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Kool Savas im Interview: Auf seinem neuen Album „Lan Juks“ trifft er auf sich selbst

Kool Savas prägt seit mehr als 25 Jahren den deutschen Hip-Hop. Am 5. September erscheint sein siebtes und sehr persönliches Studioalbum „Lan Juks“, auf dem er sein 25-jähriges Ich featured. Wir haben den legendären Rapper in seinem Haus in Grunewald getroffen und über Vergangenheitsbewältigung und seine ambivalente Liebe zu Berlin gesprochen.

Kool Savas spricht im Interview mit tipBerlin über sein neues Album „Lan Juks“
Kool Savas spricht im Interview mit tipBerlin über sein neues Album „Lan Juks“. Foto: Mak

tipBerlin Wie geht es dir gerade – auch mit Blick auf die Veröffentlichung deines neuen Albums?

Kool Savas Ich bin jetzt deutlich ungestresster als sonst. Ich habe auf jeden Fall die nervtötende Angewohnheit, dass ich zum Ende hin bei einer Produktion super nervös werde und alles nochmal infrage stelle und am liebsten über den Haufen werfen möchte. Und ich bin ganz froh, dass ich es dieses Mal geschafft habe, das Album so hinzukriegen, dass ich vielleicht zu 80 bis 90 Prozent zufrieden bin. Wahrscheinlich würde ich jetzt wieder ein paar Sachen anders machen, aber ich bin happy mit dem, was es jetzt ist, und das ist für mich rund. Kurz gesagt, mir geht es ganz gut.

tipBerlin Einer der bereits veröffentlichten Tracks des Albums heißt „Berlin“ und ist eine Liebeserklärung an die Stadt. Kann man das so sagen? 

Kool Savas Gewissermaßen, ja. Also ich habe hier auch viele schwierige Jahre gehabt, besonders in der Jugend. Ich kam direkt in ein schwieriges Umfeld und musste echt lange an mir arbeiten, um mich darin zurechtzufinden. Daher hat Berlin immer so einen gewissen Beigeschmack für mich. Natürlich habe ich hier viele tolle Leute kennengelernt und auch viele tolle Sachen erlebt. Gleichzeitig habe ich auch viele Sachen erlebt, die nicht so cool für mich waren. Mein neues Album, in dem ich auch alte Sachen von mir benutzt habe, hat mich halt auch kopfmäßig in der Zeit zurückgeworfen und das alles nochmal ein bisschen aufarbeiten lassen. Das war ganz gut. Berlin hatte immer einen Stellenwert für mich und ist irgendwie schon meine Heimat, obwohl ich gleichzeitig das Gefühl habe, nicht mehr richtig reinzupassen. Insofern ist es eine teilweise vergiftete Liebeserklärung, würde ich sagen.

Wenn ich heute nach Kreuzberg fahre, merke ich schon, dass es ein anderes Kreuzberg ist. Aber die Gefühle sind oft noch die gleichen

Kool Savas

tipBerlin Inzwischen lebst du in Grunewald. Wie nimmst du das Kreuzberg, in dem du jung warst und von dem du rappst, heute wahr? 

Kool Savas Ich bin natürlich deutlich seltener da und die Schwierigkeiten, die ich damals hatte, sind nicht die Schwierigkeiten von heute. Als ich dort aufgewachsen bin, war zum Beispiel das Thema Gangs sehr präsent. Das war eine der Situationen, mit denen ich mich zurechtfinden musste. Es bestand immer ein gewisser Druck, dazuzugehören. Der ist ja eh bei jungen Leuten immer stark, dass man dazugehören möchte, aber auch dazugehören muss. 

tipBerlin Wie ist es heute für dich?

Kool Savas Wenn ich heute nach Kreuzberg fahre oder wir dort essen gehen, merke ich schon, dass es ein anderes Kreuzberg ist. Aber die Gefühle sind oft noch die gleichen. Vieles kommt dann wieder hoch. Ich habe festgestellt, dass ich mich manchmal sogar geärgert habe, dort zu sein, weil es noch ein paar unverarbeitete Dinge gab, mit denen ich emotional im Konflikt lag.

Kool Savas weit weg von Kreuzberg, auf seinem Grundstück in Grunewald. Foto:Mak
Kool Savas weit weg von Kreuzberg, auf seinem Grundstück in Grunewald. Foto:Mak

tipBerlin Dein neues Album „Lan Juks” wird als Reise durch dein gesamtes Leben beschrieben. War das von Beginn an dein Plan oder hat sich das erst während des Prozesses entwickelt?

