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Pearl Jam: Lightning Bold

Pearl Jam: Lightning BoldPearl Jam verfügen über eine Geschichte, die nicht häufig vorkommt: eine Band, die gleich mit ihrem Debütalbum weltweit eine massenhafte Gefolgschaft für sich einnahm, woran sich seither nichts geändert hat. Im Gegenteil, selbst ohne neue Veröffentlichung dürften die Seattle-Rocker aus dem Stand jede Arena der Welt füllen. Die Platten, die auf „Ten“ (1991) folgten, konnten zwar die Wucht und Eingängigkeit des Erstlings nicht mehr erreichen, ein paar waren in den Nullerjahren auch wenig einprägsam. Doch stilistische Verfehlungen oder eitle Projekte mit Symphonieorchestern gab es in bald 20 Jahren auch keine. Mit „Backspacer“ von 2009 schienen sich die sympathisch alternden Karohemden-Träger gar frische Energiequellen erschlossen zu haben, so rau und schnell klang das bündige Rock-’n’-Roll-Paket.
Von dieser Unkompliziertheit lassen sich Vedder und Co. auch auf „Lightning Bolt“ leiten. Der Pulsschlag ist anfangs stürmisch, das Klangbild kompakt. Songs wie Aufmacher „Getaway“ erinnern mit gebündelter Energie, selbst laufender Melodie und Mike-McCready-Gitarrensolo ans Frühwerk nach Art von Bandperlen wie „State Of Love And Trust“. Die Single „Mind Your Manner“, in der Vedder gegen religiösen Fundamentalismus wettert, legt an roher Kraft in Stooges-Manier nach.
In der zweiten Albumhälfte lässt die hohe Drehzahl nach, und es folgt mit der emotionsprallen Ballade „Sirens“ ein Gezeitenwechsel, in dem Klavier, Keyboards und auch mal ein Exemplar aus Vedders Ukulelensammlung die Klangpalette verfeinern. Im zartschmelzenden „Future Days“, in der gar eine Violine ertönt, wird’s auch mal fast kitschig – aber einen sentimentalen Kern hatten Pearl Jam schließlich schon immer. Insgesamt bleibt der runde Eindruck einer Platte, die zwar nichts grundlegend Überraschendes bietet, dafür aber durch ihre reine Spielfreude einnimmt.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: ??Annehmbar

Pearl Jam, Lightning Bolt (Universal)

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