Konzerte & Party

Paul Armfield im Auster Club

Paul Armfield

Er war genau der Richtige für das beste Berlin Album, das noch gefehlt hat: introspektiv, sentimental, romantisch, zart und implosiv. Als Vorlage der neuen Songs von Paul Armfield von der Isle Of Wight dienten zahlreiche Schwarzweissfotografien, die seine gute Freundin Elinor aus Berlin über Jahre zusammengetragen hat, auf der Suche nach poetischen Augenblicken bei ihren Streifzügen über die Flohmärkte der Stadt. Jeder weiß, dass das ein frustrierendes Unternehmen werden kann, wenn man sich allein auf die professionellen Türklinkenverticker konzentriert mit ihren abstrusen Preisvorstellungen unter dem Motto: alle Touris sind doof. Aber hinten in der Ecke kann man sie entdecken: die grauen Schachteln mit alten Fotografien einer anderen Welt. Manchmal nur Sonderbriefmarken groß ist ihr Format und zu sehen gibt es in der Regel nur Privates. Ein Spaziergang unter den Linden, ein Kind mit Kuscheltier und Dreirad, ein alter Mann unterm Baum, drei seltsame Schwestern ohne Lachen. Daraus erschuf der ehemalige Buchhändler mit Sinn für Poesie – bereits 2011 vertonte er die Gedichte von Nationalheld Lord Alfred Tennyson – Innenansichten einer nicht öffentlichen Welt, die sich vor, im und nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete. Trauer, Hoffnung, Melancholie, manchmal nur Leere, aber auch Forschergeist und Aufbruchsstimmung kommen zum Ausdruck, erschließen eine dunkle Zeit zwischen Ruinen, ersten Reisen und großblumigen Sommerkleidern, und die  sprachschönen,  dechiffrierenden Texte öffnen die Wahrnehmung. Ein Blick von Außen nach Innen und wieder zurück von einem Empathie begabten Songwriter und Chansonnier, dessen Vorbilder Jaques Brel, Scott Walker und Bill Fay heißen mögen, musikalisch frei mit Elementen des Folk Noir, Jazz und Orchesterarrangements spielen, mit Soundschichten experimentieren, der warme Bariton und das filigrane Gitarrenspiel im Vordergrund. Ein Dienstleister, wie er selber augenzwinkernd sagt, der nach Jahren der Selbsterforschung, gerne auch Anregungen von außen annimmt. Seitdem sein Debütalbum 2003 zuerst in Deutschland veröffentlicht wurde, kommt diese Bindung nun in dem außergewöhnlichen Albumprojekt „Found“ zum Ausdruck.

Text: Christine Heise

Paul Armfield, Auster Club, Pücklerstr. 34, Kreuzberg, 20 Uhr, ?VVK: 8 Euro zzgl. Gebühr

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