Kool Savas Irgendwann – ich muss ein bisschen ausholen: Ich habe ein NFT gemacht, damals, als der NFT-Hype groß war und man mich gefragt hat, ob ich mir das vorstellen könnte. In dem Zusammenhang habe ich eine meiner ersten Deutschrap-Aufnahmen auch als NFT angeboten und mich mit meinem alten Freund Fumanschu getroffen. Der hat eine Vierspur mitgebracht. Das sind diese Tape-Rekorder, auf denen wir damals aufgenommen haben. Wir haben die alten Tapes durchgehört, und da habe ich gemerkt, dass ich noch voll viele Kassetten hatte. Die habe ich dann alle aus dem Keller rausgekramt, angefangen, mir die Dinger anzuhören und war teilweise überrascht, was da noch drauf war. Manchmal kannte ich die Parts auch gar nicht mehr, also die Texte von mir, die halt schon recorded waren. Dann kam so der Gedanke auf: Ich könnte das eigentlich nochmal benutzen beziehungsweise überhaupt mal benutzen, weil das unveröffentlichte Teile waren.

tipBerlin Wie hast du diese Parts dann benutzt?

Kool Savas Als Ganzes wollte ich das jetzt nicht so nehmen und ganze Songs völlig unreflektiert veröffentlichen, sondern ich habe mir gesagt: Ich nehme mir das, was mir daraus am besten gefällt, was am ehesten den Spirit von damals einfängt, und könnte das mit den Sachen, die ich jetzt mache, kombinieren. Ich habe mich quasi nach 25 Jahren selbst gefeatured, mit unveröffentlichten Parts von meinem 25-jährigen Ich.

tipBerlin Wie nah bist du deinem 25-jährigen Feature?

Kool Savas Musikalisch oftmals näher, als man denkt. Also die Emotion ist Gott sei Dank gleich geblieben. Die Emotion, dass ich als Rapper, wenn ich ans Mikro gehe, wirklich mein Bestes geben will, dass ich auseinandernehmen möchte, dass ich auf dem Beat hart rappen möchte. Natürlich hat sich aber der Stil verändert und vielleicht auch die Herangehensweise, wie man arbeitet. Aber wenn man das jetzt hört im Ganzen, im Album, fühlt sich das nicht an wie ein Fremdkörper. Man merkt, dass ich das bin. Man merkt auch, dass das eine ältere Version von mir ist oder eine jüngere in dem Fall. Aber es ist nah genug dran, und es fühlt sich nicht komisch an.

Wenn ich Leute von früher, zum Beispiel aus meiner Kreuzberg-Zeit, treffe, hatte ich das Gefühl, dass sie mich so ein bisschen auf den alten Film zurückschicken wollen, um mir nicht die Anerkennung zu gönnen

Kool Savas

tipBerlin Wann hast du dich dann für den Albumtitel „Lan Juks” entschieden? 

Kool Savas Juks ist mein alter Sprühername, und Lan ist so eine türkische Art, ein bisschen herabwertend, sowas wie: Ey, Alter, Dicker, zu sagen. So würde man höchstens mit seinen Kumpels reden. Ich habe meinem Schwager erzählt, dass, immer wenn ich Leute von früher, zum Beispiel aus meiner Kreuzberg-Zeit, treffe, ich das Gefühl hatte, dass sie mich so ein bisschen auf den alten Film zurückschicken wollen, um mir nicht die Anerkennung zu gönnen. Weil sie dachten: Der denkt jetzt, der ist was Besseres. Oder: Der denkt, der hat es jetzt geschafft. Und deswegen wollen wir ihn daran erinnern, wo er eigentlich stand, und sagen dann so: Lan Juks. Wir sprechen ihn mit seinem alten Namen an, plus noch auf eine Art, die so ein bisschen respektlos ist. Mein Schwager und ich haben uns daraus dann einen Spaß gemacht, das nachzuäffen. Und irgendwann habe ich ihm dann geschrieben: Ich nenne mein Album jetzt „Lan Juks“. Und als ich das auch meinem Bruder geschrieben habe, haben sich beide totgelacht, weil sie dachten, das wäre ein Witz. Aber ohne das zu dem Zeitpunkt schon zu wissen, hatte dann alles, was ich auf dem Album gemacht habe, so ein bisschen mit Vergangenheitsbewältigung zu tun.

