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Patrick Wolf über Mariah Carey und die Dachterrasse auf dem Berghain

Patrick_WolfIm Herbst kam er von seiner Tour, die ihn fast ein Jahr lang um den Globus führte, zurück nach Hause – mit neuen Songs im Gepäck. Am 12. Dezember spielt er im Babylon Songs, die auf dieser Reise entstanden sind, aber auch winterliche Arrangements älterer Songs sowie Coverversionen. Ein Gespräch über Mariah Carey, Winter, Kirchenchor, das nächste Album und die Dachterrasse auf dem Berghain.

Gibt es Weihnachtslieder, die Sie hassen, Mr. Wolf?
a, alle. (lacht) Mir fällt gerade kein Weihnachts-Pop-Song ein, den ich mag. (überlegt) Außer vielleicht der von Mariah Carey.

„All I want for Christmas“?
Ja, den. Das ist, glaub ich, der einzig gute Weihnachts-Pop-Song. (lacht) Aber nein, stimmt ja nicht, ich mag auch das Phil Spector Weihnachtsalbum. Das war zwar ein richtiger Bestseller, klingt aber trotzdem aufrichtig feierlich. Und bei Joni Mitchell kommt manchmal Weihnachten vor, im Song „River“ zum Beispiel. Den Song sing ich wohl auch auf der Tour.

Die Tour soll winterlich werden. Sind Ihre Alben überhaupt mit bestimmten Jahreszeiten verbunden?
Ja, „Magic Position“ zum Beispiel mit dem Sommerende und mit dem Herbst, im Song „Blue Bells“. Zu der Zeit habe ich viele der Songs vom „Magic Position“-Album geschrieben. Die Stimmung auf dem Album ist wie an einem schattigen, düsteren Sommertag. Frühjahr wäre wohl am ehesten „Lupercalia“: Da wird meine Welt belebt. Und „The Bachelor“ passt in den Herbst, die Zeitspanne des Übergangs und der anbrechenden Dunkelheit. Als ich vor zehn Jahren als Patrick Wolf begonnen habe, gab es viel Zerstörung in meinem Leben. Insofern ist die Bindung zum Herbst vielleicht die stärkste.

Wie beeinflusst dann die Winterzeit Ihre Songs?
Ich werde zufällig und sublim beeinflusst durch das, was in der Natur und in der Welt überhaupt geschieht. Für manche Songs brauche ich auch sehr lang, manchmal drei Jahre. Dann stehen sie unter dem Einfluss aller Jahreszeiten. Aber ehrlich gesagt spielte der Winter bisher noch keine so große Rolle. Vielleicht wegen des ganzen Trubels um Weihnachten herum. Da ich früher im Kirchenchor gesungen habe, hab ich echt viele Weihnachtslieder singen müssen. Diese Tour jetzt aber wird nichts mit Weihnachten zu tun haben, sondern ist ein alternatives Gegengift: eine Feier der kürzesten Tage des Jahres. Außerdem liebe ich ja Harfe…

Also keine Weihnachtslieder, sondern Wintersongs?
Richtig, Weihnachten wird nicht erwähnt auf der Bühne.

Und es werden brandneue Songs mit dabei sein. Wie wird das nächste Album?
Patrick Wolf: Es gab viele Umbrüche in meinem Leben, hinter den Kulissen. Veränderungen, die ich nicht auf Twitter erzählen würde. Ich bin an einem Punkt, von dem ich vor einem Jahr nicht zu träumen wagte. Aber aus dieser destruktiven Zeit davor hab ich ein paar gute Geschichten mitgebracht – mit einem Lächeln auf den Lippen. Außerdem bin ich 30. Da wird man sich über so Einiges im Leben bewusst. Nach der Tour werde ich wieder im Studio sein, aber es wird sicher noch ein Jahr dauern, bis das Album rauskommt.

Und werden die neuen Songs eher elektronisch wie auf „Lupercalia“ oder akustisch wie auf „Sundark, Riverlight“?
Bei den Aufnahmen zum Doppelalbum „Sundark, Riverlight“ hab ich die Beziehung zu meinen liebsten Instrumenten wiederentdeckt und bin jetzt wieder ganz nah bei ihnen: der Harfe, dem Klavier und der Geige. Auf der „Lupercalia“-Tour hatte ich davor die Verbindung zu diesen Instrumenten ganz verloren. Das neue Album soll aber anders werden als all die Alben, die ich schon gemacht habe. Klare Regel: Keine Wiederholung im Klang oder bei der Produktion.

Im Song „Together“ kommt eine Berliner Dachterasse vor. War es wirklich so traurig in Berlin wie es im Song anklingt?
Ich will ehrlich sein. Als ich das erste Mal in Berlin war, hab ich es nicht verstanden und überhaupt keinen Anschluss gefunden in der Stadt. So hab ich mich oft gefühlt, wenn ich in Berlin war – obwohl ich seit „Wind in the Wires“, dem zweiten Album, viel hier gearbeitet habe. Ich kannte bloß die Band „Chicks on Speed“. Aber es hat mich nie jemand nach dem Tanzen eingeladen oder so. Dann war ich auf der Berghain-Dachterasse und hab zum ersten Mal gemerkt, wie wunderschön Berlin eigentlich ist. Aber es war niemand da, mit dem ich das hätte teilen können. Das ist der Moment im Song. Aber dann geht es ja insgesamt um Einsamkeit und Traurigkeit in großen Städte: London, Paris, Berlin.

Hat diese Traurigkeit ein Ende, nun da Sie mit Ihrem Freund verheiratet sind?
Im Grunde bin ich ja nicht verheiratet. Das ist illegal in meinem Land. (Eine vollwertige Heirat für gleichgeschlechtliche Paare gibt es in England wahrscheinlich erst ab Mitte 2014, Anm. d. Red.)

Aber Sie haben eine eingetragene Partnerschaft, eine „Civil Partnership“…
… und bin trotzdem nicht zivilisiert. (lacht)

Interview: Stefan Hochgesand

Patrick Wolf: A Night of Winter. Do 12.12. 20 Uhr, Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30

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