Jazz-Pop

Ohne Geldbeutel

Die ehemalige Straßenmusikerin Madeleine Peyroux strebt immer mehr zum Pop

„Plötzlich nichts mehr“: Peyroux. Foto: Yann Orhan

Wenn Madeleine Peyroux nach Paris reist, steigt sie nicht im Hotel ab, sondern bei ihrer Mutter. Die französische Hauptstadt ist ihre zweite Heimat. Nach der Scheidung ihrer Eltern wohnte die Amerikanerin dort, als Straßenmusikerin legte sie in den Metro-Passagen den Grundstein für ihre Karriere. Nun spricht sie in Paris über ihre fünfte CD „Anthem“, die zwischen Pop und Jazz changiert. „Die meisten Songs“, meint sie, „sind musikalisch recht schlicht gehalten. Sie streben zum Pop.“

Dennoch sagt sich die 45-Jährige mit ihrem neuen Album nicht vollkommen vom Jazz los. Weil sie stets Standards gesungen hat, gibt es den Klassiker „Last Night When We Were Young“ als Bonustrack.

Auch bei ihren Eigenkompositionen blitzen hier und da jazzige Elemente auf. Groovige Bläser treiben ihren eindringlichen Gesang vorwärts, wenn sie sich in dem Lied „On My Own“ fragt: Wer bin ich eigentlich? „The Brand New Deal“ wiederum prangert falsche Werte an: „Je stärker wir uns aufs Materielle konzentrieren, desto mehr bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke.“

In dem sphärischen „Lullaby“ wiederum schildert Madeleine Peyroux, wie ein Flüchtling in einem Boot übers Meer treibt: „Dieser Song erinnert mich an Momente in meinem Leben, in denen ich plötzlich nichts mehr hatte.“ Allein der Verlust des Portemonnaies, weiß sie aus Erfahrung, bringt einen zur Verzweiflung: „Ohne Geld und Papiere scheint die eigene Identität weg zu sein.“

Quasimodo Kantstr. 12a, Charlottenburg, Sa 27.7., 22 Uhr, VVK ab 47,70 € zzgl. Gebühren

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