Konzerte & Party

Nite Jewel im Berghain

Nite Jewel

Zuerst fing das gar nicht mal so gut an mit der Nachtmusik von Juwel Ramona Gonzalez. Auf ihrem ersten Album „Good Evening“ steckte ihr elektronischer Pop hörbar im Frühstadium fest. Alles, was ihr zur Verfügung stand, waren ein Computer, alte Synthesizer und ein 8-Spur-Aufnahmegerät. Heraus kamen nur beliebige Klangflächen, über die sich die schwebende Stimme der Sängerin zu sorglos ausbreitete. Zum Glück hielt sich Gonzalez nicht lange damit auf. Sie arbeitete an sich und machte dabei unter anderem Bekanntschaft mit dem Produzenten und Musiker Dвm-Funk, der vor Kurzem eine fantastisch durchgeknallte Show im Bohannon hingelegt hat. Von ihm hat Gonzalez gelernt, wie man einen richtigen Groove kreiert. Allein deshalb ist der im Frühjahr veröffentlichte Zweitling „One Second Of Love“ schon mal um Klassen besser als das Debüt. Aber es ist nicht der einzige Grund. Das Album mit der Zeile „I’m a broken record, you’ve heard this before“ zu beginnen, ist reichlich frech. Sie soll eine Person sein, die so wie eine Platte ist, die immer zurückspringt und sich ständig wiederholt? Alles schon mal gehört? Aber nein. Nehmen wir Prince. Er spielt als Vorbild schon eine Rolle, aber andererseits ist keine Frau aus dem Harem von eben diesem Prince je so entspannt durch ihren eigenen purpurnen Traum stolziert, wie es jetzt Gonzalez tut. Die Latina zieht es von Synthesizer-Funk begleitet auf die Tanzfläche oder ganz vorsichtig zum Dubstep. Sie macht keine Anstalten mehr, sie ziert sich nicht. Sie hat einfach ein wunderbares Popalbum mit viel Soul geschaffen, das man sich immer wieder anhören kann, bis der Morgen kommt. Toller Fortschritt.

Text: Thomas Weiland

Foto: Matthew Scott

Nite Jewel, Berghain Kantine, Di 7.8., 21 Uhr, 15 Euro

Mehr über Cookies erfahren