Konzerte & Party

PACS im Kaffee Burger

Pacs

Ein PACS-Konzert ist zunächst mal ein Crashkurs in Sachen Vorurteilsabbau. Denn ob man will oder nicht: Wenn drei junge Mädchen unter dem Motto Sex, PACS und Rock ’n’ Roll Musik machen und ihren Songs dann auch noch Namen wie „Arschloch“ oder „Mädchen“ geben, ist man auf Fremdschämen eingestellt. Die Erwartungshaltung geht in Richtung Juli, Killerpilze oder Tic Tac Toe. Diese Skepsis bleibt auch noch, nachdem die Band die Bühne betreten hat. In Sachen Look pflegen Charlotte, Pauline und Annie nämlich eine ähnliche Rollenverteilung wie die Spice Girls: die eine sportlich, die andere klassisch, die dritte glamourös. Typisch Girlgroup?
Falsch. Das zeigt sich schon nach den ersten Takten von „Countdown“; Garagenrock, zudem mit markantem mehrstimmigem Gesang ausgestattet. „Unser Sound hat einen starken 60ies-Einschlag“, erklärt Charlotte, als Frontfrau und Songschreiberin hat sie den größten Einfluss auf den Klang der Band. Kein Wunder also, dass PACS nicht nach aktueller Chartmusik klingen; von der hält Charlotte recht wenig: „Die ist mir zu unauthentisch. Es geht dabei nur noch um Show.“ Sie selbst höre deshalb ausschließlich „Oldschool Sachen“ wie die Beatles, David Bowie und Bob Dylan. Bei Bandkollegin Pauline hingegen darf der Bass ruhig mal etwas dröhnender, die Synthies gerne etwas fetter sein. Einen Kompromiss aus beiden Geschmäckern stellen die zwei neuen Songs „Do it, Mark“ und „Chevahir“ dar. PacsHauptmelodiegeber ist hier nicht die E-Gitarre, sondern das Keyboard, das in NDW-Manier vor sich hin fiept. Die Stimmung ist ungezähmt und experimentierfreudig, was vor allem auf Paulines wilde Vocals zurückzuführen ist. Auch was die Sprache betrifft, halten sich PACS alles offen. „Deutsch ist halt viel direkter und authentischer“, findet die Frontfrau. Andererseits hörten sich manche Sachen auf Englisch eben einfach besser an. „Das Problem ist, dass wir einen extremen Akzent haben, eine Art Denglisch. Lustigerweise denken manche, das sei Absicht und interpretieren da was Künstlerisches rein“, erzählt sie lachend. Nicht minder kritisch beurteilt die Band die Songs aus ihrer Anfangszeit. „Bei ‚Arschloch‘ wissen wir zum Beispiel nicht, ist das jetzt ein cooler Song, den man auch in 30 Jahren noch spielen kann oder ist das eine Kindernummer?“, sagt Charlotte. Mit den eigenen Liedern sei das nämlich wie mit einer Beziehung. Die könne man auch nur mit Abstand objektiv beurteilen.
Den PACS ist durchaus bewusst, welche Freiheiten ihre momentane Situation als ungesignte Band ihnen bietet. „Auf der Bühne können wir machen, was wir wollen. Wir können uns einen Schnaps reinfahren oder im Bikini antanzen, das geht alles in Ordnung“, meint Charlotte. Außerdem seien sie ohne Label gezwungen, sich selbst zu managen, wirft Pauline ein. „Dabei lernt man echt viel. Zum Beispiel wie man Flyer gestaltet, Connections knüpft, oder sich finanziert.“ Fest steht, dass PACS die Sache sehr ernst nehmen; einen alternativen Berufswunsch hat nämlich keine der drei. „Im letzten Jahr sind wir mit der Schule fertig geworden und jobben alle seitdem. Unsere Hauptenergie gilt aber ganz allein der Band“, sagt Charlotte.
PACS’ nächster Schritt in der Karriereplanung lautet nun aber erstmal, viele Konzerte zu geben, um besser und sicherer auf ihren Instrumenten zu werden. „Wir haben uns alles selbst beigebracht und spielen immer noch die absoluten Basics“, erklärt Charlotte. Das sei aber kein Nachteil, sondern viel mehr die Hauptquelle ihrer Motivation. „Wir spüren alle, dass man da noch wahnsinnig viel rausholen kann.“

Text: Henrike Möller

Foto oben: Barbi Mlzcoch

Foto unten: Christoph Maxim Krüger

PACS Residents Party, ?Kaffee Burger, Mi 26.3.?+?Mi 16.4., 21 Uhr, AK: 5 Euro

Mauerpark Auftritte ab jetzt jeden Sonntag gegen 15 Uhr

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