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Nas & Damian Marley: „Distant Relatives“

Distant Relatives CoverSchwarze Musiker, die ihren afrikanischen Ursprüngen auf den Grund gehen, hat es schon immer gegeben. Kooperationen von Rappern und Reggae-Sängern sind seit Run DMC,  Yellowman und „Roots, Rap, Reggae“ eher die Regel als eine Ausnahme. Nas und Damian Marley haben auch schon gemeinsame Sache gemacht, vor fünf Jahren in „Road To Zion“ auf Marleys letztem Longplayer „Welcome To Jamrock“. Dass sie den Faden noch einmal aufnehmen und daraus ein ganzes Album machen würden, war dann schon weniger zu erwarten.
Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung von „Distant Relatives“ (Def Jam/Universal) ist geschickt gewählt. Die Fußball-WM in Südafrika steht vor der Tür und wirft den Fokus auf den vernachlässigten Kontinent. Der in diesem Zusammenhang schon reichlich gehypete K’naan gastiert auf diesem Album gleich zweimal. Marketingkalkül steckt also gewiss auch hinter dieser Produktion.
Trotzdem haben Nas und Marley genug getan, damit die Zusammenarbeit auch einen Wert hat. In „As We Enterobsiegt noch der Schabernack, sagt Nas „I’ve got the guns“ und erwidert Marley: „I’ve got the ganja.“ Es dauert aber nicht lange, bis Kunst die Oberhand gewinnt.
Die beschwörende Ansprache von Bob Marleys jüngstem Sohn und der vom harten Straßenleben in New York gestählte Slang des Rappers ergänzen sich gut. Nas legt die Waffe aus der Hand und fragt sich, warum Kriege sein müssen: „Man, what happened to us? Geographically they moved us from Africa, we was once happiness pursuers, now we back stabbing, combative and abusive.” Im nächsten Moment kommt es in “Strong Will Continue” zu einer Trotzreaktion, untermalt vom typischen Reggae-Gesang Marleys, der bei allem Übel an das Gute glauben lässt. Live-Musiker greifen ein, aber auch mit der Auswahl der Samples von Mulatu Astatke, Dennis Brown oder Amadou & Mariam hat man sich einiges einfallen lassen.
Beide Musiker haben übrigens erklärt, dass die Erlöse aus dem Verkauf von „Distant Relatives“ für den Bau einer Schule im Kongo bereitgestellt werden sollen. Schön, dass eine gute Sache ganz ohne den üblichen Wohltätigkeitsschmalz auskommt.

 

Text: Thomas Weiland

tip- Bewertung: Hörenswert

 Nas & Damian Marley, Distant Relatives (Def Jam/Universal)

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