Electro-Avantgarde

Oval im Roter Salon

Klangforscher Oval schafft den perfekten Sound der Gegenwart

Foto: Vlatka Alec

Es war ein Trio aus Berlin, das den Techno das Stottern lehrte. Als elektronische Musik Mitte der 1990er-Jahre zur Massenware avanciert war, erfanden Markus Popp, Sebastian Oschatz und Frank Metzger unter dem Namen Oval das Subgenre „Glitch” – und zwar so: Man zerkratzte oder bemalte CDs, trug Störgeräusche in die Produktion; Hauptsache, das Ergebnis konterkarierte die kühle Perfektion der handelsüblichen Maschinenmusik. Ihre Platte „94 Diskont“ aus dem Jahr 1996, ein Meilenstein der experimentellen Elektronik, markierte den Höhepunkt und zugleich das Ende des gemeinsamen Schaffens von Popp, Oschatz und Metzger: Noch im Jahr der Veröffentlichung trennte man sich.
Im Auftrag der Klangforschung ist Popp seitdem allein unterwegs, hat unter altem Namen mit Leuten wie Björk und Mouse on Mars gearbeitet. Mit seinem neuen, schlicht „Popp“ betitelten Werk schuf er nun ein Album, das zugänglicher und weniger sperrig anmutet als die Vorgängerplatten. Wenn man so will: ein Clubalbum, jedoch eines, zu dem das Tanzen schwerfällt. Als wollte er die Simultanität der Sinneseindrücke vertonen, die in Zeiten des medialen Dauerbeschusses auf den Menschen einströmen, lässt Popp stetig neue Melodien aneinander vorbeirauschen; flüchtige Beats und Klangfetzen verflicht er zu einem hyperaktiven, unheimlichen Alles-auf-einmal-Sound, der schlichtweg nicht zu fassen ist. So klingt sie wohl, die Gegenwart.

Roter Salon Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Mo 9.1., 21 Uhr, VVK 15 €

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