Konzerte & Party

Nick Lowe im Interview

Nick_Lowe_c_Proper_RecordsObwohl Ihre Songs von Johnny Cash, Rod Stewart, Diana Ross und Elvis Costello gesungen wurden, haben Sie nie einen Grammy bekommen: wie ungerecht!  
Diese Dinge passieren in einer anderen Welt, in der war ich immer ein Außenseiter, auch wenn man meine Musik nicht gerade Avantgarde nennen kann. Ich habe mich nie als Teil des Establishments gesehen und die Dinge gerne auf meine Weise gemacht. Das ist im Grunde schon alles. Vielleicht kommt es ja noch.

Was war aus heutiger Sicht die wichtigste Zeit Ihrer Laufbahn – der Anfang mit Pub Rock als Wegbereiter für Punk und New Wave oder der spätere, jetzige Sound aus R&B und Pop?
Um dahin zu kommen, wo ich heute bin, musste ich alle Stufen zuvor durchmachen. Sogar die Zeit, als ich in den Siebzigern eine kurze Karriere als richtiger Popstar hatte. Das war wichtig, um überhaupt bemerkt zu werden und den Fuß auf die Leiter stellen zu können.

Und musikalisch – wann fühlten Sie sich am wohlsten?
Definitiv heute. Früher hat alles viel Spaß gemacht, es war eine aufregende Zeit, und jeder war ein großartiger Songwriter, arbeitete gerade an einer tollen neuen Platte, und wenn die nicht funktionierte, egal, machen wir eine andere. Uns gingen nie die Ideen aus, und wenn du jung bist, hast du’s eilig. Allerdings ging niemand in den Siebzigern davon aus, dass er noch mit über 30 – geschweige denn über 40 – Musik machen würde. Ganz anders im Jazz, dort galt die Devise, je älter du bist, umso besser. Auch im Blues galt diese Regel und erst recht im Country, da konnte man gar nicht alt genug sein. Das hat sich gewaltig geändert. Im Pop, im weißen Pop war das unmöglich. Heute haben wir Bob Dylan, Paul Simon, Leonard Cohen, Tom Waits, und alle bringen etwas mit zur Party, das es so nie zuvor gab: Erfahrung und Feeling.

Sie gäben einen guten Vorsitzenden ab im Club derer, die in Würde und mit Stil altern.
Nette Idee. Ich habe das auch durchaus bewusst verfolgt, denn meine Phase als Popstar war sehr kurz. Was normal ist, es sei denn du bist Elton John oder Madonna oder Cher, bei denen geht es weiter und weiter. Mein Erfolg hatte auch viel mit Produzieren zu tun und mit Songs, die ich für andere schrieb. Als es dann in meinen Dreißigern langsam abflaute, hatte ich dieses Kapitel hinter mich gebracht und wusste, das Beste war noch zu tun. Also musste ich etwas finden, das mich nicht unter den Druck stellt, dauernd so zu tun, als wäre ich noch jung. Es sollte etwas sein, das quasi von der Tatsache lebt, dass man älter wird, und ich musste so sehr an meiner älteren Persönlichkeit arbeiten, dass die Leute nahezu neidisch aufs Alter werden. Ich ahnte, dass ich dabei alte Fans verlieren könnte. Die Mischung aus Gospel, Rockabilly und Pop mögen nicht alle. Dafür habe ich neue und jüngere Fans gefunden, speziell in den USA.

Als Sie mit Ihrem Weihnachtsalbum „Quality Street“ in den Staaten unterwegs waren, hat Sie der junge Eli „Paperboy“ Reed begleitet, ein klassischer R&B-Künstler.  
Er ist einer von denen, die immer besser werden mit jedem Jahr, er ist jung und seine Einflüsse sind offensichtlich, aber der wird mal ganz groß. Zudem ist Eli immer sehr gut gekleidet und sieht scharf aus.

Das gilt auch für Sie, so als ob gerade das Alter nach mehr Eleganz und Stil ruft.    
Auch ich hatte früher meine Jeans- und T-Shirt-Phase. Aber auf der Bühne ist es wie ein Kompliment an das Publikum, du zollst ihnen Respekt. Manchmal denke ich auch, ich muss mich als Nick Lowe kleiden, die Leute erwarten das.

Sie erwarten vor allem einen distinguierten britischen Stil, gekrönt von Ihrer Buddy-Holly-Brille.    
Ja, dieser Look hat mir immer gut gefallen. Aber eine große Fassung ermöglicht es auch, schlicht die verschiedenen Stärken unterzubringen. Ich mag klassische englische Kleidung, und wenn ich es kann, lasse ich sie maßschneidern.

Hatten Sie schon Angebote als Model?   
Ja, GQ hat mal so etwas mit mir veranstaltet. Und gerade jetzt vor Weihnachten kam ein Magazin auf mich zu, das so trendy war, dass ich nicht mal den Namen entziffern konnte. Sie haben mit mir eine Fotosession in einem Waschsalon gemacht, gerade dort um die Ecke, wo ich sonst meine Wäsche hinbringe.

Foto: Proper Records

Nick Lowe Passionskirche, Fr 28.2., 20 Uhr, VVK: 28 Ђ zzgl. Gebühr

 

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