Konzerte & Party

Neues Futter für die Ohren

Guano Apes: Bel AirSeelenloser Mainstream
Vor zehn Jahren stand ihr Name noch für kräftigen Rock aus deutschen Landen. Nun, nach achtjähriger Albumpause, suchen die Göttinger auf „Bel Air“ verzweifelt eine Linie. Sehr zur Qual für all jene Fans, die die Band einst für ihre Rotzigkeit liebten und sich von der wütend wetternden Frontfrau Sandra Nasic aufstacheln ließen. Schon der Opener „Sunday Lover“ ist nicht mehr als steriler Rock mit massiven Pop­einflüssen. Der Rest des Albums gibt sich kaum besser, versucht sich an Disco und Elektro und bügelt mit Synthies gnadenlos platt, was an den alten Aufstand erinnern könnte. So bleiben trotz hier und da bretternder Gitarren nicht mehr als eine fatal gemäßigte Frontfrau und radiotauglicher Mainstream bis zur Unerträglichkeit.

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Uninteressant

Guano Apes, Bel Air (Sony Music)

 

Nikki Sudden: Playing With FireAus dem Nachlass
R&B-Sound der frühen Stones, verzerrte Gitarren, Orgel, Bass, Schlagzeug. Knallige Riffs. Roh, ungehobelt und direkt. Anklänge an die Faces, Punk, Country, T. Rex und schwirrende Rockballaden. Der Sänger, Gitarrist und Songwriter Nikki Sudden war einer der letzten Rock’n’Roll-Romantiker im Stil der 70er-Jahre. In Samt, Brokat und Seidenschals mit Keith Richards-Touch. Er liebte die Musik und lebte für seine Träume. Tragischerweise ist er nicht einmal 50 Jahre alt geworden. In seinem Nachlass fanden sich noch ein paar musikalische Juwelen, Outtakes aus seinen exquisiten letzten beiden Alben mit seiner tollen Band The Last Bandits. 15 Songs voller Herz und Seele, gegen die ich sofort sämtliche Platten der Strokes oder White Stripes eintausche.

Text: H.P. Daniels

tip-Bewertung: Hörenswert

Nikki Sudden, Playing With Fire (Easy Action/Rockwood)

 

Crystal Stilts: In Love With OblivionBammel und Geschrammel
Mono-Sound, Twang-Gitarren und ein Sänger, der ganz hinten im Raum zu stehen scheint. Wie so viele Bands von heute will auch diese nicht in der Gegenwart leben. Die New Yorker führen lieber verschiedene Stränge aus der Vergangenheit zusammen. Sieben Minuten lang waten sie durch den psychedelischen Morast von „Alien Rivers“. Dabei kommt ein ganz schön mulmiges Gefühl auf. Crystal Stilts flüchten aber auch oft genug aus der Sechziger-Höhle zum Sound des Flying-Nun-Labels. In vielen Stücken steckt diese Mischung aus Unschuld und Beseeltheit, mit der The Chills zu frühen Zeiten brillierten. Die Band konzentriert sich hier stur auf diese zwei Punkte und entlockt ihr immer wieder neue Momente der Spannung.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Crystal Stilts, In Love With Oblivion (Fortuna Pop/Cargo)

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