Konzerte & Party

Neues Rammstein-Video enttäuscht

RammsteinAm späten Mittwoch (16.9.) um 22 Uhr war es endlich so weit. Nachdem die PR-Machinerie bereits seit Wochen auf Hochtouren läuft, feierte das neue Rammstein-Video zur Vorab-Single „Pussy“ auf einem Erotik-Portal im Internet seine Weltpremiere.
Die Erwartungen waren groß, hatte das Management der Band vorab doch sämtliche Register des Spannungsaufbaus gezogen. Zunächst ein Song, der „zufällig“ irgendwo im Internet auftauchte, dann die Pflege des Image der bösen Buben, indem man diverse Fanportale der Band verklagte, weil diese bereits Promofotos zum neuen Album veröffentlicht hatten. Vier Jahre nach „Rosenrot“ ließ die Band keine Gelegenheit aus, darauf aufmerksam zu machen, dass da im Oktober ein neuer Longplayer zu erwarten sei.
Nun also das Video zum Song „Pussy“ – mit Sicherheit ein gefundenes Fressen für alle Moralapostel, die sich gerne künstlich aufregen. Von echter Substanz oder gar musikalisch neuen Wegen keine Spur. Rammstein tun das, was sie immer schon taten: Das harte Gitarrenbrett im 4/4-Takt fahren und visuell mächtig provozieren.
Schade nur, dass das Video zu „Pussy“ trotz aller Deutlichkeit seltsam blutleer wirkt. Szenen, die schon in Billigpornos kein Mensch wirklich sehen will, werden durch unmotiviert schnelle Schnitte zerschreddert und ob Textzeilen wie „Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr“ oder „Steck Bratwurst in dein Sauerkraut“ kann man sich schließlich auch eines Lachens nicht erwehren.
Im Gesamtpaket verflacht das Ganze zu einer Provokation um der Provokation Willen und lässt jeden Tiefgang in die Abgründe der menschlichen Seele (wie z.B. noch in „Mein Teil“) vermissen. Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass hier nur nach dem Motto „Sex Sells“ verfahren wurde.

Text: Martin Zeising

Zum Rammstein-Video „Pussy“

Das neue Rammstein-Album „Liebe ist für alle da“ erscheint am Freitag, den 16. Oktober.

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