Avantgarde

Nurse With Wound in der Sophienkirche

Englischer Lärm: Die Freiheit, das Unerwartete zu erwarten: Nurse With Wound

1979 erschien Nurse With Wounds Debütalbum „Chance Meeting on a Dissecting Table of a Sewing Machine and an Umbrella“. Diesem sperrigen Werk (halb Geräuschexperiment, halb Avant-Rock) mit dem nicht minder sperrigen Titel und einem verstörenden Cover legte Steven Stapleton eine Liste bei, auf der er Musiker und Bands aufführte, die ihn beeinflusst haben. Dutzende von Outsidern und Bilderstürmern sind darauf versammelt. Die deutschen Krautrocker Agitation Free und Ash Ra Tempel genauso wie der Vertreter der Konkreten Musik Luc Ferrari, der Erfinder der Art brut Jean Dubuffet oder die Polit-Punks von Crass. In diesem extremen Spektrum bewegt sich seitdem die Formation, deren einziges festes Mitglied Stapleton ist, und die einen unüberschaubaren Wust an Veröffentlichungen, Kooperationen und Split-­Alben hervorgebracht hat. Neben Throbbing Gristle, Coil und Psychic TV gehören Nurse With Wound zu den Pionieren der harschen Industrial-Ästhetik. Stapleton erschuf als umtriebiger Musiker, Komponist, Tüftler, Netzwerker, Künstler, Produzent und Labelbetreiber ein bizarres Klanguniversum, auf dem die britische Undergroundszene gründet, und man weiß nie, was ihn gerade umtreibt. Musikalisch, konzeptuell oder spirituell. Mal verliert er sich in hypnotischen Feedbackorgien, mal in fiependen Elektroniksounds, mal in düsteren Folkepen. Die Freiheit, das Unerwartete zu erwarten, ist das Einzige worauf man sich bei dem Mann verlassen kann.

Sophienkirche Große Hamburger Str. 28–30, Mitte, Fr 28.4., 20 Uhr, VVK: 22 € zzgl. Gebühren

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