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„Oldschool“ von Nena

Nena
Foto: Esther Haase

„Oldschool“ heißt das neue Nena-Album, und der Titel passt: So sehr 80ermäßig hat Nena seit den 80ern wirklich nicht mehr geklungen! Elektronisch, quirlig und mitunter ganz schön kantig produziert von HipHopper Samy Deluxe kommen die neuen Songs daher – und zeugen trotzdem von der Lebenserfahrung einer Frau, die sich den Spaß nicht nehmen lassen will. Da muss man sich nur mal ihren Song „Berufsjugendlich“ anhören, in dem sie herrlich ironisch von sich selbst singt: „Die Alte macht auf hip, dabei hat sie schon ein paar Enkel …“

Beim Gespräch in Hamburg gibt die 54-Jährige bei einem Glas Bio-Rotwein zu, mittlerweile auch etwas stolz darauf zu sein, als oldschool zu gelten. „Früher konnte ich über Vergangenheit gar nicht gut sprechen und dachte, es sei besser, unbedingt im Hier und Jetzt zu leben. Aber das tun wir ja sowieso“, sagt Gabriele Susanne Kerner, wie Nena eigentlich heißt. „Es ist eine Illusion, dass man alles Erlebte abhaken und in irgendeine Schublade packen kann.“ Nun begibt sie sich zum Start ihrer Tournee dorthin, wo 1979 alles angefangen hat: „Ich war damals 19 und verliebt. Er wohnte in der Oranienstraße in Berlin schräg gegenüber vom SO36, wo ich nun meine Clubtour starte. Damit verbinde ich auf jeden Fall ein authentisches Oldschool-Gefühl.“

Im neuen Song „Betonblock“ gibt es aber auch kritische Töne über Berlin. „Da kommt mir immer das Bild mit dem Potsdamer Platz in den Kopf, den ich ja noch ohne Beton kenne, die Mauer mal ausgenommen“, erinnert sich Nena. „Jim Rakete hat dort 1979 die ersten Fotos von mir gemacht. Damals war es noch ein riesiger, leerer Sandplatz. Wenn ich heute am Potsdamer Platz stehe, ist es für mich befremdlich. Ich habe nichts gegen Beton an sich, aber dieser Ort fühlt sich für mich nicht natürlich gewachsen an. Und darum geht es auch in dem Song.“

Wenn Nena bestimmte „Lieder von früher“ hört, überkommt sie auch schon mal Wehmut. „Wenn ich alte Stones-Songs höre, ist das so. Manchmal kann ich dann einfach so losheulen, weil mich das an viele schöne Dinge erinnert. Denn diese Lieder haben mich in einer bestimmten Phase meines Lebens ständig begleitet.“ Im vergangenen Jahr hat sie Keith Richards nach dem Konzert der Stones in Berlin getroffen. „Bei der Begegnung gab es eine totale Herzebene. Das waren drei, vier Minuten absolute Liebe!“, schwärmt Nena und wirkt dabei eher wie ein Teenager als eine Berufsjugendliche.

Text: Katja Schwemmers

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