Konzerte & Party

P. Diddys neues Projekt „Diddy Dirty Money“

P.Diddy„Believe in your dreams, believe in yourself, love each other“, ruft P. Diddy den etwa tausend Gästen im Old Fruitmarket, einer der größten Konzerthallen Schottlands, zu. Er ist ganz in Schwarz gekleidet, zwei fette Glitzerkreuze baumeln über seinem T-Shirt, natürlich trägt er eine Sonnenbrille. Lange haben die Leute in Glasgow auf ihn gewartet. Es ist P. Diddys erster Auftritt in der schottischen Hauptstadt und sein erster Auftritt in Europa seit Langem. Nicht als Produzent, Modedesigner oder Filmstar, P. Diddy, auch bekannt als Sean John Combs, Bad Boy, Puffy und Puff Daddy, ist als Musiker zurückgekehrt, mit einer neuen Band und einem neuen Album. Es ist das erste Mal, dass er „Last Train To Paris“ live außerhalb der USA spielt, noch bevor das Album in Europa erscheint. Für sein Bandprojekt Diddy Dirty Money hat er sich zwei Frauen an seine Seite geholt, Dawn Richard und Kalenna. Die beiden verkauft er zwar als gleichberechtigte Bandmitglieder, aber Diddy Dirty Money ist eigentlich seine Show, eine perfekte Ein-Mann-Show.

Die Performance im Old Fruitmarket überrascht nicht und auch musikalisch wird auf „Last Train To Paris“ nichts wirklich Neues geboten. Es ist der P. Diddy oder Puff Daddy, wie man ihn seit Mitte der 90er-Jahre kennt: ein Rapper mit großen Gesten und seichtem Herzschmerz-HipHop. Er fragt nach Leuten im Publikum, deren Herz schon einmal gebrochen wurde, dann sollen alle weiblichen Singles die Arme heben. Den Jungs gibt er einen Rat: Wenn sie die gefunden haben, die sie wirklich lieben, dann sollen sie gut auf sie aufpassen. Dawn und Kalenna lächeln immerzu im Hintergrund. Natürlich kommen weder das Konzert noch die neue Platte ohne die Erinnerung an seinen Freund Noto­rious B.I.G. aus. Der Rapper wurde 1997 erschossen, P. Diddy schrieb den Song „I’ll Be Missing You“, ein Cover von „Every Breath You Take“ von The Police, nahm sein erstes Album auf und kassierte Millionen. Wie bei jedem seiner Live-Auftritte kündigt er das Lied mit der Frage „Has someone lost someone he loves?“ an.

Die Stimme des toten Freundes ist auch auf dem neuen Album zu hören, eingespielt bei dem Song „Angels“. Was dennoch an dieser Show beeindruckt, ist, wie absolut selbstüberzeugt sich der 41-jährige Rapper aus New York hierbei gibt. Auch im Schottenrock. Den zieht er sich mitten auf der Bühne, abgeschirmt von einer schottischen Flagge, an. Seine Hose wirft er in die Menge. Bei der Aftershowparty im altehrwürdigen Corinthian Club reserviert er dann die zwei oberen der fünf Stockwerke für sich und seine Crew. Als P. Diddy im ersten Stock ankommt, gefällt es ihm jedoch dort schon so gut, dass er auch die Hälfte dieses Raums vor der Bar absperren lässt, um mit seinen Freunden ein Weilchen zu tanzen. „Ich bin immer noch die Inkarnation des amerikanischen Rap-Star-Traums“, sagt er dem deutschen Playboy. „Und was meinen Platz in der Geschichte angeht, rede ich gerne Klartext.“ Solche Sätze hört man von ihm, seit er 1993 als 24-Jähriger mit seiner Plattenfirma Bad Boy Records durchstartete. Wenn der amerikanische Rap-Star-Traum darin besteht, eine unglaubliche Menge Geld zu verdienen, sich absolut obercool zu geben und für die bedeutendste Person des Universums zu halten, dann hat P. Diddy recht, dann ist er die Inkarnation dieses Traums. Und Diddy Dirty Money ein weiterer Beleg dafür.

Text: Katharina Wagner

Foto: Gareth Cattermole/Getty Images for MTV

Dirty Diddy Money „Last Train To Paris“ (Universal)

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