Art-Rap

Mykki Blanco im Berghain

Mykki Blanco ist der Hip-Hop-Star für die Post-Gender-Gesellschaft

julia burlingham

Alles ist kompliziert heute, sogar Solidarität. Als weißer Typ das Wort in linken Debatten führen? Pfui. Feminismus feiern, ohne über Rassismus nachzudenken? Ist nicht. Die alten Konfliktlinien sind unscharf geworden. Und das ist gut. Denn sonst gäbe es eine Rapperin wie Mykki Blanko, Alter Ego des Performers Michael Quattlebaum Jr, vielleicht nicht.

Auf dem im letzten Jahr erschienenen Debütalbum „Mykki“ führte Blanco mehr Gegensätze zusammen als manch ein Rap-Purist aushalten kann: Macho-Bariton und Diva-Look. Intime Lyrics – etwa über die eigene HIV-Infektion – und Trapbeats. Wutausbrüche und sphärischer, von Woodkid bereiteter Wohlklang. Vor allem aber transzendiert Quattlebaums Künstlerinnen-Ich mit ihrem Auftreten Geschlechtergrenzen. „Queer Rap“ nennt sich das Genre, das Blanco vor fünf Jahren mit dem Song „Wavvy“ mitbegründete. Und dann selbst demontierte: Jemanden einen queeren Rapper zu nennen, sei homophob, sagte Blanco im Interview. Warum denn nicht einfach Rapper?

Dass gerade Hip-Hop als Bestandteil schwarzer Jugendkultur stets unter Homo- und Trans­phobie-Verdacht steht, stinkt Blanco. Nicht, weil es keine Rapper mit Mackerkomplex gebe – sondern weil die gesamte Musikindustrie transphob ticke. Weil Hip-Hop oft das Medium sozial Benachteiligter sei – und der Zugang zu queeren Debatten eine Bildungsfrage. Klingt kompliziert? Klingt – im Fall von Mykki Blanco – vor allem faszinierend.

Berghain Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Do 3.8., 21 Uhr, VVK 22,40 €

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