Konzerte & Party

Pavement in der C-Halle

PavementStephen Malkmus war sich seiner Sache sehr sicher. „Nach unserer letzten Tour war für mich klar, dass es mit Pavement nicht weitergehen kann“, sagte er im Dezember 2000 bei der Vorstellung seines ersten Solo-Albums. „Ich habe keine Lust, in zehn Jahren auf eine Monsters-of-Indierock-Tour zu gehen und mit einem Bierbauch die alten Songs herunterzududeln, wie es all diese blöden Hairmetal-Bands tun.“ Das Ende von Pavement schien für ihn eine große Erleichterung zu sein, zuletzt habe er sich wie mit Handschellen durchs Leben bewegt. „Es ist ein gutes Gefühl“, fügte er hinzu, „nicht bei jedem neuen Akkord vier Leute um Erlaubnis fragen zu müssen.“
Nun, man soll niemals nie sagen. Über die aktuellen Ausmaße seines Bierbauchs ist zwar nichts Genaues bekannt, es steht jedoch fest, dass Stephen Malkmus sich zehn Jahre später wieder mit den Kollegen von früher zusammengetan hat, um noch einmal die alten Lieder anzustimmen. Im letzten Herbst verbreiteten amerikanische Blogs erste Gerüchte über eine mögliche Pavement-Reunion zum 20. Geburtstag, dann bestätigte die Band ein paar Gigs in New York. Aus diesen paar Gigs ist nun eine Welttournee mit 50 Shows in 18 Ländern geworden, die im Februar in Australien, Neuseeland und Japan begann, zurzeit quer durch Europa führt und im Herbst mit einem großen Finale im Hollywood Bowl von Los Angeles endet.
Pavement„Die Idee lag schon eine ganze Weile in der Luft“, sagt Rhythmusgitarrist Scott Kannberg. „Als ein Tourveranstalter uns klarmachte, dass die Leute nur darauf warten, uns spielen zu sehen, waren alle bereit, mitzumachen.“ Überraschenderweise musste selbst Malkmus nicht lange überredet werden. „Wir hätten nicht damit gerechnet“, sagt Kannberg, „aber als wir Steve gefragt haben, war er sofort dabei.“ Für Kannberg selbst war das Kapitel Pavement nie ganz abgeschlossen. Als Malkmus das Aus von Pavement bekannt geben wollte, weigerte sich Kannberg, ein offizielles Statement auf der Homepage der Band zu veröffentlichen. „Die Band ist immer ein wichtiger Teil meines Lebens geblieben“, sagt Kannberg. In den vergangenen Jahren kümmerte er sich mit großem Eifer darum, dass sukzessive alle Pavement-Alben in opulenter Verpackung und mit umfangreichem Bonus-Material neu aufgelegt wurden. So verhinderte er, dass eine der einflussreichsten und interessantesten Bands der 90er Jahre in der Obskurität verschwand.
In ihrer besten Zeit waren Pavement eine Ausnahmeerscheinung im stromlinienförmigen Musikgeschäft: Sie setzten dem selbstherrlichen Pathos und dem Authentizitätsgebaren der Grunge-Jünger eine angenehme Mischung aus genialischem Dilettantismus und leicht überheblichem Schlaumeiertum entgegen, sie schrieben Songs voller Andeutungen, Brüche und lässig dahingeworfener Melodien. Dabei waren Pavement zu cool, um ehrgeizig zu sein. Vor allem mit ihrem Opus Magnum „Crooked Rain, Crooked Rain“ zeigten sie, dass es keinen Grund zur Eile gibt – und dass Haltung wichtiger ist als Erfolg. „Ich wollte nie berühmt werden“, hat Stephen Malkmus einmal gesagt. „Meine Helden waren Wire, Hüsker Dü und The Fall – und nicht Elton John. Ich wollte immer coole Sachen machen, die meinen Freunden gefallen und mit denen ich mich wohlfühle.“ Vielleicht ist seine Band an ihrer eigenen Coolness zu Grunde gegangen.

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