Es ist einer dieser Songs, die man beim ersten Hören sofort erkennt. Die Rede ist von Suzanne Vegas „Tom’s Diner“. Neben „Luka“ ist er bis heute ihr größter Hit in Deutschland. „Tom’s Diner“, ein ungewöhnliches kleines A-cappella-Stück, wurde später vom britischen elektronischen Tanzduo DNA remixt und zu einem Clubhit. Doch Suzanne Vega nur auf diese beiden Welthits zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht. Im Herbst kommt die Singer-Songwriterin aus New York für fünf Konzerte nach Deutschland und tritt am 8. Oktober in Berlin im Kammermusiksaal der Philharmonie auf. Mit im Gepäck hat sie ihr neues Album „Flying with Angels“, das am 2. Mai erscheint – ihr erstes Album mit ausschließlich neuen Songs seit über einem Jahrzehnt.

Suzanne Vega kommt im Oktober mit neuem Album nach Berlin: „Es fühlt sich großartig an. Die Songs wirken alle sehr frisch!“
„Es fühlt sich großartig an. Die Songs wirken alle sehr frisch. Ich genieße es wirklich, das neue Material live zu spielen, besonders die Stücke, die im Dezember in letzter Minute entstanden sind. Ich denke, Gerry Leonard hat einen hervorragenden Job gemacht“, sagt die 64-Jährige im Gespräch.
Über ihr neues Werk sagt sie, dass jeder Song eine Atmosphäre des Kämpfens widerspiegele. Für sie ist der wichtigste Kampf „der um den Erhalt der Demokratie in der heutigen Zeit“. Hat sie einen persönlichen Lieblingssong auf der neuen Platte? „Das ändert sich. Manchmal ‚Love Thief’, manchmal ‚Chambermaid‘. Im Moment ist es ‚Alley‘, mit seiner Vision von Transzendenz“, sagt Vega.
Im Oktober dürfen sich ihre deutschen Fans also auf fünf Konzerte freuen. Gibt es eine besondere Verbindung zu Deutschland? Ja, die gibt es. „Der Vater meiner Mutter war deutscher Abstammung. Sein Nachname war Schumacher. Meine Mutter begleitete mich einmal auf eine meiner Deutschlandtouren, um mir mit meiner Tochter zu helfen, als sie noch klein war. Das ist eine tolle Erinnerung für mich“, erzählt Vega.
Mit dabei auf Tour ist neben Cellistin Stephanie Winters natürlich auch ihr treuer Wegbegleiter und Gitarrist Gerry Leonard. Gemeinsam präsentieren sie nicht nur ein Best-of aus Vegas langjähriger Karriere, sondern auch Songs ihres 2019 erschienenen Albums „An Evening of New York Songs and Stories“.
Die zweifache Grammy-Gewinnerin und Leonard, der bereits mit Musikgrößen wie David Bowie und Cyndi Lauper zusammenarbeitete, bringen im Sommer die schönsten Lieder aus Vegas jahrzehntelanger Musikkarriere auf die Bühne. Dieses intime Zusammenspiel verspricht eine besondere Atmosphäre voller Emotionen und Leidenschaft. „Zwischen uns herrscht eine tolle Chemie“, verrät Vega.
Natürlich wird sie auch „Tom’s Diner“ und „Luka“ spielen – beide Songs gehören nach wie vor fest zu ihrem Repertoire. „Ich liebe es! Es macht das Publikum sehr glücklich, und mich auch.“ Vega, die weithin als eine der führenden Songwriterinnen ihrer Generation gilt, wurde in den frühen 1980er-Jahren zu einer Schlüsselfigur des Folk-Revivals. Seit der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten, von Kritikern gefeierten Debütalbums von 1985 hat sie zahlreiche Songs geschrieben und aufgenommen, die zu Klassikern wurden. Dazu zählt auch „Luka“ – wohl der einzige Hit, der jemals aus der Perspektive eines missbrauchten Jungen geschrieben wurde. Hat sie in ihrem Umfeld je so etwas Schreckliches erlebt?
„Ja, das habe ich. Ich habe mich entschieden, darüber in einer anderen Rolle zu schreiben, um meine Privatsphäre zu wahren“, sagt Vega. Ihre Alben, darunter Suzanne Vega, Solitude Standing und 99.9F, haben sich millionenfach verkauft. Heute arbeitet Vega härter an ihrer Gesangstechnik. „Ich bin viel zufriedener und habe das Gefühl, dass ich durch den Unterricht als Sängerin stärker geworden bin.“
Ihre Lieder tragen den Stempel einer meisterhaften Geschichtenerzählerin, die die Welt mit einem scharfsinnigen, poetischen Blick betrachtet. Ihre Songs kreisen um das Stadtleben, gewöhnliche Menschen und die Herausforderungen der realen Welt. Ihr Werk ist heute genauso unverwechselbar und nachdenklich wie damals, als ihre Stimme vor über 30 Jahren erstmals im Radio zu hören war.
Suzanne Vega: Mit neun Jahren begann sie, Gedichte zu schreiben, mit 14 schrieb sie ihren ersten Song
Mit neun Jahren begann sie, Gedichte zu schreiben, mit 14 schrieb sie ihren ersten Song. Ihren ersten Plattenvertrag erhielt sie 1984. „Ich habe mich großartig gefühlt. Aber auch ein bisschen besorgt, weil mich das von vielen meiner Freunde entfernte“, erinnert sich Vega. Von ihrer ersten größeren Gage kaufte sie sich „ein 60-Dollar-Glas Feuchtigkeitscreme und einen Mantel von Burberry“.
Ihr Album Songs in Red and Gray erschien im September 2001. Musikalisch konzentrierte sich Vega dabei wieder stärker auf akustische Elemente. Bis heute bevorzugt sie Musik mit einer akustischen Gitarre. „Ich liebe alle Arten von Musik, aber ich beherrsche nur ein Instrument – die akustische Gitarre. Gerry Leonard spielt heute alles andere.“
2011 widmete sie sich besonders ihrem Stück Carson McCullers Talks About Love, einer fiktiven Autobiografie mit eigens komponierten Songs über die Schriftstellerin Carson McCullers. Das Stück wurde im April 2011 in New York mit Vega in der Hauptrolle uraufgeführt. „Es war toll, für eine Weile jemand anderes zu sein! Schauspielerei ist eine Herausforderung und doch etwas, das ich genieße. Ich liebe Make-up und Kostüme.“
Hätte sie sich vorstellen können, dauerhaft als Schauspielerin zu arbeiten? „Nicht wirklich. Dafür liebe ich die Musik zu sehr.“ Wie groß ist die Sehnsucht nach einem neuen „Tom’s Diner“ oder einem neuen „Luka“? „Du meinst einen neuen Hit?“, fragt Vega im Interview. „Beide Songs waren mehr oder weniger Überraschungen. Ich bin bereit, mich wieder überraschen zu lassen, aber ich rechne nicht damit.“ Ihr Werk ist auch nach Jahrzehnten unverwechselbar und regt zum Nachdenken an. Das freut Vega natürlich. „Ich gebe immer mein Bestes“, sagt sie – und lächelt zufrieden.
Interview und Text: Reinhard Franke
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