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Wilde Hühner, böse Hasen – Zsá Zsá geht mit „bad bunnies“ viral

Bekannt als Trude aus dem Kinderfilm „Die Wilden Hühner” ist Zsá Zsá heute erfolgreiche Sängerin. Die Berlinerin provoziert mit Unschuldsstimme und könnte zum Sound des Sommers werden. Warum ihr Track „bad bunnies“ viral geht, wie viel Trude noch in ihr steckt und warum sie polarisiert.

Früher wildes Huhn, heute Sängerin – Zsá Zsá geht mit „bad bunnies“ viral. Foto: Universal Music

Die Sängerin Zsá Zsá kommt einem vertraut vor. Dabei ist sie kaum wiederzuerkennen: Anfang der 2000er spielte sie – Zsá Zsá Inci Bürkle im Kinderfilm „Die Wilden Hühner” die unbeholfene Trude. Und hat sich vielleicht irgendwo ins kollektive Unterbewusstsein gebrannt. Der Film begleitet eine Mädchenbande durch unbeschwerte Kindheitstage, erste Liebe, das erste bisschen Erwachsenwerden. Trude ist eine Mitläuferin, liebenswert und schüchtern. Erst in „Die Wilden Hühner und das Leben” wird ihr bewusst, dass das Singen ihre wahre Leidenschaft ist – und sie Talent hat. 

Von Selbstzweifeln ist Zsá Zsá heute weit entfernt – doch wie in ihrer Rolle als Trude hat sie das Singen für sich entdeckt. Zwischen Hyperpop und Rap sind ihre Songs eingängig und haben Potential, Soundtracks des Sommers zu werden. Liegt es an Talent oder am Timing?

Bad Bunny und Co. – ein strategischer Song

Mit ihrem kürzlich erschienenen Track „bad bunnies” ist ihr jedenfalls ein genialer Marketing-Schachzug gelungen: Während der Reggaeton-Superstar Bad Bunny sein neues Album veröffentlicht und eine heißbegehrte Welttournee ankündigt, kommt Zsá Zsá mit ihrem Song „bad bunnies” um die Ecke, dribbelt den Algorithmus, taucht oben in Suchlisten auf und nutzt den Hype des Idols für sich. Den Hype nutzen – das kann sie: Sogar eine Tanz-Choreo gibt es passend zur Hook, in der sie singt „Ich bin mit zehn Bad Bunnies auf ’nem Boot”. Wer als einer dieser Bad Bunnies mit ihr im Musikvideo tanzen will, kann sich per TikTok-Video bewerben. 

Minirock und Mango-Vape: Zsá Zsá will Berlins neues It-Girl sein

Musiker:innen, die TikTok und Instagram gekonnt für sich nutzen, werden schnell als Gen-Z-Sprachrohre oder eitle Selbstdarsteller:innen abgestempelt. Dabei gehört jede Menge Strategie dazu und wer viral geht, ist, wie in diesem Beispiel, oft kein Zufall.

Nostalgie schürt die Künstlerin – neben ihrer Vergangenheit als wildes Huhn – wohl auch durch ihre implizite Anspielung auf Bushidos „Sonnenbank Flavour“ aus den frühen 2000ern. „bad bunnies” erinnert mit seinem Stichwort-Style an den legendären „Hautcreme, Haarwachs, Nikotin, Alkohol”-Aufzählungs-Track. Doch an diesen wird Zsá Zsá wohl trotz klugen Marketings nicht rankommen.

Ihr Social-Media-Auftritt bedient sich alter Grundregeln: „Any press is good press“, das weiß die Sängerin, und provoziert mit ihrem Auftreten, ihren Posts, ihren Texten. Sie schreibt übers Feiern gehen in Prenzlauer Berg genauso selbstverständlich wie über Sex im Auto und Gewaltfantasien, wenn ihr fremde Typen hinterherpfeifen. In Instagram-Kommentarspalten spielen sich Diskussionen ab, ob sie das wirklich alles ernst meint. Vor allem dann, wenn es darum geht, wie sie ihren Feminismus lebt. „Ich steh nicht am Herd – mh-mh, ich kenn mein’n Wert”, singt sie in „Pberg“, als wären das Gegensätze – und erntet Kritik.

Unschuldige Stimme, schamlose Texte

Die Berlinerin testet aus, wie weit sie gehen kann. Vielen stößt die Verbindung von infantil-hohem Gesang und sexuellen Inhalten bitter auf. Allein ein Blick auf die Situation um Rapperin Ikkimel zeigt: Wenn Frauen mal genauso schamlos explizit sind wie Männer, sind sie krassen Anfeindungen ausgeliefert. Und ja, die vermeintlich unschuldige Stimme irritiert im Kontrast zum Text, aber Irritation gehört zum Geschäft. Eines ist sicher: Zsá Zsá trifft den Zahn der Zeit, erzählt von ihrer Welt, Sex, Drogen, Mango-Vape – und den Girls. Denn was sie wohl aus Kindestagen mitgenommen hat, ist, dass gute Freundinnen das Wichtigste sind. Ist doch auch eine Erkenntnis

  • Modus Berlin Lobeckstraße 30-35, Kreuzberg, So 30.11., 20 Uhr, VVK 29,90 €, weitere Infos und Tickets hier

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