Konzerte & Party

Perfume Genius im Privatclub

perfumeGenius_c_angel_ceballosEin paar Jahre ist es her, als Mike Hadreas erstmals Songs auf dem Piano spielte. Zum Musiker fühlte sich der Mann aus Seattle vorher nicht berufen, Geschichten aber hatte er genug zu erzählen. Unter dem Alias Perfume Genius sind seither zwei Alben erschienen. „Put Your Back N 2 It“ heißt das neue Werk; es basiert auf Laptop und Klavier und der gefühlsprallen feinen Stimme des 30-Jährigen. Wieder belässt Hadreas die Dinge simpel und meist zimmerlaut. Sein Debüt hatte er teils nur auf Basis rauschender MP3-Dateien eingespielt: Wichtige Files waren auf dem Rechner abgestürzt. Das Ergebnis klang, wohl auch deshalb, fragil und anrührend: Von persönlichen Konfrontationen mit inneren Dämonen handelten die Texte, von Suchtproblemen und Missbrauchstraumata. Auch die neuen Stücke berühren persönliche Seelenränder. Es geht um erinnerte Drogenszenarios oder um die Unsicherheit, die den Songwriter mitunter überfallt, wenn er sich mit seinem Freund händchenhaltend in der Öffentlichkeit bewegt. Zwar im professionellen Studio entstanden, knüpft der Klang an den alten hellhörigen Minimalismus an. „Ich wollte nicht alles vollpacken mit Schlagzeug oder Streichern, nur weil es die Möglichkeiten dafür gab. Solche Instrumente haben wir zwar verwendet, aber nicht maßlos“, erzählt er. Kleine hörbare Fehler gefallen ihm. „Ich möchte, dass der Prozess, in dem die Musik entsteht, erkennbar bleibt. Wenn etwa Stuhlrücken zu hören ist, wenn ich singe, lasse ich so was meistens drin.“ Klein, aber ergreifend, ist etwa der Song „No Tear“ mit feierlichen Klavierakkorden, klarem Soultimbre und skurril heruntergepitchtem Chor. Ein nachttrunkener Gospel, den jemand anstimmt, der tiefste Täler hinter sich weiß. 

Text: Ulrike Rechel

Foto: Angel Ceballons

Perfume Genius Privatclub, Di 22.5., 21 Uhr, VVK: 14 Euro

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