Hinter den Off Days steckt eine ebenso einfache wie geniale Idee: Das Mini-Festival holt internationale Top-Acts nach Berlin, die ohnehin in Europa unterwegs sind und gerade ein paar freie Tage im Kalender haben. Das diesjährige Line-up punktet mit einer internationalen Pop-Ikone – und radikaler Diversität. Darum lohnt sich Ende August ein Ausflug in die Zitadelle Spandau.

Festivalfeeling – ganz ohne Gummistiefel und Schlafsack
Zwei Tage, drei Acts pro Abend und das Beste: Man muss dafür nicht aufs Land fahren und nicht zelten, sondern kann nach dem Konzerterlebnis einfach im eigenen Bett schlafen. Die Off Days, die Ende August zum zweiten Mal in der Zitadelle Spandau im Rahmen des Citadel Music Festivals stattfinden, treffen genau den Sweet Spot zwischen Open-Air-Konzert und Festival. Hinter dem Format steckt eine ebenso einfache wie geniale Idee: Die Off Days bringen internationale Top-Acts auf die Bühne, die ohnehin in Europa unterwegs sind und gerade ein paar freie Tage haben. Diese Lücken im Kalender nutzt das Team der Booking-Agentur Goodlive Artists, um ein Line-up aus Künstler:innen zu kuratieren, das sich – nicht zuletzt in seiner Diversität – klar von dem abhebt, was auf den deutschen Festivalbühnen sonst so stattfindet.
Letztes Jahr stand das Line-up am ersten Tag ganz im Zeichen exzentrischer, unangepasster weiblicher Acts: Peaches, Gossip, Róisín Murphy. Eine weibliche Pop-Ikone wird auch in diesem Jahr erwartet, denn Nelly Furtado gibt ihre ersten Headline-Show hierzulande seit mehr als elf Jahren; in Berlin trat sie das letzte Mal 2013 im Huxleys auf. Hits wie „Say It Right“, „I’m Like a Bird“ oder „Maneater“ machten sie zu einer der prägendsten Popkünstlerinnen der 2000er. 2024 erschien ihr aktuelles Album „7“. Ihr Bühnen-Comeback in Deutschland wird wohl ein generationenübergreifendes Publikum anziehen: Eine Mischung aus denjenigen, die sich ihr Hit-Album „Loose“ vor 20 Jahren als erste CD selbst gekauft haben – und der Gen Z, die Nelly Furtado bei TikTok gerade entdeckt.
Zwischen Pop-Nostalgie und Avantgarde: Off Days 2025 mit Nelly Furtado, 070 Shake und Yseult
Eine Nostalgie-Show sollen die Off Days dabei auf keinen Fall werden, betont Niklas Magedanz, Booker bei Goodlive Artists: „Klar, fast jede:r hat irgendwo eine emotionale Verbindung zu Nelly Furtados Songs. Wir wollten aber bewusst nicht in eine reine 2000er-Richtung abdriften, sondern mit dem Rest des Line-ups einen zeitgenössischen Gegenpol setzen.“
Dieser Gegenpol ist sorgfältig gewählt: Mit Yseult steht eine der spannendsten französischen Künstlerinnen der Gegenwart auf der Bühne. Ihre genreübergreifenden Songs zwischen Chanson, R&B und Avantgarde, ihre radikale Ehrlichkeit und ihre feministische Haltung setzen einen klaren, modernen Akzent. Dazu bringt das Berliner Vokalensemble A Song for You, das vor allem Stimmen von People of Color zentriert, Soul, Jazz und Gospel in die Zitadelle.
Im letzten Jahr fanden die Off Days mitten in der Woche statt, in diesem Jahr belegt die Veranstaltung glücklicherweise einen Freitag und Samstag. Ob das – neben Megastar Furtado – für einen Push im Ticketverkauf sorgt? „Vor allem beim Freitagabend sieht man im Ticketing schon, dass viele Leute von weiter her extra nach Berlin kommen. Besonders unsere Gruppentickets laufen für den Abend sehr gut“, so Goodlive-Bookerin Marlene Thissen.

„Beide Tage sollen von denselben Menschen gut gefunden werden können – auch wenn sie musikalisch unterschiedlich ausgerichtet sind“, ergänzt Magedanz. Der zweite Abend dürfte mit 070 Shake vor allem ein junges, hippes Berliner Publikum glücklich machen. Die Künstlerin aus New Jersey, mit bürgerlichem Namen Danielle Balbuena, wurde zunächst unter Kanye Wests Fittichen bekannt, doch längst hat sie sich eine ganz eigene künstlerische Identität geschaffen. Ihr Sound – ein Hybrid aus Rap, Alternative R&B und elektronischen Elementen – ist düster und verletzlich. Auf der Bühne wird daraus eine fast tranceartige, kathartische Erfahrung.
Ebenfalls auf dem Line-up für den zweiten Abend steht Saint Levant; geboren in Jerusalem, aufgewachsen in Gaza und Frankreich, kombiniert der Künstler englische, französische und arabische Lyrics mit traditionellen Sounds und R’n’B-Flows.
Über den dritten Act im Bunde, Bakar, werden sich vor allem Indie-Fans freuen: Der Londoner Musiker vermischt Indie-Rock, Hip-Hop, Post-Punk und Soul zu einem rauen, melodischen Sound. Genau so sollte man den August verabschieden, an einem hoffentlich lauen Sommerabend unter freiem Himmel.
So war’s: Der Konzertbericht zu Nelly Furtados Auftritt bei den Off Days
- Off Days Zitadelle Spandau, Am Juliusturm 64, Spandau, Fr. 29.8. (Nelly Furtado, Yseult, A Song For You) + Sa. 30.8. (070 Shake, Saint Levant, Bakar), 18 Uhr, Tagesticket VVK ab 70 €, www.off-days.com
Mehr Musik
Immer noch Mr. „SexyBack“? So war der Auftritt von Justin Timberlake auf dem Lollapalooza. Pop-Kultur Festival 2025: Mit Apsilon, Eli Preiss, Die Nerven und vielen mehr. Auferstanden von den Toten: So war das Konzert von Queens of the Stone Age in der Zitadelle. Noch lange im Gedächtnis wird uns bestimmt der Auftritt von Neil Young in der Waldbühne bleiben. Nicht ganz so lang wie Neil Young, aber nun auch schon 25 Jahre als Musiker unterwegs, ist Sido: Hier könnt ihr nachlesen, wie der Start der Jubiläumstour in Berlin war. Oder lieber direkt rein ins Nachtleben? In unserer Club-Rubrik findet ihr Partys in Berlin. Jede Woche neu: Hier meldet ihr euch für den tipBerlin-Newsletter an.


