die Boros-Kunstsammlung.

Westbam erzählte in der Zitty in seinem Club-ABC mal eine absurde Geschichte über den Bunker, die er selbst nur aus zweiter Hand hatte: Angeblich ging im Club mal das Gerücht um, die Nazis hätten dort riesige Mengen Kokain der Firma Merck vergraben. Ein Raver aus Russland habe das geglaubt und auf einer Afterhour ein drei Meter tiefes Loch in den Boden gegraben – ohne fündig zu werden. Wer eine Führung durch die Sammlung Boros macht, wird neben der Kunst auch über die spannende Geschichte des Ortes informiert.


Revolutionsluft schnuppern im Rauch-Haus

Pilgerstätten für Musikfans: Mariannenplatz, Kreuzberg – Die Ton Steine Scherben geben ein Konzert vor dem leerstehenden Bethanien. Foto: Jutta Matthes

„Der Mariannenplatz war blau, soviel Bullen waren da, und Mensch Meier musste heulen, das war wohl das Tränengas“: So beginnt der „Rauch-Haus-Song“ der Ton Stein Scherben aus dem Jahr 1972, eine unsterbliche Hymne auf die West-Berliner Hausbesetzerszene der Siebziger. Rio Reiser singt von der Besetzung des ehemaligen Bethanien-Krankenhauses am Mariannenplatz in Kreuzberg. Kaum eine Band hat die Geschichte von Musik und Revolution so ausdrucksstark verkörpert und Berlin nachhaltig geprägt wie die Scherben.

Denn die Gruppe um Rio Reiser war nicht nur eine Band, die Musik spielen wollte. Sie waren Teil der linken Szene, traten bei Protestkundgebungen auf und bei „Informationsveranstaltungen“ von Initiativen und Organisationen aus dem linksradikalen Spektrum, etwa der Roten Hilfe und der Zeitschrift „Agit 883“. Bei Hausbesetzungen in Berlin waren sie oft dabei und lieferten den Soundtrack zu der explosiven Stimmung in den frühen 1970er-Jahren.

Durch die Hausbesetzer wurden das Rauch-Haus, ein ehemaliges Schwesterwohnheim des Bethaniens, und das Krankenhaus selbst vor dem Abriss gerettet. Seitdem bewahren die Gebäude Wohn- und Kulturraum am Mariannenplatz. „Die Leute im besetzten Haus riefen: Ihr kriegt uns hier nicht raus“: Zum Glück hat Rio rechtbehalten. Neben dem Mariannenplatz kann man dem König von Deutschland auch auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof, der zu den schönsten Friedhöfen Berlins gehört, oder an der Gedenktafel seines Wohnhauses am Tempelhofer-Ufer 32 huldigen.

  • Georg-von-Rauch-Haus/Bethanien am Mariannenplatz, Kreuzberg
  • Alter St.-Matthäus-Kirchhof Großgörschenstr. 12-14, Schöneberg
  • Gendenktafel für Rio Reiser Tempelhofer Ufer 32, Kreuzberg

Pilgerstätten für Musikfans: Post-Punk im Kant Kino

Joy Division im Kant Kino. Die Tickets werden wohl voller Stolz aufbewahrt. Scan: Andreas B

Joy Division spielten nur zwei Konzerte in Deutschland. Der erste Auftritt fand vor gerade mal 150 Fans bei schlechten Soundbedingungen im Kölner Basement statt. Sechs Tage später, am 21. Januar 1980, stand die Gruppe um Ian Curtis auf der Bühne des Kant Kinos in West-Berlin. Das traditionsreiche Kino in Charlottenburg diente von den Siebzigern bis in die Achtziger hinein nicht nur als Lichtspielhaus, sondern auch als Konzertstätte, in der spätere Musiklegenden performten. So gastierten neben Joy Division unter anderem David Bowie, Nick Cave, Blondie, AC/DC, Nina Hagen und The Police in dem Filmpalast in der Kantstraße.

