Konzerte & Party

Paul Simon in der Zitadelle Spandau

Paul SimonWarum Paul Simon?
Simons erste Single „Hey, Schoolgirl“ erschien Ende 1957. Er hatte sie zusammen mit seinem Jugendfreund Art Garfunkel unter dem Namen Tom & Jerry aufgenommen. Seitdem ist Simon mehr oder weniger konstant im Musikgeschäft präsent. Über wie viele Leute lässt sich schon dasselbe sagen? Wer es schafft, sich über die Dauer von fünf Jahrzehnten gegen den steten Wandel zu behaupten und immer wieder neu zu erfinden, muss schon etwas zu bieten haben.

Ist der nicht einfach bloß langweilig?
Man kann blättern, suchen und forschen, so lange man will. Berichte über handfeste Skandale, in denen Simon verwickelt war, wird man nicht finden. Der Mann ist sauber. Seit 1992 ist er mit der Sängerin Edie Brickell verheiratet. Die beiden haben vier gemeinsame Kinder, um die sich Familienmensch Simon während der Pausen zwischen Alben und Tourneen mit Hingabe kümmert. Der Mann führt kein außergewöhnliches Leben. Aus ihm ist nie ein wilder Rock’n’Roller geworden. Er ist notorisch zart besaitet. Andererseits ist auch überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn sich mal jemand im Griff hat. Wracks gibt es ja genug.

Gibt es überhaupt Musik von ihm, die man braucht?
Eine von den drei großen Alben mit Art Garfunkel gehört mindestens in den Plattenschrank, entweder „Parsley, Sage, Rosemary And Thyme“, „Bookends“ oder „Bridge Over Troubled Water“. Gefühlvoller Folk-Rock mit feinen Melodien und tollem Harmoniegesang, zeitlos gut. Die drei Soloalben aus den Siebzigern sind alle essenziell, da hatte sich der Barde mit Erfolg in Richtung Reggae, Soul und Soft-Rock vorgewagt. Und dann ist natürlich das große kreative Wiedererwachen mit „Graceland“ hervorzuheben.

Paul SimonDas ganze Drumherum um „Graceland“ war aber schon unverschämt, oder?
Da geht ein wohlhabender amerikanischer Sänger, der vorher nicht gerade eine Glückssträhne hatte, nach Südafrika, um von Musikern zu profitieren, denen unter dem Apartheid-Regime keine Menschenrechte eingeräumt werden. Das war natürlich ein Problem. Was aber wäre passiert, wenn Simon nicht so entschieden hätte? Dann hätte man womöglich nicht so viel von der Gesangsgruppe Ladysmith Black Mambazo gehört. Dann hätte Bassist Bakithi Kumalo nicht den Job seines Lebens bekommen – er spielt heute noch in Simons Liveband.

Hat der Mann überhaupt noch eine Bedeutung?
Da muss man sich nur die Fleet Foxes oder Vampire Weekend anhören, und schon hat man die Antwort. Das britische Magazin „Uncut“ hat vor wenigen Monaten einem seiner Hefte eine Gratis-CD beigefügt, auf der 15 junge Interpreten Simon-Songs covern. Darunter befinden sich Josh T. Pearson, Simone Felice, Doug Paisley oder Sohn Harper Simon. Das sagt einiges.

Was macht eigentlich Art Garfunkel?
Im letzten Jahr wollte Simon mit „Artie“ auf Tour gehen. Dann mussten die Auftritte abgesagt werden, weil Garfunkel seine Gesangsstimme verloren hatte. Leider geht es ihm immer noch nicht besser. Sobald Heilung eingetreten ist, sollen die Konzerte neu angesetzt werden.

Was für einen Sinn hat es, sich den Simon ausgerechnet jetzt anzusehen?
Er wird im Oktober 70. Man hat also nicht mehr allzu oft Gelegenheit, ihn live zu erleben. Es steht kein reiner Trip in die Vergangenheit bevor. Simon steht voll im Saft. Er kommt nach Berlin, um sein aktuelles Album „So Beautiful Or So What“ vorzustellen, mit dem er zum akustisch geprägten Stil früherer Tage zurückgekehrt ist. Es ist seine beste Arbeit seit Langem.

Text: Thomas Weiland

Fotos: Mark Seliger

Paul Simon, Zitadelle Spandau, Mo 11.7., 19.30 Uhr, VVK: 61–70 Euro

Mehr über Cookies erfahren