Was man nicht in Worte fassen kann

Buck Meek, am bekanntesten als Gitarrist von Big Thief, zeigt auf seinem vierten Soloalbum „The Mirror“, dass er weit mehr ist als ein Bandmitglied. Verletzlich und poetisch singt er über Liebe, Freundschaft und die komplizierten Dynamiken von Beziehungen – und spielt dabei virtuos mit Sprache. Im Gespräch erzählt Meek, wie es ist, mit seinen Liebsten zu arbeiten, warum das Schreiben eines Songs nur für sich selbst eine besondere Herausforderung ist – und wie er einmal nackt auf dem Fahrrad durch Berlin fuhr
Dein Album beginnt mit Gesang in einer erfundenen Sprache oder zumindest mit erfundenen Wörtern. Haben sie eine bestimmte Bedeutung für dich?
Nein, sie haben keine bestimmte Bedeutung. Das Album handelt viel von Kommunikation, und ich glaube, ich kommuniziere am besten, wenn ich mich auf eine Art Intuition verlasse. Es ist einfach ein Versuch, etwas zu kommunizieren, das man nicht in Worte fassen kann, denke ich.
Andere Musiker machen Soloprojekte, um sich eine Auszeit von ihrer Band zu nehmen, aber du arbeitest sehr eng mit Big Thief zusammen. Was macht diese Verbindung so besonders?
Was macht die Verbindung zwischen den beiden Projekten so besonders? Nun, je mehr ich mich mit Musik beschäftige, desto mehr bereichert das meiner Meinung nach jedes Projekt. Je mehr ich mich mit Songwriting beschäftige, desto besser werde ich als Gitarrist, weil ich vielleicht mehr Einfühlungsvermögen für Adrianne (Adrianne Lenker, Songwriterin und Kopf von Big Thief, Anm. d. Red.) als Bandleader habe oder generell eine narrativere Beziehung zu meinem Handwerk entwickle. Ich glaube, das ist sehr symbiotisch.
Jeder kreative Prozess ist bis zu einem gewissen Grad vulnerabel und Selbstzweifel kommen auf.
Buck Meek
Bei den Aufnahmen zu diesem Album hattest du nicht nur deine Band dabei, sondern auch deine Familie – deine Freunde und deine Frau. Wie hat sich das auf dein Songwriting und deine Songs ausgewirkt, so eng mit den Menschen zusammenzuarbeiten, die dir wichtig sind?
Nun, ich liebe es, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ich liebe, weil wir bereits eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis haben. Jeder kreative Prozess ist bis zu einem gewissen Grad vulnerabel und Selbstzweifel kommen auf. Kommunikation ist bei der Zusammenarbeit wirklich wichtig. Es kann eine echte Herausforderung sein, seine Ideen zu vermitteln.
Was genau meinst du damit?
Wenn man eine gemeinsame Geschichte mit jemandem hat, gibt das viel Kontext für die Kommunikation. Man versteht den Geschmack, die Stärken und Schwächen, die Vorurteile und Ängste des anderen. Man hat einfach schon viel Arbeit investiert, um diese Beziehung aufzubauen. Ob mit der Familie, einem Freund oder einem romantischen Partner – man hat bereits den größten Teil der Arbeit geleistet, um zu lernen, wie man kommuniziert. Gleichzeitig liebe ich es auch, mit völlig neuen Leuten zusammenzuarbeiten. Das ist anders und genauso wertvoll, finde ich.
In deinem Song „Heart in the Mirror” singst du: „I’ll try to write a song that is not for others”. Ist das etwas, was dir schwerfällt, weil viele deiner Songs von Liebe und Verbindung zu anderen handeln?
Ich habe versucht, den Gedanken an Zeugen komplett auszublenden und einen Song nur für mich zu schreiben, auch wenn es in diesem Song um Liebe oder eine andere Person geht. Es ging mir also eher darum, mich selbst zu befreien, um einfach zu sagen, was ich sagen wollte, ohne mir Gedanken darüber zu machen, was andere denken könnten. Ich denke, das ist eine Herausforderung für jeden, der Songs schreibt oder irgendetwas anderes auf dieser Welt tut, egal ob er es zugeben will oder nicht.
Welcher Song des Albums ist dein persönlicher Favorit, nicht der, von dem du denkst, dass er anderen am besten gefallen würde?