Ich habe gemerkt, dass ich die Sachen irgendwie sanfter angehen muss

Kool Savas

tipBerlin Gibt es einen Track auf dem Album, der für dich eine besondere emotionale Bedeutung hat?

Kool Savas Ja inhaltlich. Es gibt einen Song, der heißt „Smoove“. Der beschäftigt sich mit dem Verlust von einem meiner besten Freunde, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Er hieß Smoove.

Aber es geht nicht unbedingt nur um seinen Tod oder darum, die Person zu vermissen, sondern es geht eher darum, dass ich durch den Verlust dieses Menschen irgendwie für mich gemerkt habe – lustigerweise, Smoove heißt ja auch sanft –, dass ich die Sachen irgendwie sanfter angehen muss. Und dass ich für mich erkennen muss, was die Dinge sind, die mir wichtig sind und die mir guttun. Der Song ist sehr persönlich. Ich spreche ich über meine Familie und darüber, immer noch in das Haus nach Bamberg zu kommen, wo Smoove und ich ein gemeinsames Studio hatten. Ich spreche darüber, wie es für mich ist, da noch seine Präsenz zu spüren, mit den anderen dort zu sitzen und Musik zu machen. Es geht um das emotionale Erbe, das er bei mir hinterlassen hat, und darum, das zu würdigen. Daher würde ich sagen, ist der Song schon irgendwie der wichtigste.

tipBerlin Der ist auch der letzte, oder?

Kool Savas Ja, das ist auch der letzte Song. Also alles andere wäre, glaube ich, deplatziert gewesen. Das war für mich so: Entweder ich stimme das Album so ein – aber dann dachte ich: Komm, ich will die Leute nicht direkt in so eine bedrückte Stimmung bringen. Obwohl es eigentlich nicht bedrückt ist. Für mich wirkt der Song eher wie eine Liebeserklärung ans Leben, an die Freundschaft und an die Liebe an sich.

Ich bin nicht Nas, ich bin nicht J. Cole. Am authentischsten ist es, wenn ich meine eigene Geschichte erzähle

Kool Savas

tipBerlin Auf jeden Fall ist das ganze Thema sehr persönlich. Auch in der Doku zu „Lan Juks“ öffnest du dich sehr persönlich. Hattest du das Bedürfnis, mit deiner Vergangenheit aufzuräumen?

Kool Savas Ja, das kann man so sagen. Also das hat sich entwickelt.

Der ursprüngliche Gedanke war: Ich mache ein Boom-Bap-Album, was sich so an der Ästhetik, am Sound des Raps der 90er Jahre aus New York orientiert. Und dann habe ich aber relativ schnell gemerkt, dass ich den musikalischen Teil hinkriege, aber dass das textlich, vom Flow und vom Style doch vielleicht nicht mein Ding ist. Dann musste ich ein bisschen tiefer graben und auch durch diese alten Tapes erkennen: Meine Definition von Old School oder von Boom-Bap ist anders als das, was in New York passiert ist. Ich bin nicht Nas, ich bin nicht J. Cole. Ich kann nicht deren Style übernehmen und deren Geschichte erzählen. Am authentischsten ist es, wenn ich meine eigene Geschichte erzähle

tipBerlin Und wie erzählst du sie jetzt?

Kool Savas Ich bin von dieser Sound-Ästhetik teilweise abgerückt, aber hab dann so bestimmte Sachen beibehalten, zum Beispiel, dass wir die Drums überwiegend schon auch so mit den alten Maschinen sampeln und benutzen, so dass da irgendwie dieser Spirit von früher auch da ist, aber ohne jetzt zu sagen, das muss jetzt nach einem New York-Album klingen. Also es klingt jetzt eher wie ein Kool-Savas-Berlin-Style-Album. Der rote Faden kam auch durch die Doku, durch dieses: Ich gehe zurück nach Kreuzberg und setze mich mit mir und meiner Situation auseinander. Da hat sich dann auf einmal alles gefügt.

tipBerlin Hat die ganze Auseinandersetzung mit deiner Geschichte dann auch zu deiner sehr emotionalen Reunion mit Eko Fresh geführt?