Pilgerstätten für Musikfans: Das Kant Kino hat eine bewegte Geschichte. In den Siebzigern und Achtzigern traten hier legendäre Bands auf. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Das von Mark Reeder organisierte Joy-Division-Konzert war eine Katastrophe. Der Sound war grottig, die Band schlecht gelaunt und das Publikum viel zu klein. Gitarrist Bernard Sumner soll die wenigen anwesenden Fans als „Nazischweine“ beschimpft haben, die Atmosphäre in der Mauerstadt empfand die Band als äußerst beklemmend und unangenehm. Ihr Song „Komakino“ ist eine Anspielung auf die negative Konzerterfahrung. Trotzdem werden die wenigen Leute, die die inzwischen legendäre Band damals live erlebt haben, diese seltsame Nacht sicherlich nie vergessen. Skandalöse Konzerte gibt es im Kant Kino zwar schon lange nicht mehr, trotzdem bekommt man in dem wunderschönen Saal 1 Gänsehaut, wenn man an all die großen Künstler:innen denkt, die hier auf der Bühne standen. Das sind Berlins beste Kinos: Von klein und besonders bis Mainstream.

  • Kant Kino Kantstraße 54, Charlottenburg, yorck.de

Ehemalige Radrennbahn Weißensee

Das größte Konzert, das die DDR je gesehen hat. Ein bis zwei Prozent der sozialistisch entwickelten Bevölkerung strömen auf das Gelände hinter der Radrennbahn Weißensee. Zäune werden umgerannt, FDJ-Ordner verzweifeln. Und dann rollt die Dreieinhalb-Stunden-Show an.

Der Boss in Ost-Berlin: Ein historischer Musikmoment. Foto: Imago/Camera4/Jim

Eine Stunde ist vorüber. Gerade hat Springsteen den 160.000 bis 300.000 Besuchern (so genau weiß das keiner) eine brachiale Version seines Mitgröhl-Hits „Born In The U.S.A.“ um die Ohren gedroschen. Da holt er einen Zettel hervor und liest auf Deutsch etwas holprig eine Ansprache vor: „Ich bin gekommen, um Rock’n’Roll zu spielen für euch Ost-Berliner – in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden.“

Buchstäblich in letzter Sekunde hat sein Manager Jon Landau verhindert, dass der Boss statt „Barrieren“ das Reizwort „Mauer“ sagt. Es reicht aber auch so, einem Studiotechniker beim DDR-Jugendradio DT 64 den Schock seines Lebens zu versetzen. Der kann in der leicht zeitversetzten Radioübertragung von Teilen des Konzerts gerade noch mitten in der Rede mit einer panischen Schweineblende verhindern, dass das Wort „Barrieren“ über den Äther geht. In der Fernsehaufzeichnung fehlt die Rede vollständig. Sie ist nur auf Bootlegs überliefert.

Und dann spielt die E Street Band Bob Dylans surrealistischen Klassiker „Chimes of Freedom“. Und alle wissen genau, wie es gemeint ist. Heutzutage ist nicht mehr viel von der Radrennbahn Weißensee zu erkennen. Die Tribünen und der Rundkurs wurden in den späten Neunzigern abgerissen. Trotzdem scheint man die Energie des Bosses und seiner Ost-Berliner Fans noch immer zu spüren. An die legendäre Springsteen-Show erinnern sich hier ein Ost- und West-Kollege des tips.

  • Ehemalige Radrennbahn Weißensee Sportanlage Rennbahnstraße 50, Weißensee

Pilgerstätten für Musikfans: Ost-West-Schicksal in Wolf Biermanns Wohnung

In diesem doch eher unspektakulären Wohnhaus an der Chausseestraße 131 wohnte Wolf Biermann vor seiner Ausbürgerung. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Kaum ein Musiker verkörpert den Ost-West-Konflikt so eindringlich wie Wolf Biermann. In seinen Texten kritisierte er schonungslos die Führungspersonen und die von ihnen ausgelösten Missstände in der DDR. So singt er in „Ermutigung“, einem seiner berühmtesten lyrischen Werke aus den frühen 70ern und heimlicher Nationalhymne der DDR, vom Überstehen einer „Schreckenszeit“ und der bevorstehenden Wende: „Das Grün bricht aus den Zweigen, wir wolln das allen zeigen.“ Die SED ließ sich diese „Revolutionsmusik“ natürlich nicht gefallen und schikanierte Biermann mit einem vollkommenen Auftritts- und Publikationsverbot in der gesamten DDR. Trotzdem setzte Biermann seine Systemkritik fort. Weitere politische Werke erschienen in der BRD, während in der DDR nur heimlich mit der heißen Ware gehandelt werden konnte. 1976 konnte Biermann ein letztes Konzert im Osten zu spielen, bevor er im selben Jahr durch eine List der SED nach einem Konzert in Köln ausgebürgert wurde.

