Hip-Hop

Friedrichshainer Rapper Savvy befreit sich auf dem neuen Album von seinen Ängsten

Der Berliner Rapper Savvy residiert neuerdings in seinem Studio in Oberschöneweide, aufgewachsen ist er in den heute gentrifizierten Straßen rund um das RAW-Gelände in Friedrichshain. Auf seinem neuen Album „Keine Angst“ stellt er sich seinen inneren Dämonen und spielt live im Gretchen.

Das Album von Savvy bleibt bei der Angst nicht stehen

„Ich habe über viele Jahre mit starken Ängsten zu kämpfen gehabt“,  erzählt der Berliner Rapper Savvy in seinem frisch bezogenen Studio in Oberschöneweide. Auf dem neuen Album setzt sich der 25-Jährige mit dem Gefühl der Bedrohung auseinander. Im Intro, auf ein sich zunehmend steigerndes Instrumental gerappt, erzählt er von einer Panikattacke in der S-Bahn und der Angst: „Sie schnürt mir die Kehle zu, nimmt mir mein Lächeln und meinen Lebensmut“. Doch das Album bleibt bei der Angst nicht stehen, es skizziert den Weg von ihr weg und heißt folgerichtig „Keine Angst“. 

Das Musikstudio wirkt noch recht provisorisch. Angesiedelt in einem alten Industriekomplex, muss man beim Betreten erstmal über ein paar herumliegende Bretter steigen, um in einen geräumigen Aufenthaltsraum zu kommen, an den der Aufnahmeraum angeschlossen ist. Die Decke ist hoch und löchrig, die chaotisch eingerichteten Räumlichkeiten können noch nicht beheizt werden. 

„Ich habe Friedrichshain noch als Arbeiterbezirk kennengelernt“, sagt Savvy

So erinnert das Studio an ein bodenständiges Berlin, in dem es noch jene Freiräume gab, die der Stadt zu kultureller Größe verholfen haben. Savvy kommt aus einem Bezirk, in dem es solche Freiräume kaum noch gibt. In HipHop-typischer Manier hat sich die Crew von Savvy, 245 Hoodlove, nach der Postleitzahl Friedrichshains benannt, wo der Rapper wenige Straßen entfernt vom gentrifizierungs-umkämpften RAW-Gelände aufgewachsen ist: „Ich habe Friedrichshain noch als Arbeiterbezirk kennengelernt“, sagt er. Heute ist es der Bezirk des grünen Bürgertums und der Party-Touristen. 

Dennoch ist Savvy weiterhin eng mit den Straßen Friedrichshains verbunden, in denen er in seiner Jugend, vor allem nach der Trennung seiner Eltern, viel Zeit verbrachte. Dabei machte er gute wie schlechte Erfahrungen, fand neue Freunde beim Skaten, kam aber auch mit dubiosen Gestalten aus dem kleinkriminellen Milieu in Kontakt. Nach dem Schulabbruch musste er Geld verdienen, um seine alleinerziehende Mutter zu unterstützen: „Geld ist wertlos, ein Mittel zum Zweck. Aber wenn man merkt, dass die eigene Existenz bedroht ist, einfach nur aufgrund von Geld, dann wird es plötzlich sehr wichtig“, sagt Savvy. 

Also beginnt er eine Ausbildung zum Videoeditor, wo er in eine für ihn bisher völlig unbekannte Welt vorstößt: kostenfreie Getränke am Arbeitsplatz, koksende Kollegen und endlose Arbeitstage bis zur Morgendämmerung. Von den Erfahrungen, die er in dieser Zeit gesammelt hat, erzählt der Song „Burnout“, der zusammen mit Rapkollege Dissy entstanden ist: „Time is running, Walking Dead Lines / Die Zombies schlafen vor dem Mac ein“, rappt er dort. Rückblickend habe er während seiner Ausbildung zwar viel gelernt, resümiert Savvy, der seine aufwendigen Musikvideos bis heute selbst schneidet, aber auch einen äußerst ungesunden Lebensstil geführt: „Wenn man sich darüber identifiziert, dass man der ist, der nur drei Stunden Schlaf braucht und trotzdem alles hinkriegt, wird es gefährlich.“ 

Inzwischen hat sich Savvy von seinen Ängsten weitestgehend gelöst, wie er auf dem Titeltrack „Keine Angst“ kämpferisch feststellt. Dabei geholfen hat ihm nicht zuletzt die Musik: „Wenn ich Songtexte schreibe, dann bin das ich. Da bin ich ehrlich zu mir selbst und beginne zu reflektieren. Das ist fast wie eine therapeutische Maßnahme für mich“.


Neues Album von Savvy

  • SavvyKeine Angst (245 Hoodlove)

Konzert

  • Gretchen Obentrautstr. 19-21, Kreuzberg, Fr 18.11., 19.30 Uhr, VVK 23 Euro, online

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