Konzerte & Party

Party auf dem Berliner Wasser

traumschiffeBerlin liegt nicht am Meer. Leider. Auch wenn vor einigen Jahren ein Kinofilm über die Leinwände flimmerte, der uns genau das versprochen hat: „Berlin am Meer“. Trotzdem oder gerade deshalb lieben die Berliner ihre Gewässer. Sobald es warm genug ist, wird gebadet, gepaddelt, gesegelt und an den Ufern gechillt und gefeiert, was das Zeug hält. Auch die Ausflugsdampfer und Sightseeingschiffe sind aus dem sommerlichen Stadtbild nicht wegzudenken. Bevölkert werden sie nicht nur von Senioren und Touristen. Ein junges Publikum mit Affinität zu elektronischer Musik rockt auf Schiffspartys die ollen Kähne. Die Saison wurde auch dieses Jahr vom Team des Salons zur Wilden Renate eingeläutet. Am 1. Mai startete die Crew die jährliche Feier-Kreuzfahrt. Andere Veranstalter lichten etwas später und bei sommerlicheren Temperaturen die Anker. „Gutes Wetter ist natürlich Voraussetzung“, sagt Andrй Stockhausen, Veranstalter der Bootstour …auf’n Stündchen. Er schwärmt von der ganz besonderen Stimmung, die eine Party auf dem Schiff zu einem Selbstläufer macht: „Alle kommen schon gut gelaunt und in Urlaub-am-Strand-Stimmung am Hafen in Tegel an. Gerade bei den ersten Veranstaltungen Ende Mai oder Anfang Juni, wenn es das erste Mal richtig warm wird, wollen alle unbedingt draußen sein und sind so begierig auf Sonne, dass die Party eine Eigendynamik hat, fast unabhängig vom Musikstil.“

 

BerlinBootLos geht es meist gegen 19 Uhr. Dann folgt eine mehrstündige Fahrt vom Tegeler See über die Havel raus nach Oranienburg. Der klassische Ausflugsdampfer verwandelt sich mit farbenfrohen, thailändischen Fahnen, Lampions, LED-Effekten und Beschallung mit House, Techno und Minimal in eine bunte, schwimmende Partyinsel. Der Unterschied zum Feiern im Club? „Eine Party auf einem Schiff ist allein schon visuell was ganz anderes“, erklärt Stockhausen. „Man ist unterwegs, hat dauernd neue Eindrücke. Außerdem fährt man praktisch in den Sonnenuntergang, in die Nacht hinein. Das ist völlig anders, als in einen dunklen Club zu kommen und die Tür geht hinter einem zu.“ Nach dem gleichen Erfolgsrezept funktioniert Grooveboat Berlin. Nur geht es hier einmal quer durch das Berliner Zentrum, bevor der Osten der Stadt mit Müggelsee, Dämmeritzsee und Seddinsee befeiert wird. Zum Abschluss fährt das Partyschiff in die entgegengesetzte Richtung, nach Spandau, wo ein Taxishuttle die Meute in einen Club zur After-Party verfrachtet. Veranstalter und DJ Andrй Minйe hat bereits 1993 eine Bootsparty veranstaltet und das Konzept 2007 reanimiert. Sein Sound: „Techhouse, gerne etwas minimaler.“ Sein Publikum: „Eingefleischte Technoleute.“ Die DJs stammen teilweise aus dem Umfeld des KitKat-Clubs.

Dennoch ist das ganze keine familiäre Veranstaltung und soll es auch gar nicht sein, wie er betont. Selbst überregionales Publikum checkt auf den drei Ebenen des Schiffs ein. Der Platzhirsch unter den Berliner Schiffspartys ist Berlin Beats & Boats – unter diesem Motto wird eine ganze Flotte an den Start geschickt. Zehn Boote starten am 9. Juli an verschiedenen Abfahrtspunkten in der Stadt und nehmen Kurs auf den Müggelsee. Das Besondere: Jedes Schiff wird von einem anderen Label bespielt, sodass die Gäste gezielt Tickets für ihren präferierten Sound erstehen können. „Wir wollten den Leuten Berlin vom Wasser aus nahebringen. Von dort gestaltet sich die Stadt noch mal ganz anders. Außerdem wollten wir zeigen, dass man nicht nur nachts zu elektronischer Musik feiern kann“, so Nicole Himmerlich von der Kreuzberger Veranstaltungsagentur Workisplay. Und selbst wenn Schiffe gar nicht erst ablegen, funktionieren sie als Veranstaltungsorte der besonderen Art. Das Gelände der Arena kann gleich mit zweien davon aufwarten. Das Restaurantschiff Hoppetosse präsentiert sich in der aktuellen Saison mit einem neuen kulinarischen Konzept, im Mittelpunkt stehen leichte Gerichte mit mediterranem Touch. Partys wird es nach wie vor geben, allerdings nicht mehr ganz so wild. Peter Hellbrück von der Hoppetosse erklärt: „Wir wollen die Location schützen, damit man tagsüber wirklich in schönem Ambiente essen kann.“ Abends beschallt vorwiegend elektronische Musik das ganze Schiff vom Oberdeck bis in die Räume unter Deck.

partybootGleich nebenan liegt das Badeschiff. Tagsüber relaxen Sonnenhungrige auf dem zum Schwimmbad umgebauten Frachtkahn. In den Nächten von Mittwoch bis Sonntag verwandelt sich das Boot nach Sonnenuntergang in eine Partylocation. Auch hier steht elektronische Musik im Vordergrund, dazu etwas Neue Klassik und die „Ohne Strom“-Nacht am Mittwoch mit Unplugged-Konzerten. Während die einen auf der sandigen Tanzfläche wippen, gönnen sich die anderen zwischendurch eine kurze Abkühlung im Pool. Auch auf den fest vertäuten Schiffen herrscht keine klassische Clubatmosphäre. Peter Hellbrück weiß genau, warum die Party am Wasser beim Publikum so gut ankommt: „Die frische Luft und die Aussicht machen Schiffe zu einer besonderen Location. Außerdem merkt man, wenn es wieder hell wird. Die ewige Nacht anderer Clubs gibt es hier nicht.“ Dafür hat man etwas anderes – das leichte Schaukeln des Schiffs, das die Tanzenden unter den Füßen spüren. Und dann kann sich die Spree doch mal ein bisschen wie das Meer anfühlen.

Text: Lene Bayerlein

Badeschiff & Hoppetosse Eichenstraße 4, Treptow, www.arena-berlin.de

Berlin Beats & Boats Sa 9.7.2011
www.stadtstrandfluss.de

Grooveboat Sa 2.7.2011, 16-1 Uhr, Abfahrt Tegeler Weg (Charlottenburg)
www.grooveboat.de

…auf’n Stündchen Abfahrt o2-World (Friedrichshain)
www.aufn-stündchen.de

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