Konzerte & Party

Open Mic in Berlin

OpenMic_Freudenreich_Neuk__lln_17_c_Anita_RichelliFirst come, first serve. Beim Open Mic im Madame Claude gilt: Jeder, der sich rechtzeitig in die Liste einträgt, darf auch spielen. Zwei Songs. Alles ist erlaubt. Jede Musikrichtung und jedes Instrument sind willkommen. Regeln gibt es keine, bis auf das eine große und wichtige Grundgesetz der Open Mic Szene: „No Competition“. Oder auch: „Everyone is equally awesome“. Heiko Horror me, der die offene Bühne in der Kreuzberger Bar bereits seit 2008 hostet, will sämtliche Aspekte, die die kommerzielle Musikindustrie ausmachen, unbedingt aus seiner Veranstaltung heraushalten: „Bei uns geht es nicht um Leistung“, betont er. „Ehrliche und authentische Musik ist oft so viel besser, als wenn man da mit dem Vorhaben drangeht, der nächste große Star zu werden.“ Open Mics seien für ihn geschützte Räume, in denen Künstler sich öffnen, ausprobieren und ihre Stücke mit anderen teilen könnten.

Der Singer-Songwriter Toby Goodshank gehört zu den „Regulars“ im Madame Claude. An den Berliner Open Mics schätzt der New Yorker vor allem ihre entspannte, familiäre und respektvolle Atmosphäre. Hier werde keiner ausgebuht oder kritisiert. „In New York sind die Open Stages manchmal richtige Battles“, erzählt er. In Berlin hingegen schlössen sich die Teilnehmer nach der Show zusammen, um gemeinsam neue Projekte zu starten oder nach Auftrittsmöglichkeiten zu suchen. „Dieses Gemeinschaftsding, dieses Community-Erleben, finde ich bei der ganzen Sache am wichtigsten“, sagt Host Heiko Horror me.
Auch Daniel Grabala, Inhaber des KussKuss in Neukölln, will über seine Open Stage eine Musikergemeinde aufbauen. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei, die Leute aus der Nachbarschaft miteinzubeziehen. Eine eigene Hausband, die hauptsächlich aus Kiezbewohnern besteht, hat Daniel bereits auf die Beine gestellt. Auch die Neuköllner Folk-Rock-Band Too Late For Beauty, deren Mitglieder allesamt in der Gegend wohnen, sind im KussKuss gern gesehene Gäste. Gitarrist Claudius zufolge sind Open Mics jedoch eher etwas für Amateure: „98% der Teilnehmer sind noch recht unerfahren. Sie nutzen die Open Mics, um zu lernen, wie man mit dem Publikum agiert und wie man sich auf der Bühne so gibt“.

Feedback ist auch für die Country- und Blues-Sängerin Juliane Fritz einer der Hauptgründe, bei Open Stages aufzutreten. „Wer monatelang alleine vor sich hin spielt, will irgendwann einfach wissen, wo er steht“, sagt sie. Schlussendlich mache man Musik ja immer auch, um von anderen gehört zu werden. Der Wunsch, groß rauszukommen, sei unter den Open Mic Teilnehmern aber eher unüblich, so Julianes Eindruck. Seit einiger Zeit führt die Musikerin den Blog „Give Me A Stage“, auf dem sie über sämtliche offene Bühnen in Berlin informiert. Rund fünfzig Stück hat sie inzwischen zusammengetragen; das Open Mic im Schokoladen in Mitte gehört zu ihren Lieblingen. Unter die üblichen Singer-Songwriter-Stücke mischten sich hier auch immer wieder politische Lieder, Protestsongs und Punkmusik. „Der Tontechniker im Schokoladen ist außerdem echt super“, erzählt Juliane. Schließlich hätten auch Hobbymusiker einen ordentlichen Sound verdient.

Text: Henrike Möller

Foto: Anita Richelli

Open Mic im Madame Claude Jeden Sonntag, 20 Uhr, Lübbener Straße 19, Kreuzberg

Open Stage im Kuss Kuss Jeden Donnerstag, 20 Uhr, Nogatstraße 30, Neukölln

Open Stage im Schokoladen Jeden zweiten Sonntag im Monat, 19 Uhr, Ackerstraße 169, Mitte

Gute Übersicht: http://givemeastage.blogspot.de

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