Konzerte & Party

Nevermind

Liebing_c_SchnitgerJubiläen sollten ja auch etwas mit Jubeln zu tun haben. Aber danach ist mir derzeit nun wirklich nicht mehr zumute. Was sind denn bislang die zentralen Musikthemen des Jahres? 20 Jahre „Achtung Baby“ von U2, 20 Jahre „Nevermind“ von Nirvana. 20 Jahre das „Black Album“ von Metallica oder auch 10 Jahre Rilke-Projekt. Und mit brutaler Unvermeidlichkeit wird das jeweilige epochale Großereignis der Musikgeschichte ausufernd wiederaufbereitet: mit einer Deluxe-CD-Edition, vielleicht auch mit einem Vinyl-Remastering der zuvor bereits vom originalen Analog-Mastering für die CD digital remasterten Aufnahmen, natürlich auch mit einer Making-of-DVD, gerne in Spielfilmlänge und erweitert um Kommentare und Anekdoten ergriffener Zeitzeugen, die die Wichtigkeit dieser einst einfach mal nur so als Musik veröffentlichten Reliquien für ihr eigenes, sicher auch bald jubiläumswürdiges Oeuvre betonen. Und am Ende muss man dann auch noch damit rechnen, dass sich 500 Berliner Musiker auf der Bühne des Frannz-Club drängeln, um ihr Tribut an Kurt Cobain loszuwerden. Und was sagt uns das? Im musikalischen Hier und Jetzt scheint derart wenig von Belang zu passieren, dass sich die Musik- und Medienindustrie nur noch mit solchen Nostalgie-Kampagnen über Wasser halten kann. Und sie vergisst darüber womöglich, sich heute um die Musik zu kümmern, die in zwanzig Jahren ein Jubiläum wert sein könnte.       

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