Konzerte & Party

Peaches im Astra Kulturhaus

Merrill Nisker alias Peaches hat in den vergangenen zehn Jahren wirklich einiges erreicht. Es ist ihr gelungen, das immer so betulich behandelte Thema Sex von allen Lagen aus zu beleuchten. Sie hat in ihren Texten eingefahrene Geschlechterrollen hinterfragt, ausgehebelt und nach Lust und Laune ins Gegenteil verkehrt. Sie war ganz früh dran, als es darum ging, aus Punk-Minimalismus und elek­tronischem Sound der frühen 80er ein heißes Ding für das Hier und Jetzt zu machen. So ganz ne­benbei hat sie auch bewiesen, dass man von Berlin aus Akzente setzen kann, von denen man in der ganzen Welt profitiert. Und jetzt legt sie mit „I Feel Cream“ auch noch ein Album vor, das genauso wie ihr legendäres Debüt „The Teaches Of Peaches“ in Erinnerung bleiben wird. Miss Nisker lässt sich weiterhin nicht den Mund verbieten und tut im Alter von 42 Jahren auch sonst einiges, um den Eindruck von übermäßiger Reife zu vermeiden. Gleichzeitig hört man aber auch, wie sie sich neu erfinden will. Auffällig ist zum Beispiel, dass sie ihre Rolle als Interpretin anders definiert. Bisher hat man Peaches ja hauptsächlich als Rotlichtrapperin mit schneller Zunge kennengelernt. Jetzt singt sie auch. „Mit den ers­ten drei Alben habe ich versucht, bei anderen Leuten Barrieren nie­derzureißen. Im Gegenzug muss ich natürlich auch bereit sein, bei mir selbst Barrieren niederzureißen. Ich hatte anfangs bewusst entschieden, nicht zu singen, weil ich nicht wollte, dass die direkte und minimalistische Art der Musik darunter leidet. Im Herzen bin ich aber immer Sängerin gewesen, auch wenn ich mich nicht offen dazu bekannt hatte“, sagt sie im Interview.
Nehmen wir den neuen Song „Talk To Me„. Hier trumpft Peaches wie eine veritable Shouterin auf, in etwa so wie Landsmann Mike Reno von Loverboy in „Turn Me Loose“. Der nordamerikanische Rock-Disco-Vibe des Jahres 1981 hat es Peaches zurzeit besonders angetan, an anderer Stelle spielt sie mit dem Drumbeat aus Billy Squiers „The Stroke„. Es gab damals viele Musiker, die so eine Mischung draufhatten: Kiss mit „I Was Made For Loving You„, For­eigner mit „Urgent“ oder ZZ Top mit „Legs“. Was gefällt ihr daran? „Ich bin in den 80ern aufgewachsen, da sind Narben geblieben (lacht). Es war die Zeit, als MTV noch neu war. Das visuelle Element wurde wichtiger und nötigte Musiker dazu, wie flammende Homosexuelle auszusehen. Ihr Look wurde für längere Zeit zum Standard – außer für Bruce Spring­­steen. Der markierte natürlich weiter den harten Macker.“ Angesichts dieser Worte könnte man meinen, Peaches wolle jetzt richtig Remmidemmi machen. Doch die L.A.-Rockphase liegt bereits hinter ihr. Für die Aufnahmen zu ihrem letzten Album „Impeach My Bush“ hatte sie sich im Künstlerviertel Echo Park eingenistet und dort unter anderem mit Joan Jett oder Josh Homme gearbeitet. Entsprechend wild und krawallfreudig klang es dann auch. Dieses Mal hat die Kanadierin in ihrem Berliner Studio vieles selbst erledigt.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 10/09 auf den Seiten 72-73.

Text: Thomas Weiland

Peaches, Astra Kulturhaus, Sa 9.5., 21 Uhr, VVK: 20 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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