Chausseestraße 131 - Album by Wolf Biermann | Spotify
Das Cover des Debütalbums: Wolf Biermann in seiner Wohnung an der Chausseestraße 131.

„Wegen grober Verletzungen der staatsbürgerlichen Pflichten“ verlor der Musiker und Lyriker seine Heimat und Identität. Die skandalöse Ausbürgerung vertiefte die Schlucht zwischen dem Regime und Kunstschaffenden. Wolf Biermanns Schicksal wurde zum bewegenden und berühmten Repräsentanten des Unrechts. Trotz der schlimmsten Umstände hat sich der Sänger nie klein kriegen lassen und Menschen in ihrem Protest musikalisch und lyrisch gestärkt. An seinem ehemaligen Wohnhaus in der Chausseestraße 131 in Mitte, in dem übrigens auch Biermanns gleichnamiges erstes Album aufgenommen wurde und das das Cover ziert, kann man sich vor Biermanns mutiger Aufopferung verneigen.

  • Wolf Biermanns ehemalige Wohnung Chausseestraße 131, Mitte

Berliner Hip-Hop-Geburtsort Naunynritze

Pilgerstätten für Musikfans: Kool Savas in der Naunynritze. Hier wurde Hip-Hop-Geschichte geschrieben. Foto: Imago/Bernd Friedel

Zu Beginn der 80er Jahre schwappte die Hip-Hop-Welle nach Berlin. US-amerikanische Szene-Filme wie Style Wars“ (1983), Wild Style“ (1983) und Beat Street“ (1984) begeisterten und inspirierten vor allem junge Leute. Besonders in Westberlin und Süddeutschland wurde die Hip-Hop-Kultur durch die hier stationierten US-amerikanischen Soldaten verbreitet, die Hip-Hop im Radio hörten oder auf Partys dazu tanzten. Wenig später fanden in Westberliner Jugendclubs wie dem Kinder- und Jugendhaus Lichtenrade oder der Naunynritze in Kreuzberg erste Hip-Hop-Events statt.

Graffiti an der Hauswand: Die Naunynritze in Kreuzberg gehört zu den Geburtsorten des Berliner Hip-Hops. Foto: Imago/Uwe Steinert

Die ersten deutschen Hip-Hop-Gruppen rappten fast ausschließlich auf Englisch. In den frühen Neunzigern machten sich dann plötzlich migrantische Rap-Crews wie Islamic Force, die aus dem Umfeld der Naunynritze entstanden, einen Namen mit deutsch-türkischen Texten. Rund um die Naunynstraße gründen sich neue Hip-Hop-Acts. Jams, Rap- und Breakdance-Battles und Workshops werden von dem Jugendclub veranstaltet. Die Naunynritze gilt als einer der Geburtsorte des Berliner Hip-Hops und leistet bis heute wichtige (sub)kulturelle Arbeit.


Pilgerstätten für Musikfans: Konzerte für die Ewigkeit im Loft/Metropol

Unser Autor hätte gerne die Beastie Boys im Loft erlebt. Foto: Lennart Koch

1982 eröffnete die Veranstalterlegende Monika Döring einen neuen Veranstaltungsort, der die Berliner Musikavantgarde nachhaltig prägen sollte. Im Zwischengeschoss des Metropols am Nollendorfplatz entstand der Club Loft und die dazugehörige, gleichnamige Konzertagentur. In den nächsten Jahren traf sich hier die Berliner Punk-, Avantgarde- und Alternative-Elite. Die Liste an Traumkonzerten im Loft ist lang: Sonic Youth, Beastie Boys, Public Enemy, Björk, Red Hot Chili Peppers, Bad Brains, The Bangles und Nirvana – Kurt Cobain 1991 im kleinen Loft für 20 Mark, bevor der ganze Grunge-Wahnsinn so richtig losging… Oh Mann, wer wäre da nicht gerne dabei gewesen. Den Club gibt es im Gegensatz zu der weiterhin sehr erfolgreichen Konzertagentur leider nicht mehr. Allerdings öffnete das eindrucksvolle Metropol nach langer Pause wieder seine Tore für Partys und Konzerte.


