Konzerte & Party

Nachlader im Magnet Club

Nachlader

Fünf Jahre hat es gedauert, bis er sein zweites Album herausbrachte. „Ich hätte das natürlich schneller machen können“, sagt Daniel Baumann, „aber dann wäre ich nicht zufrieden gewesen.“ Daniel Baumann ist Nachlader. 2004 veröffentlichte er einen dadaistischen Song, dessen Text so etwas wie das Credo der jungen Berliner Szene war und wohl bis heute ist: „Ich habe keine Arbeit, habe kein Geld, möchte Geld ohne Arbeit, Arbeit ist doof.“ Mittlerweile steht die zweite Nachlader-Platte in den Läden. „Koma Baby Lebt!“ heißt sie.
In den letzten fünf Jahren, sagt Daniel Baumann, hat er sich ein bisschen verzettelt. Er kümmerte sich um andere Projekte, spielte Gitarre bei der Indiekombo Rich and Kool, arbeitet an einem Musical. Er trennte sich von der Plattenfirma und gründete sein eigenes Label Boing Boing Records. Mit der neuen kreativen Freiheit kam aber auch, dass da niemand mehr war, der ihm alles abnahm. Das neue Album produzierte er komplett in Eigenregie. Geblieben sind die rotzigen Texte, gesungen mit betont gelangweilter Lässigkeit. Mehr Gitarren gibt es auf dem neuen Album, „mehr Indie“, sagt Baumann. Eine bewusste Entscheidung war das nicht. „Das hat sich einfach so ergeben.“ Baumann, der in Wilmersdorf aufwuchs, lebt heute in Kreuzberg 36, nach Stationen in Prenzlauer Berg, Neukölln und einem kurzen Abstecher nach Pankow. Er hat sich zuletzt treiben lassen. Ging auf Konzerte, in die Clubs, Berlin ist noch immer seine musikalische Inspiration. Nachlader ist auch ein Projekt, das in der Berliner Ausgehkultur geboren wurde. Baumann arbeitete schon als DJ, als Türsteher und Partyveranstalter. „Man muss genug erleben, sonst funktioniert das mit dem Kreativ-sein nicht“, sagt er. Er hat auch mal Kulturwissenschaften studiert, vielleicht könnte man sagen, dass er die letzten fünf Jahre eine Art Feldforschung betrieben hat.
Was er so erlebte, reichte jedenfalls aus, um schließlich auch 2010 wieder eine Bestandsaufnahme unserer Zeit zu liefern. Noch immer packt er dieses Berliner Lebensgefühl in minimalistische Wortspiele: „Warum muss ich immer Soll haben, obwohl ich Haben haben soll?“ singt er. Baumann, heute 36, sieht noch immer aus wie der Student von nebenan, Jeans, Sneaker, Brit-Pop-Haarschnitt: „Ich versuche zu vermeiden, erwachsen zu werden.“

Text: Anne Lena Mösken

Nachlader + Support, Magnet, Do 13.1., 19.30 Uhr, VVK: 8 Euro

Mehr über Cookies erfahren