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Peaches über ihre Rock-Oper „Peaches Does Herself“

Peachestip: Es ist mittags, hier im Probestudio in Pankow kommen mehr und mehr Leute zusammen. Sie telefonieren ständig mit Choreografen, Künstlern, Maskenbildnern – das sieht nach einer Menge Arbeit aus, die Sie sich da aufgehalst haben?

Peaches: Zunächst einmal ist das eine komplett lächerliche Idee, deine eigene Karriere zu nehmen und diese zehn Jahre in eine Story zu packen. Das übernimmt normalerweise ja jemand anderes für dich. Hatten denn etwa ABBA die Idee für „Mamma Mia“?

tip: Eher wohl deren Buchmacher…

Peaches: Ja, eher die. Und ich mache das nun alles selbst. Verrückt! Ich habe gerade aus all meinen Platten 24 Songs ausgesucht und in einen neuen Kontext gebracht, bin auch Regisseurin und zudem Hauptdarstellerin. Sehr bizarr, dabei eine gewisse Objektivität deiner eigenen Arbeit gegenüber zu wahren.

tip: Was hat Sie denn dazu getrieben?

Peaches: Das Hebbel Theater wollte letztes Jahr gerne eine Aufführung mit mir machen. Beim ersten Treffen sagte ich: „Ich möchte ‚Peaches Christ Superstar‘ machen.“ Sie sagten: „Toll, aber was willst du sonst noch tun?“ Und ich: „Genügt das denn nicht?“ Sie: „Nein, wir wollen etwas Neues. Etwas von dir.“ Und als „Peaches Christ Superstar“ dann sehr erfolgreich war, fragte ich: „Kann ich nicht einfach damit weitermachen?“ Sie: „Nein, wir haben Geld aufgetrieben, wir haben ein Budget aufgestellt. Du musst etwas damit tun.“ Das ist natürlich längst aufgebraucht, und ich schmeiß selber Geld rein, denn ich will auch das Beste draus machen.

tip: Was können wir denn erwarten?

Peaches: Nach dem Prinzip eines Jukebox Musicals, bei dem ohne Dialoge ein Song auf den anderen folgt, wird all der Trash, alles, was mich ausmacht, aufs Absurdeste abgefeiert. Die Leute sollen sehen, was ich getan habe, woher das kommt und auch, wie es schließlich im Mainstream angekommen ist. Total over the top. Und es gibt mir die Chance, eigene Songs auf neue Art zu spielen. Theater erlaubt dir einfach, aus gewohnten Dingen auszubrechen.  

tip: Wäre das mit einer Rockband nicht drin?

Peaches: Wir haben stets auch ein theatralisches Element gehabt, das ist mir gar nicht fremd, aber du kannst eine solche Show nicht jeden Abend auf einer Tournee aufbauen, das würde Hunderttausende kosten. Du brauchst ein festes Haus dafür.

tip: Dafür spielen Sie jetzt vor einem Publikum in Plüschsesseln, das sich vermutlich auch besser beträgt.

Foto: Holger TalinskiPeaches: Na, das werden wir noch sehen. Aber richtig, ich lasse die Leute sitzen. Es wird so viel passieren, dass sie es auch verwinden können, eine Weile zuzugucken.

tip: Von „Teaches Of Peaches“ bis zum letzten Album „I Feel Cream“ zeigt sich eine starke musikalische Entwicklung. War es schwer, das unter einen Hut zu kriegen?

Peaches: Es hat rund zwei Wochen gedauert und mir sehr viele Bauchschmerzen beschert. Aber ich war mir sicher, dass meine Songtexte zu Geschlechterrollen, Alter und Schönheitskult eine gute Geschichte ergeben würden. Dann kamen schnell drei, vier Hauptcharaktere hinzu. Zunächst eine Tänzergruppe, die mein Bekanntwerden darstellen soll, dann habe ich diesen Sommer eine fantastische Person namens Danni Daniels getroffen, ein Transsexueller mit wundervollen falschen Brüsten und einem großen Schwanz, den er auch gerne zeigt. Er, sie – wie auch immer – ist sehr stolz darauf, wer er ist, und diese Haltung wollte ich in der Show haben. Hinzu kommt Sandy Kane, eine Stripperin und Comedienne, fast siebzig, die macht Old-style-Witze übers Pinkeln, Furzen oder Boobs. Auch das stellt einen Teil von mir dar.

tip: Mussten Sie Ihre Songs für diese Elektro-Rock-Oper stark verändern?

Peaches: Ja, einige haben ganz neue Arrangements. Sweet Machine, meine Band, wird auch die Hausband sein. Und sie haben hart daran gearbeitet …

Das gesamte Interview von tip-Redakteur Hagen Liebing lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 23/2010.

Peaches Does Herself Hebbel am Ufer, HAU 1, Do 28. bis So 31.10., 19.30 Uhr, Restkarten an der Abendkasse, 11/18 Ђ, erm. 7 Ђ

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