Konzerte & Party

Neu im Nachtleben: Die Bravo Bar in Mitte

Bravo Bar

Ein unscheinbares Gebäude auf der Torstraße, Ecke Friedrichstraße. Die Bravo Bar versteckt sich hinter einem schweren dunklen Vorhang im Fenster und einer Tür, die sich auch bei kräftigem Zerren nicht öffnen lässt. „Herzlich willkommen, nur herein mit euch“, grüßt Barbesitzer Björn Massmann freundlich, „Die Tür klemmt leider.“ Kein Problem, jedenfalls hat es die anwesenden Gäste nicht davon abgehalten, sich in den engen Räumlichkeiten zu versammeln, die kürzlich noch als Boutique und in den Neunzigern mal als Club namens „Dirt“ gedient haben und nur einen kleinen Fußweg von „Kingsize“ oder „Bar Tausend“ entfernt sind.
Die Wände sind schwarz gestrichen, die hohen Decken völlig unbeachtet mit schmutzigem Stuck verziert, der seine besten Jahre schon vor langer Zeit gesehen hat. Ein Ballon in Haifischform schwebt im Eingangsbereich. Auf dem Boden liegt Konfetti, hier und da hängen goldene Girlanden, vielleicht noch von den Feiertagen, vielleicht gewollt als Kontrast zur dunklen Wandfarbe. Alles in diesem schlauchförmigen Raum ist schön schlicht gehalten und zu gemütlich, um wirklich verrucht zu sein. Es herrscht Männerüberschuss. Die jüngste anwesende Person ist die freundlich lächelnde Bardame. Ein gepflegter Herr mit grauen Haaren tritt ein, der ohne Weiteres Pressesprecher eines etablierten Modehauses sein könnte, wäre da nicht der starke Kajalstift, der seine Augen umrandet. Er unterhält sich sogleich mit ein paar Gästen am Tresen. Viele scheinen sich hier bereits zu kennen, die Stimmung wirkt ungekünstelt und vertraut.
Bravo BarIm zweiten Raum erklärt Björn Massmann gerade ein paar Bekannten die Lokalität: „Hierhin ziehen sich die Leute gern zurück, wenn es vorne zu voll wird.“ Stilistisch ähnelt das Zimmer dem ersten, doch ist es wesentlich kleiner, ein paar Kerzenständer stehen auf dem Bartresen und den schmalen Wandtischen. Einziger Blickfang ist eine große Schwarz-Weiß-Fotografie, die einen nackten Frauenkörper vom Bauchnabel abwärts zeigt. Björn öffnet die Tür zum Innenhof: „Hier wollen wir vielleicht im Sommer gemeinsam Fußball gucken“, lacht er.
Der gelernte Fotograf ist kein Unbekannter im Berliner Nacht­leben. Er gehörte zu den Chefs des ehemaligen Rodeo Club, der Ende 2010 Insolvenz anmeldete und vom neuen Investor des Postfuhramtes zum Auszug gedrängt wurde. Im vergangenen Dezember hat Massmann nun mit fünf Freunden die Bravo Bar gegründet. ­Sicher auch seinetwegen legen gerne auch mal DJs wie Markus Kavka und Nilz Bokelberg auf.
Abends laufen hier Lily Allen, The Cure oder Songs vom „Footloose“-Soundtrack – Partyknaller. Es trinkt sich eben besser und geselliger zu Pop-Hits. Die Auswahl ist dabei gut und so unprätentiös wie das Publikum, etwa im Gegensatz zur Bar Tausend, deren Personal und Gäste die Nase gern etwas höher tragen. Die Räume füllen sich schnell. Es ist fast nicht mehr möglich, nicht mit seinem Nebenmann zu kommunizieren. Drei junge Männer im seriösen Businessaufzug bestellen sich gut gelaunt Champagner, so etwas wie das Getränk des Hauses. Akzeptable sechs Euro kostet das Glas. Eine bunte Mixtur an Menschen scheint sich in der Bravo Bar zu treffen, wenn auch alles recht gelassen und erwachsen wirkt oder anders ausgedrückt: Indie-Kids und hippe Austauschstudenten feiern offenbar woanders. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein.

Text: Christine Stiller

Bravo Bar, Torstraße 230, Mitte, Mi–Sa ab 21 Uhr

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