Konzerte & Party

Nach der Selbstgefälligkeit

MP3-LogoDennoch sieht Christof Ellinghaus hier durchaus gewisse Synergien und einen konkreten Effekt. „Du kannst in diesen Netzwerken bis zu einem gewissen Grad tatsächlich eine Band aufbauen. Die direkte Fan-Anbindung ist heutzutage wichtiger denn je, in den Online-Communities wird zum Teil erheblich mehr für Bands und ihre Popularität erreicht als in den traditionellen Medien.“
Auch Udo Raaf sieht aktives Handeln seitens Künstler und Labels als die einzige Option, für Releases auch die gebührende Aufmerksamkeit zu generieren. „Ein regelmäßig gepflegter Blog und kostenlose Bonus-Downloads gehören heute unbedingt zum Standard-Repertoire jeder Band. Das Internet ist heute die Verlängerung der Konzertbühne, und die Fans wollen unterhalten werden.“
Auf einen weiteren Aspekt weist der Berliner Musiker Jondo hin. Der Songwriter hat mit „Pure“ gerade sein zweites Album bei Sony BMG veröffentlicht – und für ihn geht es in diesem Kontext auch um die ökologische Nachhaltigkeit: „Digitale Musik finde ich gut, weil sie umweltfreundlicher ist als unzählige CD-Verpackungen. Ich finde Downloads modern und angemessen, da die Leute so einen schnellen Zugriff auf die Tracks erhalten – und das weltweit.“

Die Zukunft klingt digital

Dirk DarmstaedterJemand, der gleich mehrere Perspektiven des Musikmarkts kennt, ist Dirk Darmstaedter (Foto). Mit seiner Band The Jeremy Days war er 1989 in den Top 20 der deutschen Albumcharts vertreten – damals, als Vinylverkäufe noch zählten und lange vor der MP3-Revolution. Diese hat er mit seinem eigenen Label Tapete Records unbeschadet überstanden und ist heute noch als Solokünstler aktiv („Life Is No Movie“). Aus seiner Sicht muss dem digitalen Kunden in den Shops etwas geboten werden. „Wichtig ist dabei eine redak­tionelle Betreuung, eine gute Menüführung, hohe Bitraten und natürlich DRM-freie Dateien. Dazu sollte zudem noch ein vielfältiges Angebot vorliegen, und natürlich muss der Preis fair sein.“
Ob die großen Musikkonzerne dies nun wirklich begriffen haben, ist allerdings fraglich, denn gerade erst wurde hier ein neuer Weg beschritten: Dienten Musikvideos früher als Werbe-Tool mit möglichst großer Streuung, wird das Einbinden der Clips in andere Websites heute oftmals technisch verhindert – weil so mancher Major anscheinend auch im Verkauf von Videos für den iPod & Co eine Chance sieht. Das kann man aus kommerziellen Gründen sicherlich nachvollziehen, eine Video-Produktion kostet schließlich auch Geld. Aber welcher Kunde ist bereit, für Inhalte zu zahlen, die er jahrzehntelang als kostenlose Promotion wahrgenommen hat?

Text: Jan Schimmang

Berlin digital
www.beatport.com
www.kitty-yo.de
www.bpitchcontrol.de
www.physical-music.com
www.tonspion.de

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