Konzerte & Party

Neneh Cherry im Berghain

Neneh Cherry

Wenn man ihren Namen erwähnt, denken viele zuerst an „Buffalo Stance“, „Manchild“ und „7 Seconds“, das immer noch durch den Dudelfunk geisternde Duett mit Youssou N’Dour. Diese Songs sind inzwischen 20 und mehr Jahre alt. Neneh Cherry hätte gut und gerne weiter in die Richtung gehen können, dann wäre sie sicher ein Weltstar geworden. Aber darauf war die Stieftochter von Jazz-Legende Don Cherry nie aus. Musikalische Erneuerung war ihr wichtiger als kommerzieller Erfolg. Los ging es 1981 bei der Band Rip Rig & Panic, mit der sie wagemutig Post-Punk und Jazz zusammenführte. Ab 1986 tauchte sie immer wieder als Gastsängerin auf, unter anderem bei The The, Pulp, 1 Giant Leap und Gorillaz. Zur entscheidenden Begegnung ihres Lebens kam es 1987, als sie Cameron McVey traf. Der Songschreiber und Produzent griff ihr nachfolgend bei der Entstehung ihrer Soloalben unter die Arme, war Mitglied der gemeinsamen Band CirKus, ist Gatte und Vater ihrer beiden Töchter. Auf ein intaktes Familienleben hat Cherry sehr geachtet. Deshalb ist sie nach Veröffentlichung des Albums „Man“ im Jahr 1996 nur sporadisch in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Jetzt, da die Kinder erwachsen sind, fängt sie mit dem Album „Blank Project“ noch einmal von vorne an – wie eine Frau, die vor einem weißen Papier sitzt. Zusammen mit Produzent Kieran Hebden alias Four Tet hat sie minimale elektronische Musik aufgenommen, in der neben ihrer Stimme zumeist nur Beats und quengelige Synthesizer auftauchen. Das hat erstaunlich viel mit der unangepassten und wilden Energie von Rip Rig & Panic zu tun. Einmal Punk, immer Punk.

Text: Thomas Weiland

Foto: Kim Hiorthoy

Neneh Cherry, ?Berghain, Do 6.3., 21 Uhr, VVK: 20 Euro + Gebühr

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