Konzerte & Party

Nix los im Prenzlauer Berg

TanzenDas hat natürlich alles sein Für und Wider. Es ist ja auch sehr angenehm, den Vögeln beim Zwitschern zu lauschen. Gerade im Frühjahr. Wer es aber gern mal laut hat, der fühlt sich in anderen Bezirken heimisch. Der schielt rüber in den Westen – nach Neukölln und Kreuzberg. Kein Thema wurde in den letzten Jahren so energisch diskutiert wie das Aussterben der Clubkultur im einstigen Szenebezirk. Höhepunkt dieser Diskussion war die Schließung des Knaack Club im vergangenen Jahr. Nach über 58 Jahren Klubgeschichte in der Greifswalder Straße mussten die Besitzer nach einem Lautstärkestreit mit zugezogenen Nachbarn aufgeben. Einer Schließung ebenfalls aus Lärmschutzgründen sah auch der alteingesessene Club Icon im letzten Jahr entgegen. Da der Club in einem Kellergewölbe liegt, schien seine Existenz auch die Anwohner kaum zu stören. Das änderte sich allerdings mit dem Neubau eines Wohnhauses in direkter Nachbarschaft. Die Schließung konnte im Oktober 2010 dennoch abgewendet werden. Zumindest ein kleiner Lichtblick. Dennoch stellt sich heute für Freunde der Musik- und Clubkultur die zwingende Frage: Wo hingehen?

Gut, da ist die Kulturbrauerei mit ihren zahlreichen Club- und Konzertsälen. Aber auch die wirkt in der Nähe zum spaßbefreiten Kollwitzkiez wie ein Gefängnis. Gefeiert wird hier hinter hohen Mauern, gerade so, als ob die Öffentlichkeit nichts vom Partyleben mitbekommen soll. Früher gab es in der Greifswalder Straße den Magnet Club, ebenfalls eine Institution, die jetzt in Kreuzberg residiert, neben zahlreichen anderen Clubs rund um das Schlesische Tor. Erinnert sich noch jemand an den Geburtstagklub am Volkspark Friedrichshain? An den ekligen aber typischen Berliner Kellerranz? Hier stehen nun Stadtwohnungen, Townhouses genannt – eingezäunter Wohnraum nahe am grünen Park. Man atmet frische statt rauchgeschwängerte Luft. Party, das heißt hier: nebenan ins Kino gehen.

Wo also feiern die Hipster, Studenten und Kunstbesoffenen? Nur in Kreuzberg und Neukölln? Ganz so dramatisch scheint es dann doch nicht. Das Bassy etwa, hält in der Schönhauser Allee noch immer die Fahnen hoch. Der Club befindet sich unter dem hübsch sanierten Volksfest-Tempel Pfefferberg und hat sich mit einem Nischenkonzept zum Garagebeat- und Country-Wildstyle-Laden schlechthin entwickelt. Auf der kleinen Bühne samt herausragender Anlage spielt jedes Wochenende fast mit Garantie eine gute Band.

Auch das Ausland ist so eine Trutzburg. Der Club in der Lychener Straße begeistert mit einem innovativen und preislich fairen Programm. Der Schwerpunkt liegt auf Konzerten fern ab des Mainstreams. Von progressiven Rockbands über schlau arrangierten HipHop bis hin zu Ohrenbluten-Noise begegnen sich dort Berliner und internationale Künstler. Ähnlich schrammelig geht es im Roadrunners Club zu. Auf dem Gelände der ehemaligen Königsstadtbrauerei finden schweißtreibende Gelage statt. Alles dreht sich hier um Surf, Garage, Punk und Rockabilly. Dementsprechend enden die Konzerte selten vor Mitternacht.

Gleiches im Dazzle Club in der Danziger Straße, wenn auch etwas gediegener: Rock, Indie, Blues und Grindcore. Auch hier residiert die Leidenschaft zur handgemachten Rockmusik. Dunkler als im Duncker geht’s nicht, dort trifft sich jeden Montag die schwarze Seite der Stadt. DJ Orlög beschallt finstere Herzen mit brachial-melancholischen Sounds, ohne Frage ein absolutes Muss für den gestandenen Goth. Aber auch Freunde entspannter Gitarrenmusik werden mit diversen Indie- und Retro-Abenden bedient. Und damit wird es dann auch schon eng. Nimmt man die Definition von Club und Bar nicht ganz so eng, dann passt in diese Liste noch der Klub der Rebublik, das Soupanova in der Stargarder Straße und ab und an gibt es auch Partys im Ballhaus Ost. Für mehr reicht es dann aber nicht im Prenzlauer Berg. Mit Neid schaut man in andere Bezirke. Das ist leider so.

Text: Martin Daßinnies

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