Konzerte & Party

Neon Neon im Berghain

Neon Neon

Für ausgefallene Ideen ist er immer zu haben. Sein aktuelles Soloalbum „American Interiors“ handelt von einem entfernten Verwandten, der Ende des 18. Jahrhunderts nach Amerika gereist ist, um herauszufinden, ob dort wirklich ein Indianerstamm existiert, dessen Angehörige Walisisch sprechen. Auch sonst ist Gruff Rhys nicht untätig. Die Super Furry Animals (die Band, durch die er bekannt geworden ist) ruhen zwar auf unbestimmte Zeit, aber dafür hat er umso mehr Zeit für Neon Neon. Der Titel sagt es bereits: Es geht um Electro-Pop der frühen Achtziger. Rhys und der Amerikaner Boom Bip, von Hause aus HipHop-Produzent, spielen aber nicht das nach, was man von alten Platten von The Human League oder Yazoo kennt. Bei ihnen steht das Konzept über allem. Ihr erstes gemeinsames Album „Stainless Style“ handelt vom amerikanischen Unternehmer und Playboy John DeLorean und seinem ikonischen Flügeltür-Sportwagen DMC-12, den viele als Gefährt in den Filmen der Reihe „Zurück in die Zukunft“ kennen. Noch spezieller ist die Person, um die es auf dem Nachfolger „Praxis Makes Perfect“ geht. Giangiacomo Feltrinelli war ein italienischer Verleger und Kommunist, der auf Reisen Bekanntschaft mit Che Guevara, Fidel Castro und Rudi Dutschke gemacht hat. Er wurde zum Feindbild westlicher Regierungen, auch der CIA, und kam 1972 unter nie ganz aufgeklärten Umständen bei der Sprengung eines Hochspannungsmastes um. Neon Neon zeichnen mit Tracks wie „Hammer & Sickle“ Etappen seines bewegten Lebens nach. Es wird ausgiebig Gebrauch von Synthesizern gemacht, aber Geräuschcollagen und Soft-Rock-Einflüsse spielen ebenso eine Rolle. Um Feltrinellis Leben und Wirken auch live angemessen würdigen zu können, haben Neon Neon das National Theatre Wales um eine begleitende Inszenierung gebeten. In Britannien waren die ersten Aufführungen ein voller Erfolg, auch weil es nicht so bierernst zuging.

Text: Thomas Weiland

Foto: 2009 Bruno Vincent

Neon Neon (Im Rahmen der Foreign Affairs), Berghain, 09.+10.07., 21 Uhr, 25 Euro zzgl. Gebühr

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