Konzerte & Party

Patrick Wolf im Lido

Patrick Wolf

Gut, dass Patrick Wolf nicht Ernst gemacht hat. Er wolle sich aus dem Popbusiness zurückziehen, kündigte er 2007 an, nach dem von industrialen Klängen und verzweifelten Texten geprägtem Album „The Bachelor“ die Segel streichen. Das Londoner Pop-Wunderkind, das in seiner privaten Instrumentensammlung Cembali, Geigen, Bratschen und Harfen beherbergt, war in Depressionen versunken: Die Majorfirma Polydor hatte den Soundspieler fallen gelassen; „The Bachelor“ war dann mit finanzieller Hilfe der Fans entstanden – und brachte es sogar unter die britischen Top 50. Der eigentliche Verzweiflungsgrund aber war persönlicher: Das Ende einer ernsten Beziehung stürzte den sensiblen Songwriter in tiefe Selbstzweifel. Plötzlich aber, Ende 2007, blühte die Liebe wieder; kürzlich twitterte der 27-Jährige selig: „I’m engaged to be married!“. Die Liebe zu seinem künftigen Ehemann, einem Mitarbeiter der BBC, taucht Wolfs neue Songs ins rosarote Licht der Euphorie – kein Vergleich zu den harschen, teils reizvoll überdrehten Tracks des Vorgängerwerks. Die Vorab-Singles „The City“ und „Time Of My Life“ sollen charakteristisch für das im Mai erscheinende fünfte Album sein, „Lupercalia“. Ersterer Titel ist ein strahlender Popsong mit Achtziger-Anklängen und naiv-romantischem Gestus а la OMD. „Time Of My Life“ verkuppelt dann – höchst tanzbar – üppige Streicher-Partien mit einer weit gefächerten Groove-Palette um galoppierende Drums und Händeklatscher. Man meint, der bald Vermählte wolle die ganze Welt umarmen. Sollte das popverliebte neue Album ein größeres Publikum erreichen, so hat Wolf sicher nichts dagegen. Die Zeit für ein paar Chart-Hits, die ihn über den Ruf als stilvoller Geheimtipp hinaus bringen, scheint reif.

Text: Ulrike Rechel

Patrick Wolf, Lido, Di 5.4., 21 Uhr, VVK: 20,10 Euro (ausverkauft)

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