Klassik

Pekka Kuusisto in der Philharmonie

Finnischer Flaschenteufel: Der Geigen-Troll Pekka Kuusisto gehört zu den am meisten unterschätzten Violinisten der Gegenwart – und spielt Ligeti

Foto: Kaapo Kamu

Es ist nicht davon auszugehen, dass der Geiger Pekka Kuusisto, 39, den Vergleich mit einem finnischen Troll krummnehmen würde. Zu katzbuckelnd eruptiv ist sein Auftritt. Zu ungebändigt steht das blonde Stachelhaar vom Kopf. Zu rumpelstilzchenhaft springt er auf der Bühne hin und wieder. Anfangs, vor vielen Jahren, bestach der in Espoo (bei Helsinki) geborene Sibelius-Abgänger mit elegant ausschwingendem, schönem Ton. Ob es sein Auftritt in der Reihe „Junge Wilde“ in einem deutschen Konzerthaus war oder der Kontakt mit der ungebändigten Patricia Kopatchinskaya (die auf ihn schwört): Kuusisto entwickelte sich immer mehr zum finnischen Flaschenteufel der Szene.
Seine Nähe zu Jazz, Folk und Electro-Klassik wirkt spartensprengend. Mit Mozart, Brahms oder sonstwie traditionellen Sachen ist er eher wenig aufgefallen. Im Konzertalltag internationaler Gastierbetriebe spielt er keine große Rolle. Dagegen gelang es ihm, finnische Spezial-Meister von Sibelius bis Rautawaara, von Kalevi Aho bis Uljas Pulkkis vom Ruch des Seen-Hinterwäldlertums zu befreien. Genau diesen Stärken haben dazu geführt, sein im Grunde vulkanisches Temperament maßlos zu unterschätzen. Bei Kuusisto kann man lernen, dass Kälte musikalisch brennen kann. Dass im Frostbrand die wahren Temperamentsbündel aufscheinen.
Beim „Musikfest Berlin“ – typischerweise bei einem Festival – spielt Kuusisto jetzt das großartige Violinkonzert von György Ligeti: in einer Matinee mit der Jungen Deutschen Philharmonie (Leitung: Jonathan Nott). Trollt euch! Hin da.

Philharmonie So 11.9., 11 Uhr, Eintritt 15-59 €

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