Konzerte & Party

Ojo Rojo im White Trash Fast Food

Ojo RojoDas Konzept der All-Star-Band hat sein Für und Wider. Im mittelprächtigen Fall bleiben die addierten Kräfte klar hinter den Herkunftsbands zurück. Bei glücklichen Projekten ist dagegen die reine Lust an der Sache spürbar.
So verhält es sich bei Ojo Rojo um Jingo de Lunch-Bassist Henning Menke. Selbst Drummer Thomas Götz ist seit Jahren zumindest als Ehrengast beteiligt – obwohl er mit den Beatsteaks eigentlich dauerbeschäftigt sein dürfte. Neben Lutz Buch und Gods-Of-Blitz-Mann Olli Wong an den Gitarren sowie Drummer Michele Sylvestri, ist Shouter Matt Rosta Aushängeschild der Band. Bei der ruppigen Kehle des gebürtigen Amerikaners denkt man an kurz angebundene Heiserkehlen wie Henry Rollins oder Helmets Page Hamilton.
Alte Hardcore-Schule prägt denn auch das Klangbild der jüngsten Songs: ein roh belassener Sound, der an einen Live-Gig denken lässt. Als Vereinbarung galt, dass jedes Bandmitglied zwei eigene Songs in die Runde werfen müsse. Eine Spielregel, die sich bezahlt machte: So findet sich auf der in Olli Wongs eigenem Studio entstandenen EP weit mehr als der wütende Hardrock des Titelsongs „Cost Of War“. Einprägsam ist etwa das melodiöse „Hand Me Down World“, ein Cover der kanadischen Seventies-Band The Guess Who. In „Fisherman’s Fate“ wechseln die Berliner erneut die Farbe; Rosta nimmt dafür die whisky-getränkte Stimme einer zwielichtigen Nachtgestalt ein, Orgeltöne und ein viriler Männerchor verleihen dem Song zudem B-Kino-Atmosphäre.
Es ist ein kompaktes Sixpack Songs, das nun als feine Vinyl-Pressung erscheint. Offenbar ist der Band eine Platte mit einer Handvoll klasser Songs lieber als die doppelte Anzahl unter unnötigem Zeitdruck. Es ist der kleine Luxus, den man sich als erlesene Feierabend-Kombo eben leisten kann.

Text: Ulrike Rechel

Ojo Rojo & Casket, White Trash Fast Food, Do 1.4. , 21 Uhr, AK: 6 Euro

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