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Nada Surf im Huxleys

Nada Surf

Peter Caws ist ein älterer Herr mit verschmitztem Lächeln und einem Kugelschreiber in der Hemdtasche. Der Mann lehrt Philosophie an der Uni in Washington, wenn man seine Webseite anklickt, erscheint dort ein Satz von ihm: „The stars are indifferent to astronomy“ – kurz: „Den Sternen ist die Astronomie egal“. Sein Gedanke zur Abgelöstheit zwischen menschlich-forschender Welt und dem Naturraum gibt auch dem jüngsten Album von Nada Surf seinen Titel. Das vermerkt der Professor nicht ohne Stolz, die Seite der New Yorker Indierocker hat er verlinkt. Dazu ist es interessant zu wissen, dass Nada-Surf-Sänger Matthew Caws der Sohn des alten Professors ist. So erklärt sich vielleicht, warum die Texte des Sängers mit der hellen Stimme mit den Jahren immer nachdenklicher, existenzialistischer geworden sind.
Auf „The Stars Are Indifferent to Astronomy“ befasst sich der 44-Jährige mit Fragen, die so ähnlich auch den Senior umtreiben: die Verbundenheit des Menschen mit seiner Umgebung beziehungsweise seine Unverbundenheit. Ein fast schon ökopolitisches Unbehagen schwingt in vielen der Songs mit, die Titel tragen wie „The Future“, „The Moon Is Calling“ oder „No Snow on the Mountain“. Es geht darin viel um beunruhigende Naturbetrachtungen, um Signale, die sich im Meer- und Luftraum mehren und die den Ich-Erzähler in Caws‘ Zeilen in der Nacht wachhalten. Verkuppelt mit dem anderen Hauptthema des Albums – dem Zerrinnen der Lebenszeit – liefern Nada Surf in ihrem 20. Jahr so etwas wie den Soundtrack für ein erwachsen gewordenes Teen-Angst-Gefühl.
Nada SurfVon Altersgelassenheit, wie sie Indie-Bands wie The Go-Betweens oder The Weakerthans auf ihren späteren Platten ausstrahlen, sind Caws und seine Stammgefährten?– Bassist Daniel Lorca und Schlagzeuger Ira Elliot – immer noch weit entfernt. Dazu passt die unmittelbare, unpolierte Gangart der in New York produzierten Platte. Songs wie „Clear Eye Clouded Mind“ feiern das Drei-Akkorde-Credo des Punkrock; überhaupt scheint sich der 48-jährige Drummer Elliot mit Verve auf seine frühe Schule zu besinnen, als er noch bei den New Yorkern The Fuzztones trommelte. Bei einem Konzert der Garage-Rocker erlebten Caws und Lorca seinerzeit das Energiebündel an den Fellen zum ersten Mal – und warben ihn für das eigene Projekt ab.
Seither hat sich die musikalische Sprache der Band stetig verdichtet. Von frühen Songs wie dem einzigen großen Hit der Band zur MTV-Ära – der Nerd-Hymne „Popular“ – bis hin zu späteren Ohrwürmern wie „Always Love“ vom 2005er-Album „The Weight Is a Gift“ oder auch dem neuen „When I Was Young“ ist der Weg nicht sehr weit. „Wenn ich einen Song schreibe, wird eigentlich immer ein Popsong daraus“, stellte Caws unlängst im Spiegel-Online-Interview fest, um grüblerisch anzufügen: „Manchmal habe ich das gruselige Gefühl, dass wir immer wieder dieselben zwei oder drei Songs schreiben.“ Es ist nicht zum ersten Mal, dass sich der Songwriter offen selbstkritisch zeigt. Seine Zweiflernatur ist es wohl, die in Nada-Surf-Songs als leise Zerbrechlichkeit anklingt. Etwas, das vielen reifenden College-Rockern irgendwann abhandenkommt. Die Grundhaltung als allzeit Suchende aber steht den New Yorkern mit der Zeit immer besser.

Text: Ulrike Rechel

Foto oben: Peter Ellenby

Foto unten: De Wilde

Nada Surf, Huxleys, So 26.2, 21 Uhr, VVK: 24 Euro

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