Konzerte & Party

Pavement in der C-Halle

PavementDennoch hat es Malkmus offensichtlich zu sehr genossen, im Mittelpunkt des Interesses einer eingeweihten Teilöffentlichkeit zu stehen, als dass er mit seiner Entwicklung von der supersmarten Indierock-Ikone zum semi-relevanten Solokünstler hätte zufrieden sein können. Für den Rest der Band scheinen handfeste ökonomische Beweggründe der wesentliche Anlass für die Wiedervereinigung zu sein. Bassist Mark Ibold betätigte sich nach dem Ende von Pavement unter anderem als Handmodel und arbeitete als Kellner, bevor er kürzlich zum dritten Gitarristen von Sonic Youth berufen wurde. Perkussionist und Keyboarder Bob Nastanovich kann das Geld gut gebrauchen, um seine Wettschulden zu begleichen. Der Pferdenarr und ehemalige Rennstallbesitzer hat sich mit seiner Spielleidenschaft finanziell verausgabt. Eine Zeit lang war er mit einem weiblichen Jockey liiert, die nach dem vorzeitigen Ende ihrer Karriere durch einen bösen Sturz eine ungesunde Vorliebe für Crystal Meth kultivierte, aber das ist eine andere Geschichte. „Ich stecke in einem ziemlich großen Loch“, gestand Nastanovich dem „Guardian“. „Diese Tour ist wahrscheinlich meine letzte Gelegenheit, die Pavement-Karte zu ziehen und mich damit vor großem Ärger zu bewahren. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen.“
Mit ihrer Welttournee reihen sich Pavement in die Phalanx von Bands ein, die Anfang bis Mitte der 90er Jahre ihren künstlerischen Zenit erreichten und nun wieder unterwegs sind, und das zumeist, ohne sich die Mühe zu machen, neues Material mitzubringen. Nach den Pixies, My Bloody Valentine, Faith No More, Rage Against The Machine und Dinosaur Jr., die zwei Tage nach Pavement erneut in ihrer Urbesetzung in Berlin auftreten werden, hat neulich auch die Seattle-Legende Soundgarden ein Comeback angekündigt, und selbst weniger bedeutende Bands wie Polvo wollen es plötzlich noch einmal wissen. Dass es den meisten Bands in diesem Zusammenhang nicht darum geht, die Rockmusik neu zu erfinden, sondern aus der wichtigsten und produktivsten Phase ihres Lebens noch einmal ein wenig Kapital zu schlagen, mag man ihnen kaum verdenken, zumal ihnen das reichlich vorhandene Publikumsinteresse Recht gibt. So mussten Pavement auf ihrer Europa-Tour bereits einige Zusatzkonzerte ansetzen, unter anderem werden sie an vier Abenden hintereinander in der Londoner Brixton Academy auftreten. „Das ist für uns, als würden wir nach Hause kommen“, sagt Scott Kannberg, „immerhin haben wir hier 1999 das letzte Konzert vor der Auflösung gegeben.“
PavementKannberg verspricht außerdem, dass die Live-Auftritte seiner Band nicht mehr ganz so unberechenbar ausfallen wie früher, als es schon mal vorkommen konnte, dass Stephen Malkmus vor lauter Lässigkeit die Gitarre aus den Händen rutschte oder dass er einen Festival-Auftritt abbrach, weil er von entnervten Zuschauern mit Schlamm beworfen wurde. „Wir haben mehr geprobt als je zuvor und sind musikalisch besser drauf als früher.“
Ob das wahr ist, wird sich beim Konzert in der Columbiahalle zeigen. Die „New York Times“ behauptet nämlich, dass Pavement genau die launische und ambivalente Band geblieben ist, die sie einmal war. „Pavement haben ihre Musik kein bisschen aufgeräumt“, heißt es dort in einer Rezension ihres Auftritts beim Coachella Valley Music and Arts Festival in Kalifornien. „Sie machten deutlich, dass jeder dissonante Gitarrenklang und jede versprungene Melodie mit voller Absicht zustande kamen.“ 
Auch in Berlin könnte der Band gelingen, den Perfektionismus und die Abgeklärtheit, die heute auf den Konzertbühnen vorherrschen, mit einem gewissen Maß an Unvorhersehbarkeit und Anarchie zu durchbrechen. Es wäre ja auch langweilig, wenn ausgerechnet Pavement eine routinierte Greatest-Hits-Show herunterspielen würden. Bleibt nur die Frage, wie es nach der Tour weitergehen wird. Neue Songs, vielleicht ein neues Album? Kannberg: „Das musst du mich in sechs Monaten noch mal fragen.“

Text: Heiko Zwirner

Pavement + Quasi, Columbiahalle, Mi 19.5., 20.30 Uhr, VVK 29 Euro, Tickets

Dinosaur Jr. + Built To Spill, verlegt ins SO 36, Fr 21.5., 21.00 Uhr, VVK 25 Euro, Tickets

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