Hildegard Knefs Grab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf

Grab von Hildegard Knef
Pilgerstätten für Musikfans: Hildegard Knefs Grab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf. Foto: Imago/Westend61

In dieser Stadt kenn‘ ich mich aus, 
In dieser Stadt war ich mal zuhaus.

Natürlich singt Hildegard Knef hier über Berlin. Hier lebte sie seit frühster Kindheit, machte Karriere beim Film, am Theater, als Sängerin, Showstar und später auch als Autorin. Ihre Platten verkauften sich millionenfach, sie gewann den Bambi, Echo und die Goldene Kamera und mit ihrem autobiografisch geprägten Werk „Der geschenkte Gaul“ landete sie einen Bestseller. Nur Marlene Dietrich überragt die Knef, wenn es um den Status der Berliner Diva schlechthin geht. Wobei sie auch eine Hassliebe mit der Stadt verband. Hildegard Knef lebte und arbeitete lange in den USA, aber auch in England und Frankreich. Sie starb 2002 in Berlin und erhielt ein Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf. Hier befinden sich auch andere berühmte Gräber.

  • Waldfriedhof Zehlendorf Wasgensteig 30, Zehlendorf

Pilgerstätten für Musikfans: Punk’s Not Dead im SO 36

Lorie Shaull/ Wikimedia Commons/ https://www.flickr.com/ CC BY-SA 2.0

Der Ruf der Konzert- und Party-Location ist legendär – das SO36 war einer der Hotspots der West-Berliner Punk- und Kunstszene. Und so sieht der Schuppen immer noch aus. Der lange Konzert- und Clubraum saugt den Besucher förmlich in den Laden hinein, die Wände sind vollgepappt mit Aufklebern und Postern. Noch immer treten hier die Punkrock-Helden von einst auf. Mit Diskussionsrunden und Happenings ist der Club auch ein wichtiger Anlaufpunkt für Gentrifizierungsgegner und ist der soziale-engagierte Mittelpunkt rund um die Kreuzberger Oranienstraße.

Neben Poetry-Slams, Tanzkursen, der Roller Skate Disco, der Institution Gayhane, der Lesben- und Schwulen-Sause, läuft viel Trashpop auf 80er- und 90er-Partys. Dass das SO36 Bestand unter den Berliner Clubs hat, zeigt sich am Alter. Der 36. Geburtstag wurde bereits 2014 gefeiert, es gibt sogar ein Buch übers SO36. Hier sind weitere Berliner Clubs abseits von Techno und Elektro.

SO36 Oranienstraße 190, Kreuzberg, so36.com


Funkhaus Nalepastraße: Der Rundfunk der DDR

Pilgerstätten für Musikfans: Im Funkhaus der DDR wurde unter anderem der prägende Jugendsender DT64 produziert. Foto: Imago/Schöning

Die Berliner Rundfunkgeschichte ist einzigartig: Während in West-Berlin die Radiolandschaft zwischen SFB und RIAS aufgeteilt wurde und kleinere Sender wie der AFN dazwischen funkten, wurde in der Hauptstadt der DDR der Rundfunk zentral organisiert. 1949 wurde unter sowjetischer Ägide der Rundfunk der DDR gegründet, der bis zur Wiedervereinigung die zentrale Radioanstalt im SED-Staat darstellte.

Sitz des DDR-Rundfunks war das Funkhaus Nalepastraße, das über hervorragende Aufnahmestudios und Konzertsäle verfügte. Es gehört zu den ungewöhnlichsten Gebäuden Berlins, die man auf jeden Fall kennen sollte. Von hier wurde unter anderem auch der Jugendsender DT64 gesendet, der mit unangepasster und sogar westlicher Musikauswahl ganze Generationen von DDR-Jugendlichen prägte.


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