Nachruf

Nachruf auf Alfred Hilsberg: Der „Begründer der NDW“ ist gestorben

Alfred Hilsberg ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die deutsche Musikszene eine ihrer prägendsten Figuren. Als Labelmacher und Publizist prägte er über Jahrzehnte hinweg den deutschen Underground.

Alfred Hilsberg im Kaffee Burger in Berlin, 2006. Foto: Imago/Votos-Roland Owsnitzki

1978 schrieb er in der Musikzeitschrift „Sounds“ den wegweisenden Artikel „Rodenkirchen is burning“ über die westdeutsche Punk-Szene. Doch bekannt wurde der 1947 in Wolfsburg geborene Alfred Hilsberg als Gründer des Hamburger Labels ZickZack, auf dem ab 1980 Bands wie Abwärts, Geisterfahrer, Einstürzende Neubauten oder Andreas Dorau ihre ersten Veröffentlichungen machten. Auf dem Label What’s So Funny About erschienen Lizenzveröffentlichungen englischer und amerikanischer Bands wie Gun Club, Henry Rollins oder Savage Republic. 

In den 1990er-Jahren folgten Releases von Gruppen wie Blumfeld, die deutsche Popgeschichte mitschrieben. Insgesamt erschienen bei Zickzack Records weit mehr als 100 Veröffentlichungen, viele davon aus Berlin, wie etwa die Kunstavantgardisten Die Tödliche Doris oder die Songwriter Jens Friebe und Doc Schoko. ZickZack ist als Label bis heute stilbildend für Punk, Neue Deutsche Welle und die Hamburger Schule.

Hilsbergs Ruf als „Punk-Papst“ und „Begründer der NDW“, eine Bezeichnung, die ihn persönlich wütend machte, war nicht nur Etikett, sondern Ausdruck seiner kompromisslosen Haltung: Er interessierte sich nie für kommerziellen Erfolg, sondern für künstlerische Radikalität. Legendär ist der auf einem Bierdeckel geschlossene Vertrag mit Blixa Bargeld über die erste Platte der Einstürzenden Neubauten.

Zeit seines Lebens galt Hilsberg als streitbar und unbequem und stand nicht zuletzt aufgrund seiner Zahlungsmoral in der Kritik. Aber er bot Bands, Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, die in der etablierten Musikindustrie kaum Chancen hatten. Weggefährten rühmten seine Energie, sein Gespür für Entwicklungen jenseits des Mainstreams und seine Beharrlichkeit, auch wenn wirtschaftliche Schwierigkeiten ZickZack immer begleiteten. Mit Alfred Hilsberg verliert die deutsche Popkultur einen Pionier, der das Fundament für mehrere Generationen unabhängiger Musik legte.


Mehr zum Thema

Ausblick aufs Musikjahr 2025 in Berlin – die wichtigsten Konzerte des Jahres. Keine große Überraschung: Eine Studie zeigt, dass Berlin die Live-Musik-Hauptstadt Europas ist. Was diese kleine Agentur tut, ist beachtlich: Viele Karrieren beginnen bei amStart von Konzertveranstalter Ran Huber. Die Berliner Jazzszene pulsiert: Diese Jazz-Clubs und Jazz-Bars in Berlin servieren beste Klänge. Immer gut über das Leben in Berlin informiert: Abonniert jetzt unseren wöchentlichen tipBerlin-Newsletter. Was ist noch los? Hier sind die besten Veranstaltungen heute in Berlin. Bisschen vorplanen: Alle Konzert-Tipps fürs Wochenende in Berlin findet ihr hier. Zelt einpacken und los: Die Infos zu Musikfestivals in Berlin und rund um die Stadt.

Berlin am besten erleben
Dein wöchentlicher Newsletter für Kultur, Genuss und Stadtleben
Newsletter preview on iPad