Ich glaube, „Demon” ist mein Favorit.
Dann verbrachten wir die ganze Nacht damit, unsere Ska-Musik in einer Bar zu spielen, die Sand auf dem Boden hatte, wie ein Strand. Ich weiß nicht, es war einfach so frei dort. Ich erinnere mich, dass mich diese Stadt wirklich umgehauen hat. Seitdem habe ich sie immer geliebt
Buck Meek
Du hast zwei Konzerte in Berlin vor dir, eines eher intim als Solokünstler in der Neuen Zukunft und ein großes mit Big Thief in der Columbiahalle. Was bevorzugst du, die intimeren Konzerte oder die großen?
Das ist schwer zu sagen. Sobald ich denke, dass ich große Konzerte bevorzuge, habe ich ein kleines Konzert, das ich wirklich liebe. Wahrscheinlich kommt es einfach auf meine Gemütsverfassung an, darauf, wie präsent ich in diesem Raum bin und wie gut ich mich konzentrieren, einlassen und loslassen kann.
Hast du eine Verbindung zu Berlin? Vielleicht eine Erinnerung an ein Konzert?
Ja, ich erinnere mich an mein erstes Mal in Berlin, als ich mit einem Fahrrad-Musikfestival namens „Pleasant Revolution” unterwegs war. Das waren etwa 20 Leute auf Lastenfahrrädern. Ich spielte Fretless-Bass in einer kalifornischen Third-Wave-Ska-Band namens Ginger Ninjas. Wir machten diese langen Nackt-Radtouren mit anderen Leuten, ähnlich wie beim „World Naked Bike Ride“, bei dem tausende nackte Menschen mit ihren Fahrrädern durch die Stadt fuhren, ausgestattet mit pedalbetriebenen Soundsystems. Ich glaube, ich war damals 21. Wir machten also diese Nackt-Radtour durch die Stadt. Dann verbrachten wir die ganze Nacht damit, unsere Ska-Musik in einer Bar zu spielen, die Sand auf dem Boden hatte, wie ein Strand. Ich weiß nicht, es war einfach so frei dort. Ich erinnere mich, dass mich diese Stadt wirklich umgehauen hat. Seitdem habe ich sie immer geliebt.

Du bist dann auch gerne zurückgekommen, etwa zum 2018 zum „People Festival“ 2018 im Funkhaus Nalepastraße. Erinnerst du dich noch an dieses Projekt?
Eine weitere wirklich schöne Erinnerung! Das Festival haben Aaron Dessner von The National und Justin Vernon von Bon Iver und viele andere organisiert. Das war etwas ganz Besonderes. Wir waren etwa 150 Künstler, die jeden Tag im Funkhaus zusammenarbeiteten, neue Musik machten und einfach den Raum und all die verschiedenen Studios dort nutzen konnten. Dort habe ich meinen Freund Alex Summers kennengelernt, der nun auf meinem Album gespielt hat. Es gab einen Schulbus, der uns jeden Tag vom Michelberger Hotel in Friedrichshain zum Funkhaus brachte, als würden wir zur Schule fahren. All diese wilden Künstler und Musiker. Ich saß im Schulbus neben Alex Summers, und wir waren beide ziemlich schüchtern, wie an unserem ersten Schultag. Wir wurden sofort Freunde, dort im Bus.
Neue Zukunft Alt-Stralau 68, Friedrichshain, So 29.3., 19 Uhr, VVK 25,90 €
Düstere Aussichten: Vier Clubs auf dem RAW-Gelände droht das Aus. Die Verwertungsmaschine frisst sich schon länger durch den Szenestadtteil: 2022 haben wir uns angeschaut, wie die Subkultur von Friedrichshain rebelliert. Noch ein Abschied: Der Spandauer AM Club hat nach kurzer Zeit das Aus verkündet. Was steht diese Woche an? Die Konzert-Tipps. Bisschen vorplanen: Alle Konzert-Tipps fürs Wochenende in Berlin findet ihr hier. Was ist noch los? Hier sind die besten Veranstaltungen heute in Berlin. Was Berlin täglich zu bieten hat, verraten unsere Tagestipps, in allen Rubriken und Kategorien. Ab ins Museum oder in die Galerie: Diese aktuellen Ausstellungen in Berlin empfehlen wir. Jede Woche neu: Den tipBerlin Newsletter könnt ihr hier abonnieren.