Konzerte & Party

Peaches: Rub

Peaches: RubDie Kanadierin mit Adressen in Berlin und Los Angeles tauschte die Rock-Show gegen die Theater- und Musical-Welt. Attraktiver als neue Songs zu schreiben, schien für sie das DJ-Handwerk zu sein.
Ihr erstes Album seit dem stilistisch aufgefächerten Clubpop-Vorgänger „I Feel Cream“ ist aber nur bedingt von DJing und Sample-Kunst beeinflusst. Eher findet Peaches zur Konzentration auf Weniges zurück und baut auf ihre relaxte Stimme und ihren abgebremsten Reimfluss. Gewohnt lakonisch und mit knochentrockenem Witz schaukeln darin Schwänze, treten Körpersäfte aus, wird gerubbelt und gerieben, und unterwegs leuchten auch mal Laserstrahlen aus ungeahnten Stellen. Peaches blendet derlei nahtlos in queer-politische Lyrics über; so reimt sie in besagtem flackernden Neo-Disco-Track „Light in Places“: „Liberate en masse / Eliminate the class / All humans, free at last / So much beauty coming out of my ass!“ Inspiriert ist die untertourige Nummer von der Luft-Akrobatin Empress Stah, die einen entsprechenden Act mit Laser-Diode im Programm hat. Ein typischer Peaches-Spezialgast – und auch anderswo spiegelt die Gästeliste eher Peaches‘ Persönlichkeitsaspekte wider, statt die Rampe anderweitig abzugeben: No-Wave-Ikone Kim Gordon etwa eröffnet das Album mit launischem Sprechgesang im abgenagten Electro-Stomper „Close Up“; auch Ex-Mitbewohnerin Leslie Feist wird ohne Stilbruch in Peaches‘ queere Grime-Ästhetik eingebunden und fügt dem finalen Track „I Mean Something“ einen lasziven Pop-Refrain zu. „I‘m on a rampage, it‘s my new rage / Crisis / but I‘m singing in the mid-range“, textet Peaches da – ein erfrischend abgeklärtes Plädoyer für Diversität und Selbstbestimmtheit.

Text: Ulrike Rechel

Peaches, Rub (I U She Music/Indigo)

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