Jazz

Nackt mit Gitarre

Melody Gardot trotzt mit ihrem eisernen Willen allen Widrigkeiten

Foto: www.designladen.com; Franco P. Tettamanti Pictures; James Wright

Leiden ist kein zwingendes Erfolgsrezept für große Kunst. Doch es kann ein kreativer Katalysator sein, so auch für Melody Gardot. Bei der Jazz-Sängerin aus New Jersey war es physisches Leid, das sie zum Gitarrespielen und Songschreiben brachte: Ein Fahrradunfall fesselte sie mit 18 fast ein Jahr lang ans Bett. Sie musste das Laufen und Sprechen neu erlernen. Die Musik sollte ihr bei der Genesung helfen, lenkte ab vom Schmerz. Schmerzen begleiten die 33-Jährige noch immer, ebenso eine Überempfindlichkeit gegen Kälte und Licht, weshalb sie meist Sonnenbrille trägt. Doch Gardot hat einen eisernen Willen. Trotz allem geht sie auf Tour, hat bisher vier Studioalben veröffentlicht. Ausgehend von der Basis des Jazz erkundet sie darauf immer wieder neue Pfade: von den akustischen Jazz-Pop-Balladen ihres Debüts hin zu brasilianischen Einflüssen sowie Blues-, Soul- und Gospel-Vibes. Wenn Gardot singt, klingt sie abgeklärt, verführerisch, manchmal unterschwellig gefährlich. Die Autorität und Lebensweisheit ­ihrer Stimme straft ihr Alter Lügen. Auf dem Cover ihres neuen Live-Albums sieht man die Musikerin von hinten auf einer großen Bühne stehend. Bis auf eine E-Gitarre ist sie nackt. Starke Pose einer starken Frau!

Admiralspalast
Do 26.7., 20 Uhr, Admiralspalast, Friedrichstr. 101, Mitte, VVK 62–79 €

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