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Odd Future Wolg Gang Kill Them All im Huxleys

odd_future.Soeben hat Frank Ocean die Welt mit seinem Album „Channel Orange“ in helle Aufregung versetzt. Einmal wegen der Songs, die zurückhaltend und futuristisch herüberkommen und in denen der Sänger über die Zustände in Los Angeles berichtet, über die Kinder der Superreichen und über Freundinnen der gar nicht Reichen, die anschaffen gehen müssen. Aufregung entstand auch deshalb, weil Ocean auf einem Beipackzettel wissen lässt, dass seine erste Liebe ein Mann war. An sich ist das nicht außergewöhnlich oder berichtenswert. Soll er doch. Aber Ocean­ ist ein Künstler, der im Hip-Hop und R&B zu Hause ist. Und da wird die Sache doch wieder interessant. In beiden Genres wird Gleichgeschlechtlichkeit traditionell abgelehnt, im Hip-Hop sogar entschieden und mit derben Vokabeln. Wenn jemand so deutlich gegen die Mehrheit rebelliert wie Ocean es mit seinem Bekenntnis tut, kann man davon ausgehen, dass es sich nicht bloß um eine Provokation handelt. Man wittert einen Aufstand gegen Intoleranz, Dummheit und altes Denken. Der Zeitpunkt für den Umsturz ist gut gewählt. Sowohl Hip-Hop als auch R&B können einen Kick zurzeit gut gebrauchen.  

Was wohl Oceans Clique darüber denkt? Die heißt voll ausgeschrieben Odd Future Wolf Gang Kill Them All oder kurz einfach Odd Future, kommt aus Los Angeles und empfiehlt sich immer mehr als Alternative. Dieses unübersichtliche Kollektiv, dem neben Ocean ein Dutzend Leute zugerechnet werden, vergreift sich in der Wortwahl, übertreibt dabei maßlos und freut sich darüber wie eine Gruppe von Dreckskerlen, die einen bösen Streich gespielt haben. Man merkt das an einer Grußbotschaft, mit der das erste richtige Album „The OF Tape Vol. 2“ (die erste Auflage war ein Mixtape, also eine inoffizielle Veröffentlichung) beginnt. Da erzählt einer andauernd, wie abstoßend er die Leute von Odd Future findet. Er scheint richtig sauer zu sein, aber wenn man genau zuhört, merkt man, dass er sich damit im Grunde einen Scherz erlaubt. Eigentlich sind es Kumpels, das Heruntermachen ist als anerkennende Geste zu verstehen. Das ist schon ein Unterschied zu ähnlich auffällig gewordenen Gangster-Rappern, die mit vollem Ernst verbal Amok gelaufen sind. Hier geht die Bürgerschrecktour erkennbar mit Narreteien einher.

Auch die Musik fällt aus dem Rahmen. Odd Future bleiben die Ruhe selbst und chillen in Gegenwart von elektronischen Geräuschkulissen, die entweder entrückt wirken oder an Soundtracks aus Porno-Filmen für die Mitternachtsstunde erinnern. Es ist Musik, die hervorragend zum 21. Jahrhundert passt. Am besten ist es, wenn man sich das Ganze wie beim Wu-Tang Clan vorstellt, abzüglich der Düsternis und des Faibles für fernöstliche Kampfkunst. Odd Future wollen sich ähnlich nachhaltig in der Szene festsetzen, als Gruppe und mit Einzelaktionen. Neben Ocean ist vor allem Anführer Tyler, The Creator als Solist auffällig. Von ihm soll noch dieses Jahr das dritte Album „Wolf“ erscheinen. Auch von den anderen wichtigen Mitgliedern Hodgy Beats, Left Brain, Earl Sweatshirt und Domo Genesis gibt es schon eigene Veröffentlichungen oder wird es bald welche geben. Jetzt kommen sie als Gruppe zum ersten Mal nach Berlin, um zu zeigen, was sie in den sechs Jahren ihrer Existenz alles gelernt haben.

Text: Thomas Weiland

Odd Future Wolf Gang Kill Them All
Huxleys, Mo 20.8., 20 Uhr, VVK: 20 Ђ zzgl. Gebühr

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