Für Kool Savas war Eko Fresh schon lange kein Gegner mehr

Kool Savas Ich hatte vorher schon mit Eko Kontakt. Wir haben uns nie gesehen in den letzten 20 Jahren, aber ich sag ja auch im letzten Song: „Geb meinen Gegnern die Hand, lern zu entspannen.“ Eko war schon lange kein Gegner mehr für mich, ich hab ihn gar nicht so wahrgenommen. Aber sich zu sehen und sich wieder in den Arm zu nehmen, sich zu begrüßen, sich auszutauschen, zu sprechen – das war etwas, was uns gefehlt hat. Und dann auch mit diesem 50-Jahre-Kool-Savas, alles in Retrospektive betrachten, alles vielleicht nochmal in ein neues Bild zu rücken, das hat mir schon gutgetan. Und das hat definitiv auch zu diesem Moment geführt, ja.

Die Vergangenheit gehört zu dir, du kannst die nicht einfach abschneiden. Und das kann einen in den Wahnsinn treiben

Kool Savas

tipBerlin Im Video zu „Trautes Heim“ tritt dein jüngeres Ich aus deinem Ohr, während du als Van Gogh inszeniert bist. Bedeutet das, dass du dich bewusst von deinem alten Ich trennst, es sozusagen abschneidest?

Kool Savas Ich habe gehofft, dass die Leute sich mehr Zeit nehmen, das zu interpretieren. Da sind natürlich ganz viele Ebenen, auch dieser Vergleich zu Van Gogh. Mir war wichtig, das so umzusetzen.

tipBerlin Auf welche Interpretation hast du gehofft?

Kool Savas Die Thematik ist schon: einen Teil von sich abzuschneiden, definitiv. Aber auch sich im Klaren zu sein: Die Vergangenheit gehört zu dir, du kannst die nicht einfach abschneiden. Und das kann einen in den Wahnsinn treiben. Ich meine, Van Gogh hat das wahrscheinlich nicht gemacht, um einen Teil seiner Vergangenheit loszuwerden, sondern er war angeblich in einem absoluten Absinth-Rausch. Aber es ist ja schon bezeichnend, dass du so weit gehst, dass du irgendwas von deinem Körper entfernst und dich quasi verstümmelst, weil du nicht bereit bist, dich mit dir selber genügend auseinanderzusetzen. Insofern ist dieses Bild schon richtig, wie du das gesagt hast.

tipBerlin Gibt es Phasen deiner Karriere, auf die du ungern zurückblickst, die jetzt auch in dem Album verarbeitet wurden, denen du dich jetzt gestellt hast? 

Kool Savas Ich habe meine Karriere nie gesondert von meinem Leben gesehen, sondern es lief immer alles Hand in Hand. Insofern sind diese Songs, die in diesen Zeiten entstanden sind, für mich immer eine Erinnerung daran, wie ich gelebt habe. Es gibt natürlich Situationen und Phasen in meinem Leben, wo ich im Nachhinein sage: Ich hätte diese Situation gerne anders gehandelt. Ich hätte meine Zeit teilweise lieber anders genutzt. Aber weil ich weiß, dass es sich nicht rückgängig machen lässt, sage ich mir eher: Okay, was kann ich daraus für die Zukunft ziehen, was kann ich daraus lernen? Wie habe ich früher gelebt, mit wem habe ich gelebt, mit welchen Menschen habe ich mich umgeben? Das Album hat schon auch dazu beigetragen, darüber nachzudenken.

„Lan Juks“ ist für Kool Savas noch lange kein Abschluss

tipBerlin Ein Album über dein Leben im weitesten Sinne wirkt fast wie ein Abschluss. Ist es das?

Kool Savas Ich glaube gar nicht, dass das Album ein Album über mein ganzes Leben ist, weil ich das gar nicht so komprimiert machen könnte. Selbst wenn du eine Biografie schreibst, schreibst du das ja immer mit dem Blick aus der Situation, in der du dich gerade befindest, auch gezeichnet von den Emotionen, die man jetzt vielleicht dazu hat oder an die Dinge, an die man sich erinnert. Daher hätte ich es auch nicht geschafft, ein Album zu machen, was von vorne bis hinten nur persönlich ist. Da sind auch super viele Rap-Songs drauf, Battle-Songs, die sich mit der jetzigen Situation von Rap beschäftigen. Nach außen hin könnte es das Bild eines Abschlusses vermitteln, ist für mich aber überhaupt nicht so. Weil ich musikalisch noch viel zu viele Pläne habe und viel zu viel Interesse und Liebe für Rap, als dass ich das irgendwie beenden könnte. Aber es ist hier und da bestimmt ein Zwischenstandsbericht.

tipBerlin Du bist seit über 25 Jahren im Geschäft und wirst als „King of Rap“ bezeichnet. Wie blickst du heute auf das Business?

