Konzerte & Party

Neil Young in der O2 World

Dylan vs. Young, der Vergleich wirft sich förmlich auf. Sind beide Herren schließlich in Würde gealterte Rocktitanen, die ihr Erbe durch konsequente Präsenz und eine ungeheure Arbeitswut vor Vergessen und Verschleiß bewahren. Während sich der 68-jährige Dylan mit einer Autobiografie, Ausstellungen seiner Aquarelle und Gouachen und einer eigenen Radioshow als omnipotenter Großkünstler präsentiert, greift auch der vier Jahre jüngere Neil Young in die Vollen. Nahezu jährlich veröffentlicht der kanadische Gitarrist, Sänger und Songwriter ein neues Album. Mal einen Liederzyklus gegen den Krieg im Irak, dann wieder eine Hommage an seine geliebten Oldtimer und zuletzt mit „Fork in the Road“ erneut eine Ode an das Automobil, diesmal an seinen elektrisch betriebenen 1959er Lincoln Continental. Young, der nebenher auch als Regisseur und gelegentlicher Gastmusiker aktiv ist, etwa auf Booker T.s aktuellem Album „Potato
Hole“, auf dem er den funkigen Instrumentalwerken seinen unverkennbaren Gitarrenstempel aufdrückt, feiert zurzeit das Erscheinen seiner gewaltigen Werkaus­gabe, deren erster Teil „Archives Vol. 1: 1963–1972“ allein zehn DVDs umfasst. Der alte Mann kann es nicht lassen, und wie Meister Dylan tourt er neuerdings ebenso unentwegt durch die Welt. Ob seine Tour, auf der ihn langjährige Crazy-Horse-Mitstreiter und Ehefrau Pegi begleiten, ebenfalls niemals enden wird, ist ge­genwärtig nicht bekannt, doch nach zwei Konzerten im Vorjahr kommt der gütige Grantler und immer noch einer der besten Gitarristen der Rockmusik erneut nach Berlin. Es ist ein Glück, in einer Zeit zu leben, in der sich die Heroen alter Tage derart kreativ verausgaben wollen – und können.   

Text: Jacek Slaski

Neil Young O2 World,
Di 16.6., 20 Uhr, VVK: 41-87 Ђ

Tickets unter www.tip-berlin.de/ticket

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