Konzerte & Party

Nozinja im Yaam

Nozinja

Richard Mthetwa darf sich rühmen, ganz allein ein musikalisches Genre erfunden und auf der Landkarte des Global Pop platziert zu haben. Unter seinem Produzentennamen Nozinja kümmert sich Mthetwa seit über zehn Jahren rührend um einen Sound, der ausgehend von der südafrikanischen Provinz Limpopo an der Grenze zu Simbabwe über die Townships einen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Shangaan Electro basiert auf den traditionellen Tanzrhythmen des Shangaan-Volkes im Norden Südafrikas, dem auch Mthetwa angehört. Der Stil verbindet das eher gemäßigte Tempo der folkloristischen Musik mit Einflüssen von Tsonga Disco und Kwaito-House zu einem frenetischen Clubmix, der sich auch schon mal im Drehzahlbereich von 180 bpm bewegt. Diverse YouTube-Videos von Blockparties in Soweto illustrieren die wilde Energie des Shangaan Electro, der mit seinen dünnen, synthetisch-peitschenden Marimba-Beats, zu denen die Tänzerinnen und Tänzer in einem irren Tempo mit den Ärschen wackeln, an eine afro-futuristische Version des Chicago Footwork erinnert – aber auch an die überdrehten IDM/Free Jazz-Breaks eines Aphex Twin oder Squarepusher. Es ist also folgerichtig, dass das Debütalbum „Nozinja Lodge“, benannt nach der Herberge, die Mthetwa in Limpopo betreibt, im Frühjahr auf dem altehrwürdigen Eletronik-Label Warp erschien. So bizarr und fremdartig der hyperkinetische, fast basslose Sound des Shangaan Electro für westliche Ohren stellenweise auch klingen mag, die Rhythmen sind hochgradig ansteckend. Nozinja tritt als nächster Produzent aus den Schwellenländern der Popmusik den Beweis an, dass die Zukunft der Clubmusik immer seltener aus London, Berlin oder Chicago kommen wird.

Text: Andreas Busche

Foto: Drew Gurian / Red Bull Content Pool

Nozinja, Yaam, An der Schillingbrücke, Friedrichshain, 7. Oktober, 21 Uhr, AK: 15,00 Euro

Mehr über Cookies erfahren