Konzerte & Party

Noah And The Whale im Postbahnhof

Noah And The WhaleEs klingt ein wenig wie der Plot eines traurig-romantischen Jugend­films. Kaum ein Jahr ist es her, da stimmte Charlie Fink mit seiner Band Noah And The Whale fröhliche Folksongs an wie „5 Years Time„. Darin reimte er Worte wie „Fun“ und „Sun“. Wer ihn fragte, für welchen Film seine Band am liebsten die Musik geschrieben hätten, nannte er Knuffiges а la „Shrek„. Auf ihrem Debütalbum, das die Londoner allein in England 100.000 Mal verkauften, sang in jedem Stück Finks Freundin Laura Marling mit – selbst Shooting Star der keimenden britischen Neo­folkszene. Kurz­um: Songwriter Fink schien samt Band auf Wolke 7.
Nur einen Sommer später hat sich die Stimmung plötzlich zu­ge­zogen. Nach dem von Ukulele und Chören gespickten Erstling wirkt der Nachfolger getragen und melancholisch; statt heller Folk­ins­trumente wirkt die Klangpalette um Klavier-Arpeggien und flir­ren­de Strei­­cher bittersüß. Raumhall dehnt die Songs in die Weite, man denkt an einen sakralen Ort statt an eine Lagerfeuer-Runde. Von sonnigen Texten will der 23-jährige Bandchef zurzeit nichts wissen. „My Broken Heart“ heißen die Songs oder „I Have Nothing„. Mit weltmüdem Jungmänner-Bariton singt Fink Sätze wie „You can’t break my broken heart“, während im Hintergrund ein zartes Geigenduo einschwebt. Dazu muss man wissen, dass Finks Arbeits- und Liebesbeziehung zu Laura Marling vor den Aufnahmen in die Brüche ging. Ein Konzeptalbum sei das neue Werk nun, erläutert der Songwriter – das Thema: desillusionierende Beziehungen.
So erscheint es konsequent, dass „The First Days Of Spring“ in Down­load-Musikportalen nur als langer Einzeltrack zur Verfügung steht, inklusive kleiner, stimmungsvoller Klassik-Einschübe, durch die filmreife Atmosphäre entsteht. Das Ergebnis strahlt in vielen Momenten erhabene Schönheit aus. Und so kommt eine der spannendsten Neofolkbands dieser Tage zur Abwechslung mal nicht aus Amerikas goldenem Westen, sondern aus dem hibbeligen London.

Text: Ulrike Rechel

Noah And The Whale, Postbahnhof, Mi 16.9., 21 Uhr, VVK: 14 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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