Kool Savas Meine Wahrnehmung von Hip-Hop, so wie es war, ist jetzt schon anders als das, was es heute ist. Und dieser kulturelle Aspekt, das, was für mich auch so reizvoll an Hip-Hop war – als Kultur mit den ganzen Elementen –, das ist schon sehr anders geworden. Und das ist für die Leute, glaube ich, nicht mehr so krass wichtig.

tipBerlin Zum Beispiel Graffiti?

Kool Savas Zum Beispiel Graffiti, Breakdance, DJing und überhaupt dieses Movement, dieses Zusammengehören, dass es eine Subkultur ist. Und dass man sich eben von bestehenden Strukturen nicht vereinnahmen lässt, sondern dass man sein Ding macht und auch sagt: Ey, das ist unsere eigene Kultur, das gehört uns und das hat mit niemand anderem etwas zu tun. Aber ich denke, das Einzige, was ich wirklich beeinflussen kann, ist mein eigener Blick darauf. Und ich habe für mich irgendwann die bewusste Entscheidung getroffen, kein verbitterter, alter, hängengebliebener Hip-Hopper zu sein, sondern ich mache das für mich. Nach wie vor supporte ich Hip-Hop und lebe Hip-Hop im Rahmen dessen, was für mich möglich ist. Ich gehe auch manchmal noch sprühen.

Kool Savas, der „King of Rap“, veröffentlicht sein siebtes Studioalbum „Lan Juks“. Foto:Mak
Kool Savas, der „King of Rap“, veröffentlicht sein siebtes Studioalbum „Lan Juks“. Foto:Mak

tipBerlin Immer noch unter dem Namen Jux? 

Kool Savas Nee, unter einem anderen Namen. Aber die, die sich auskennen, wissen es auch, aber so darf man das nicht sagen. Aber ich kann den Leuten nicht böse sein, dass sie das nicht so sehen, wie ich das vor 25 Jahren gesehen habe. Die wachsen heute anders auf. Mein Sohn hört auch Rap-Musik, aber ohne dass Hip-Hop für ihn wichtig ist. Und selbst wenn er mich fragt und ich ihm das erkläre, wird das für ihn nie die Bedeutung haben, die es für mich hatte. Für ihn wird irgendwas anderes so eine Bedeutung entwickeln. Es hat sich einfach extrem geändert. Es ist viel kommerzieller. Es ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von Popkultur. Und das ist okay so. Das ist der Lauf der Dinge. 

tipBerlin Zum Lauf der Dinge gehört vielleicht auch, dass die Themen woker werden, nicht mehr so Gangster wie früher?

Kool Savas Also ich habe Hip-Hop nie als so Gangster wahrgenommen. Es gab Gangster-Rap, aber das war selbst von Rap nur ein einziger kleiner Bestandteil. Wenn du auf die Anfänge von Rap guckst, war Rap eigentlich immer mehr conscious als Gangster. Die ersten großen Bands, Public Enemy, KRS-One, LL Cool J oder Ice-T, hatten immer sehr viele sozialkritische und politische Texte. Vielleicht war die Herangehensweise irgendwie anders. Ich würde aber eher sagen, die Art, wie sich die Jugend verständigt, hat sich geändert und das nimmt natürlich auch Einfluss auf die Musik. Für mich war das immer eins. Das hat immer alles zusammengehört, weil das für mich ein Spiegel des Lebens der Menschen war. Wir hatten damals auch schon De La Soul, Native Tongues, A Tribe Called Quest oder Jungle Brothers. Die haben immer schon sehr auf ihre Sprache geachtet. Das zum Thema Wokeness: Es wurde vielleicht damals nicht so definiert, aber das gab es im Rap schon immer. Ich würde sogar sagen, dass Rap damals viel ehrlicher und dadurch gewissermaßen viel woker war als die meisten anderen Musikrichtungen.


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